Topthemen: Der NSU-ProzessMobilität und EnergieGebietsreformFußball-Tabellen

 

Psychische Belastungen können als Arbeitsunfall gelten

Auch psychische Belastungen können zu Arbeitsausfällen führen und somit als Arbeitsunfall gelten. Das entschied das Hessische Landessozialgericht und verhalf einer Bahnmitarbeiterin zu ihrem Recht.



Arbeitsunfall
Psychische Belastung auf der Arbeit kann als Arbeitsunfall gelten, das entschied das Hessische Landessozialgericht.   Foto: Marijan Murat/dpa

Arbeitsunfälle müssen nicht immer physischer Natur sein. Auch psychische Belastungen, die im Zusammenhang mit der Arbeit auftreten, können als Arbeitsunfall gelten.

Es kommt allerdings immer auf den Einzelfall an, erklärt die Arbeitsgemeinschaft Sozialrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV). Gibt es aber einen klar erkennbaren Zusammenhang zur beruflichen Tätigkeit, muss die gesetzliche Unfallversicherung leisten, wie eine Entscheidung des Hessischen Landessozialgerichts zeigt (Az.: L 3 U 70/14).

Der Fall: Eine Mitarbeiterin des Service-Points am Fernbahnhof am Frankfurter Flughafen hatte einen liegengebliebenen Rucksack von der Bahnsteigaufsicht entgegengenommen. Den Inhalt protokollierte sie im Beisein eines Kollegen. Später stellten Beamte der Bundespolizei fest, dass Geld, Schmuck und eine Festplatte aus der Fundsache fehlten. Sie nahmen die Frau mit auf das Polizeirevier, wo sie nackt einer Leibesvisitation unterzogen wurde. Ohne Ergebnis.

Aufgrund dieser Maßnahme erkrankte die Frau psychisch. Die Unfallversicherung lehnte eine Anerkennung als Arbeitsunfall aber ab. Es habe sich bei der polizeilichen Kontrolle um eine private Verrichtung gehandelt, die den gesetzlichen Unfallversicherungsschutz unterbrochen habe, so die Begründung.

Das Urteil: Das Landessozialgericht sah das anders und verurteilte die Unfallversicherung zur Anerkennung als Arbeitsunfall. Auslöser und Ursache der polizeilichen Maßnahmen sei allein die berufliche Tätigkeit der Mitarbeiterin gewesen. Die Leibesvisitation erfolgte auch nicht wegen einer privaten Tätigkeit. Die Frau habe ordnungsgemäß ihre Arbeit verrichtet. Die ungerechtfertigten Maßnahmen hätten bei der Frau unmittelbar zu Gefühlen des Ausgeliefertseins, der Hilflosigkeit und Ohnmacht geführt, so dass die Frau erkrankte.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
06. 12. 2017
09:17 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Arbeitsunfälle Bundespolizei Frauen Kranke Maßnahmen Polizei Sozialrecht Unfallversicherungen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Landessozialgericht in Stuttgart

30.08.2017

Kein Arbeitsunfall beim frische Luft schnappen

Die Unfallversicherung greift nicht im Falle einer Arbeitsunterbrechung zu eigennützigen Zwecken - zum Beispiel bei einem kurzen Gang an die frische Luft. Das macht ein Gerichtsurteil in Baden-Württemberg deutlich. » mehr

Sozialgesetzbuch

05.09.2018

Arbeitsweg darf bei Arbeitsunfall keinen Privatzweck haben

Die Unfallversicherung muss einen Arbeitsunfall auf dem Weg zur Arbeit nicht anerkennen, wenn der Arbeitnehmer die Strecke aus privaten Gründen zurücklegt. Das zeigt ein Urteil aus Stuttgart. » mehr

Herren-WC

12.07.2018

Aufenthalt im Betriebs-WC ist nicht unfallversichert

Natürlich müssen Arbeitnehmer auch während der Arbeitszeit gelegentlich auf die Toilette. Die meisten Betriebe stellen dafür ein WC bereit. Doch wer zahlt, wenn ein Mitarbeiter in den Sanitärräumen verunglückt? » mehr

Unfall

28.03.2018

Ausweichmanöver bei Unfall kann Rettungstat sein

Einen Unfall will möglichst jeder Verkehrsteilnehmer vermeiden. Aber sind Autofahrer, Biker und Co. eigentlich versichert, wenn sie einem möglichen Zusammenprall ausweichen? » mehr

Halt am Briefkasten

07.03.2018

Briefeinwurf auf dem Nachhauseweg kein Arbeitsunfall

Wird der Weg von der Arbeit nach Hause aus privaten Gründen unterbrochen, ist die gesetzliche Unfallversicherung ausgesetzt. Im Falle eines Unfalls wird dieser nicht als Arbeitsunfall anerkannt. » mehr

Landessozialgericht in Stuttgart

10.01.2018

Arbeitsunfall bei Schlägen durch Kollegen auf dem Heimweg

Eine Körperverletzung auf dem Heimweg von der Arbeit kann unter bestimmten Voraussetzungen als ein Arbeitsunfall gelten. Wichtig ist dabei ist unter anderem, wo die Ursachen des Streits liegen. » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
06. 12. 2017
09:17 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".