Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

 

Mit Minuszins-Krediten wollen Anbieter Kundendaten abgreifen

Weniger Geld für ein Darlehen zurückzahlen, als man aufgenommen hat: Mit Minuszinsen buhlen Vergleichsportale um Kunden. Doch die Offerten sind umstritten.



Euro-Scheine
Werben Finanzportale mit Minuszinsen für Kreditangebote, sollten Verbraucher stutzig werden.   Foto: Jens Büttner

Ärger über Kredit-Angebote: Die Geschäftspolitik von Vergleichsportalen und ihrer Partner sorgt für Beschwerden bei Verbraucherschützern. Einige Portale locken damit, dass man weniger Geld zurückzahlen muss, als man aufnimmt.

Geworben wird mit Minuszinsen von mittlerweile bis zu 20 Prozent. Aus Sicht von Verbraucherschützern handelt es sich dabei in erster Linie aber um Marketingmaßnahmen, die vor allem sensible und lukrative Kundendaten einbringen sollen.

«Solche Daten sind Gold wert - und deshalb ein ziemlich hoher Preis für den Verbraucher, sei das Minuszins-Angebot noch so verlockend», argumentiert Kerstin Schultz, Finanzmarktwächterin bei der Verbraucherzentrale Sachsen. Verbraucher müssten sich bewusst sein, dass sie mit ihren sensiblen Daten schon bei der Kreditanfrage bezahlten.

Den Angaben zufolge beschwerten sich Verbraucher, dass sie nach der Eingabe persönlicher Daten zahlreiche unaufgeforderte Alternativ-Kreditangebote erhalten hätten. Betroffene hätten von bis zu zehn Offerten mit deutlich veränderten Konditionen, Kreditsummen und Laufzeiten berichtet. Die Daten der Verbraucher werden nicht nur an den Anbieter des Minuszins-Kredits weitergeleitet, sondern auch an andere Geldhäuser und weitere Kreditvermittler, die mit den Portalen zusammenarbeiten, wie die Marktwächter erläuterten.

Die potenziellen Kunden hatten den Angaben zufolge nach Eingabe der Kontaktdaten eine Einwilligungserklärung zur Nutzung der Daten abgegeben. Diese gelte auch, wenn der Prozess abgebrochen werde. «Dies scheint vielen Verbrauchern aber nicht bewusst zu sein», sagte Finanzmarktwächterin Schultz. Generell gilt: Die Konditionen für Darlehen hängen von der persönlichen Kreditwürdigkeit des Verbrauchers ab und können deshalb vom Aktionszins abweichen.

Manche Interessenten erhielten nach Angaben der Marktwächter auch nachdem sie bereits einen Kreditantrag bei einem Geldhaus gestellt hatten, noch Anrufe, SMS und Emails, um sie zu einem Abschluss zu bewegen.

Mehrere Verbraucher beantragten die Löschung ihrer Daten und entzogen ausdrücklich die Werbeerlaubnis. Sie bekamen dafür eine Bestätigung. Dennoch erhielten sie den Angaben zufolge weiterhin Angebote per Email und SMS, durch die sie sich belästigt fühlten.

In diesem Fall sollten sich die Betroffenen an die zuständigen Datenschutzbehörden wenden, empfahl Rechtsanwalt Peter Breun-Goerke von der Zentrale zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs.

Zugleich wies er darauf hin, dass Finanzinstitute bei jeder Vergabe eines Darlehens die Kreditwürdigkeit des Kunden prüften. «Die Vergabe von Verbraucherdarlehen ohne Sicherheiten ist ein Risiko. Nicht jeder bekommt daher den beworbenen Kredit.» Das sei grundsätzlich rechtlich auch nicht zu beanstanden.

«Verbraucher sollten sich allerdings darüber im Klaren sein, dass ein gewisser Prozentsatz des Geschäfts von Vergleichsportalen dazu dient, Daten zu sammeln», sagte Breun-Goerke.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
12. 04. 2019
14:12 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Daten und Datentechnik Datenschutzbehörden Kredite Kreditwürdigkeit Kunden Kundendaten SMS Verbraucherinnen und Verbraucher Verbraucherkredite Verbraucherschützer
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Kreditkarte

30.08.2019

Bei «Revolving»-Kreditkarten fallen Zinsen oft sehr hoch aus

Bei manchen Kreditkarten stottern Kunden ihren Kredit monatlich in kleinen Beträgen mit einem festgelegten Zinssatz ab. Warum dies teuer werden kann, zeigt eine Untersuchung von Verbraucherschützern. » mehr

Das Wort "Widerrufsrecht" ist hier im BGB zu lesen

16.10.2019

Verträge können 14 Tage lang widerrufen werden

Das Angebot ist einfach zu verlockend oder der Druck von außen zu hoch. Warum auch immer Verbraucher eine Fehlentscheidung treffen, meist besteht Hoffnung, diese geradezubiegen. » mehr

Kasse

19.09.2019

Was gilt, wenn das Preisschild an der Ware nicht stimmt?

Wenn Ware an der Kasse plötzlich viel teurer ist als auf dem Preisschild angegeben, kann es zu Diskussionen kommen. Doch wer hat Recht - Mitarbeiter oder Kunde? » mehr

Immobilien-Darlehen

05.09.2019

Widerruf teurer Immobiliendarlehen prüfen

So niedrig wie Zinsen derzeit sind, kann es sich für Kreditnehmer lohnen, ein teures Immobiliendarlehen rückabzuwickeln. Dies ist aber nur ausnahmsweise möglich - der BGH hat dazu geurteilt. » mehr

Mastercard

23.08.2019

Bei Mastercard-Bonusprogramm gelangten Kundendaten ins Netz

Wer am Mastercard-Bonusprogramm «Priceless Specials» teilnimmt, ist möglicherweise von einer Datenpanne betroffen. In einigen Fällen waren ein Teil der Kartennummer sowie Anschrift und Telefonnummer im Internet zu finden... » mehr

Paket

27.08.2019

Muss ich unbestellte Ware zurückgeben oder bezahlen?

Ein Buch, Hemd oder Spiel - wer per Post Produkte bekommt, die er nicht bestellt hat, ist an keinen Vertrag gebunden. Zahlen muss man daher in der Regel nicht, raten Verbraucherschützer. » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
12. 04. 2019
14:12 Uhr



^