Lade Login-Box.
Topthemen: Gebietsreform: Das ändert sich in SüdthüringenMobilität und EnergieFußball-Tabellen

 

So wickeln Selbstständige die Insolvenz ab

Der Gang in die Insolvenz ist für Selbstständige oft der letzte Ausweg aus den Schulden. Nach spätestens sechs Jahren sind sie diese dann los. Was müssen Betroffene beachten?



Insolvenz
Neben dem Insolvenzantrag muss ein Anhörungsbogen beim Insolvenzgericht eingereicht werden.   Foto: Monika Skolimowska

Manchmal bleibt Selbstständigen bei Schuldenproblemen nur der Weg in die Insolvenz. Sie können einen Antrag auf Regelinsolvenz stellen, erklärt Kerstin Föller von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Im Gegensatz zur Verbraucherinsolvenz könnten Verschuldete hier auch ohne einen Einigungsversuch mit ihren Gläubigern in das Verfahren gehen, erklärt sie den Unterschied.

Neben dem Antrag muss ein umfangreicher Anhörungsbogen beim Insolvenzgericht eingereicht werden. Darin werden etwa Fragen zur betriebswirtschaftlichen Auswertung und zum Status einer möglichen Abwicklung der Firma gestellt - zum Teil komplizierte Themen. «Wir haben die Erfahrung gemacht, dass damit viele überfordert sind», sagt Föller. Sie empfiehlt im Zweifel eine professionelle Beratung.

Läuft das Insolvenzverfahren einmal, gilt die übliche Regel: Nach spätestens sechs Jahren ist man die Schulden los. «Das ist der große Vorteil», sagt Föller. Allerdings gibt es auch Pflichten. Menschen im Insolvenzverfahren haben eine sogenannte Arbeitsobliegenschaft. Das heißt: Lassen es Gesundheit und mögliche Erziehungsverpflichtungen zu, müssen sie in Vollzeit arbeiten oder sich aktiv um eine entsprechende Stelle bemühen und das gegebenenfalls nachweisen.

Ist Geld übrig, müssen damit natürlich die Gläubiger bedient werden. Hier gelten die üblichen Pfändungsgrenzen, erklärt Föller. Bei einem Single liegt der Selbstbehalt zum Beispiel bei 1133 Euro netto. Unter Umständen kann man während seines Insolvenzverfahrens selbstständig arbeiten. «Das muss der Insolvenzverwalter aber genehmigen», betont die Expertin, die bei der Verbraucherzentrale Hamburg die Abteilung Insolvenz, Kredit, Konto leitet.

Föller warnt noch vor einem Problem aus der Praxis, das Selbstständige mit Angestellten betrifft. «Viele haben kurz vor der Pleite nur noch das Netto überwiesen. Und das ist strafbar.» Konkret geht es um die nicht abgeführten Sozialabgaben. Diese könnten von den Finanzbehörden als sogenannte ausgenommene Forderungen angemeldet werden. Für solche gibt es nach Ende des Insolvenzverfahrens keine Restschuldbefreiung. Das heißt: Diese Schulden sind dann immer noch da. Wer ausstehende Sozialabgaben hat, sollte vor der Insolvenz mit dem Finanzamt oder der Krankenkasse reden. Ein möglicher Ausweg: Man könnte versuchen, eine Ratenzahlung für die ausstehenden Gelder zu vereinbaren.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
06. 09. 2018
10:48 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Insolvenzverfahren Konkurse Restschuldbefreiung Schuldenfalle Sozialabgaben Verbraucherzentralen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Annabel Oelmann

20.02.2019

Schufa-freie Darlehen können riskant sein

Geld gegen Informationen - so in etwa läuft das bei einer Kreditaufnahme. Denn ohne Informationen über die Bonität des Kunden, zahlt keine Bank ein Darlehen aus. Ausländische Anbieter verzichten mitunter auf eine Schufa-... » mehr

Marcus Köster

13.11.2018

Wie kommt man wieder raus aus den Schulden?

Immer mehr Menschen in Deutschland verschulden sich, wie aktuelle Zahlen zeigen. Wenn sich die Mahnungen stapeln, der Dispokredit ausgeschöpft ist und der Schuldenberg wächst, sollten sich Betroffene Hilfe holen. Die wic... » mehr

Sicherheitsbedürfnis des Verbrauchers

05.04.2019

Sicherheitsbedürfnis schützt nicht vor riskanten Geldanlagen

Deutsche Verbraucher haben ein hohes Sicherheitsbedürfnis. Häufig entscheiden sie sich dennoch für riskante Investments. Die trügerische Sicherheit von Anlagen in Sachwerten wird ihnen dabei meistens zum Verhängnis. » mehr

Riester-Rente

27.03.2019

Negativzinsen in Riester-Sparplan sind unzulässig

Wer bei der Bank Geld anspart, erwartet Zinsen - besonders, wenn es fürs Alter vorgesehen ist. Doch das Zinstief hat einiges verändert. In einem Streitfall in Stuttgart verurteilen die Richter nun beide Seiten - und gebe... » mehr

Patientenverfügung

12.03.2019

Patientenverfügung ist für Ärzte bindend

In einer Patientenverfügung kann jeder festlegen, welche ärztliche Behandlung er für bestimmte Situationen einfordert oder ablehnt. Am besten ist es, das Schriftstück in Zeiten guter Gesundheit zu verfassen. » mehr

Sparschwein

20.02.2019

Sorge ich finanziell genug für das Alter vor?

Die meisten Bundesbürger wissen, dass sie privat für das Alter vorsorgen müssen. Doch viele können nicht einschätzen, wie viel ihnen tatsächlich fehlt, um im Ruhestand keine finanziellen Sorgen zu haben. Können Faustform... » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
06. 09. 2018
10:48 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".