Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

 

Mehr Klarheit über die Tierhaltung beim Fleischkauf

Viele würden beim Schnitzel in der Kühltheke gern wissen, wie die Tiere gelebt haben. Nur woran sieht man das? Jetzt startet der Handel ein neues Logo - es gibt aber Unterschiede zu Plänen der Politik.



Haltungsform Stallhaltung
Das von der ITW entwickelte Kennzeichnungssystem besteht aus vier Stufen. Die erste Stufe «Stallhaltung» entspricht lediglich den gesetzlichen Anforderungen.   Foto: Initiative Tierwohl » zu den Bildern

Beim Fleisch-Einkauf soll es von nun an einfacher werden, die Haltungsbedingungen der Tiere zu erkennen. Die großen Supermarktketten wie Edeka, Rewe, Aldi und Lidl haben eine einheitliche Kennzeichnung auf Verpackungen für Rind- und Schweinefleisch sowie Geflügel eingeführt.

Das neue Logo mit der Aufschrift «Haltungsform» soll Kunden auf einen Blick informieren, wie die Schlachttiere gelebt haben - mit vier Stufen, die mit dem gesetzlichen Mindeststandard beginnen. Damit kommt der Handel dem von Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) geplanten staatlichen Label zuvor, das ab 2020 bessere Tierwohl-Bedingungen anzeigen soll.

Neue Haltungskennzeichnung

Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka teilte unmittelbar vor dem Start am 1. April mit, er stelle seit Mitte März seine Eigenmarkenartikel für Fleisch und Wurst schrittweise auf die neue Haltungskennzeichnung um. Ab jetzt werde ein Großteil aller Selbstbedienungsartikel erhältlich sein. Auch Rewe, Aldi und Lidl teilten mit, die Umstellung auf das neue einheitliche Layout laufe bereits und werde schrittweise verwirklicht. Eine Reihe von Handelsketten wie Lidl, Aldi oder Rewe hatte schon in den vergangenen Monaten eigene Kennzeichnungssysteme in Sachen Tierhaltung eingeführt. Doch war dies für Verbraucher wegen der Uneinheitlichkeit der Kennzeichnung teilweise verwirrend.

Das einheitliche System sieht nun vier Stufen vor: Die erste Stufe «Stallhaltung» entspricht lediglich den gesetzlichen Anforderungen. Fleisch, das mit der Stufe 2 - «Stallhaltung plus» - gekennzeichnet ist, sichert Tieren unter anderem mindestens zehn Prozent mehr Platz und zusätzliches Beschäftigungsmaterial. Stufe 3 namens «Außenklima» garantiert Tieren noch mehr Platz und Frischluft-Kontakt. Bei Stufe 4 («Premium») haben sie außerdem Auslaufmöglichkeiten im Freien. Auch Biofleisch soll in diese Stufe eingeordnet werden.

Keine Ganrantie für Tierwohl?

Die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisierte die Kennzeichnung als «Mogelpackung». Sie gaukele Verbrauchern vor, sie könnten mit ihrem Einkauf die Zustände in den Ställen maßgeblich verbessern, sagte Foodwatch-Experte Matthias Wolfschmidt. Es gehe aber nur um formale Haltungsbedingungen. «Das garantiert nicht, dass es den Tieren gut geht.»

Grünen-Ernährungsexpertin Renate Künast sagte: «Die Kunden haben bei jedem Stück Fleisch das Recht zu wissen, wie die Tiere gehalten wurden.» Das Bundesministerium arbeite aber schon seit vier Jahren an einer freiwilligen Kennzeichnung. «Warten auf Godot, das macht der Handel nun nicht länger mit.» Es sei gut, dass die Branche jetzt vorangehe und selbst eine Haltungskennzeichnung einführe. «Das Klöckner-Label ist damit gescheitert, bevor es starten konnte.» Die CDU-Politikerin müsse die gesetzlichen Mindeststandards anheben.

Das Ministerium betont indes Unterschiede zum System des Handels. Das staatliche Kennzeichen lobe nicht schon den selbstverständlichen gesetzlichen Mindeststandard aus, sondern ein Mehr an Tierwohl . Es setze deutlich umfangreichere Kriterien an, die nicht nur die Haltung im Stall im Blick haben, sondern etwa auch die Aufzucht von Ferkeln, Transport und Schlachtung. Das Logo soll mit Schweinefleisch starten und in drei Stufen mit jeweils steigenden Anforderungen höhere Standards garantieren. In der ersten Stufe sollen Schweine zum Beispiel 20 Prozent mehr Platz im Stall haben als vorgeschrieben.

Gesetzliche Vorgaben gefordert

Kritik gibt es aber unter anderem daran, dass Bauern nur freiwillig teilnehmen sollen. Foodwatch-Experte Wolfschmidt warnte: «Mitmachen werden nur die Betriebe, die ohnehin schon gute Arbeit leisten.» Statt eines weiteren freiwilligen Siegels brauche es gesetzliche Vorgaben für bessere Tiergesundheit in allen Ställen.

Die Umweltorganisation Greenpeace forderte alle Anbieter auf, Fleisch freiwillig zu kennzeichnen, solange es keine Verpflichtung gebe. Eine eigene Abfrage bei Wurstherstellern habe aber keine Bereitschaft dazu erkennen lassen. Dies zeige, wie wichtig eine Kennzeichnungspflicht sei. Ein weiteres freiwilliges Label, wie von Klöckner geplant, stifte nur Verwirrung, löse aber die Probleme nicht. Damit in artgerechtere Haltung investiert werden könne, müsse mehr Geld bei den Tierhaltern ankommen. «Preisdumping bei Fleisch und Wurst muss ein Ende haben.»

Veröffentlicht am:
01. 04. 2019
11:09 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Aldi Gruppe CDU Edeka-Gruppe Fleischkauf Foodwatch Gesetze Greenpeace Handel und Vertrieb Julia Klöckner Lidl Mindeststandards Renate Künast Rewe Gruppe Schnitzel Schweinefleisch Tierhaltung
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Fleischregal eines Edeka-Marktes

11.01.2019

Supermarktketten starten einheitliches Tierhaltungs-Logo

Mehrere Modelle gibt es schon. Nun bringen die großen Handelskonzerne eine einheitliche Kennzeichnung in die Läden, die die Tierhaltung anzeigen soll - schneller und auch anders als Pläne der Politik. » mehr

Plastikbeutel für Obst und Gemüse

11.06.2019

Aldi verlangt für dünne Plastikbeutel künftig Geld

Der Discounter Aldi will eine Vorreiterrolle im Kampf gegen die Plastiktütenflut übernehmen. Doch bei Umweltschützern und Wettbewerbern stößt der Vorstoß auf überraschend wenig Gegenliebe. » mehr

Einkaufen im Supermarkt

03.05.2019

Deutsche kaufen Lebensmittel lieber im Supermarkt

Selbst der US-Gigant Amazon konnte die Machtverhältnisse im Lebensmittelhandel bislang nicht verändern. Bei Fleisch, Obst und Gemüse bleiben die Verbraucher Edeka, Rewe, Aldi und Lidl treu. Aber wird das immer so bleiben... » mehr

Umzug

29.03.2019

Höhere Umzugs-Pauschbeträge und neue Fleischkennzeichnung

Mit dem Monatswechsel treten wieder einige Änderungen in Kraft, die Millionen Bundesbürger betreffen - nicht nur bei der Steuer. » mehr

Aldi

01.02.2019

Aldi führt Sonderangebote für Markenartikel ein

Aldi ändert seine Preisstrategie und setzt stärker auf Sonderangebote. Das könnte den Preiskampf im Lebensmittelhandel anheizen. Doch die Sache hat einen Haken. » mehr

Packung Kaviar

20.12.2018

Der «kleine Luxus» kommt zu Weihnachten aus dem Supermarkt

Auch wenn die Discounter zu Weihnachten in diesen Tagen mit Delikatessen locken: Zum Fest dominieren im Lebensmittelhandel die Supermärkte das Geschäft. Aus einem einfachen Grund. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
01. 04. 2019
11:09 Uhr



^