Lade Login-Box.
Sommerausklang in Südthüringen zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

 

Mehrarbeit rentiert sich für Geringverdiener nicht immer

Arbeiten Beschäftigte in unteren Einkommensgruppen mehr, bleibt ihnen nicht unbedingt mehr Geld übrig. Im schlimmsten Fall können Sozialabgaben, Transferleistungen und Einkommenssteuern gar zu Verlusten führen. Gutverdienern ergeht es besser.



Geldbeutel
Mehrarbeit lohnt sich für Geringverdiener nicht immer. Einkommenssteuer und Sozialabgaben lassen von dem zusätzlichen Verdienst in vielen Fällen kaum etwas übrig.   Foto: Andreas Gebert/dpa

Mehrarbeit lohnt sich für Geringverdiener nicht immer. In unteren Einkommensgruppen kann das Zusammenwirken von Sozialabgaben, Transferleistungen und Einkommenssteuer dazu führen, dass von Lohnzuwächsen nichts im Portemonnaie ankommt.

Im schlimmsten Fall kann am Ende sogar weniger übrig bleiben als ohne den Mehrverdienst. Das geht aus einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung hervor.

Die Studienautoren hatten für sechs Musterhaushalte - vom Alleinerziehenden mit einem Kind bis zum Doppelverdienerpaar ohne Kinder - untersucht, wie viel von einem zusätzlich verdienten Euro übrig bleibt, wenn man Beiträge zur Sozialversicherung, Einkommenssteuern und den möglichen Entzug von Sozialleistungen wie Wohngeld oder Kinderzuschlag berücksichtigt. Das Ergebnis: Untere Einkommensgruppen werden dadurch deutlich stärker belastet als Spitzenverdiener.

Von einem hinzuverdienten Euro bleibt nach den Berechnungen der Stiftung bei einem Single-Haushalt mit einem jährlichen Haushaltsbruttoeinkommen von 17 000 Euro nichts übrig. Bei einem Einkommen von 75 000 Euro brutto würden dagegen 56 Cent je Euro in der Haushaltskasse verbleiben. Der Grund: Bei Geringverdienern würde angesichts des Mehrverdienstes im gleichen Ausmaß das Arbeitslosengeld II gekürzt. «In einigen Fällen finden wir Grenzbelastungen von über 120 Prozent, der hinzuverdiente Euro sorgt damit für 20 Cent netto weniger in der Haushaltskasse», erklärte Manuela Barisic von der Bertelsmann-Stiftung.

Aber auch bei etwas besser Verdienenden zeigt sich den Berechnungen zufolge ein ähnliches Bild. So bleiben einem Ehepaar mit zwei Kindern und einem Alleinverdiener bei einem jährlichen Bruttoverdienst von 40 000 Euro von einem zusätzlich verdienten Euro 56 Cent übrig. Wer dagegen 90 000 Euro brutto verdient, kann 66 Cent behalten.

Die Studienautoren fordern deshalb Änderungen am Gesamtsystem aus Einkommenssteuer, Sozialabgaben und Transferleistungen. «Mehr Arbeit und Lohn müssen sich für die Krankenschwester genauso auszahlen wie für den Unternehmensberater», erklärte der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, Aart De Geus. Mit Reformen müssten die Regelungen so aufeinander abgestimmt werden, dass sich mehr Erwerbsarbeit für jeden lohne.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
18. 08. 2017
13:15 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bertelsmann AG Bertelsmann Stiftung Einkommensteuer Niedrigverdiener Sozialabgaben
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Mehrere Figuren stehen auf Euromünzen

11.11.2019

Auswirkungen einer Beschäftigung im Alter

Ob aus Freude an der Tätigkeit oder aus einer finanziellen Notwendigkeit: Wer als Rentner weiter arbeitet, sollte an steuerrechtliche und sozialversicherungsrechtliche Auswirkungen denken. » mehr

Geldscheine im Geldbeutel

31.12.2019

Was bleibt 2020 im Portemonnaie?

Die meisten Verbraucher werden sich auch 2020 über mehr Geld freuen können. Arbeitnehmer profitieren vom robusten Stellenmarkt, Azubis von der neuen Mindestvergütung. Und auch Rentner gehen nicht leer aus. » mehr

Tipps zur Betriebsrente

19.08.2020

Betriebsrente lohnt sich nicht für jeden

Wer seinen Lebensstandard im Alter halten will, sollte finanziell vorsorgen. Arbeitgeber können Arbeitnehmer können dabei unterstützen. Wann sich eine betriebliche Altersvorsorge auszahlt. » mehr

Pendlerpauschale steigt: Mobilitätsprämie für Geringverdiener

21.09.2020

Mobilitätsprämie für Geringverdiener kommt

Auch wenn viele Arbeitnehmer jetzt vielleicht noch im Homeoffice sitzen, können sie sich schon mal auf 2021 freuen. Im kommenden Jahr steigt die Pendlerpauschale. Allerdings nur für längere Strecken. » mehr

Eltern mit ihrem Kind

01.07.2020

So kommen Eltern zum Elterngeld

Elterngeld soll Familien helfen. Es gleicht fehlendes Einkommen aus, wenn Eltern ihr Kind nach der Geburt betreuen. Bevor es gezahlt wird, müssen sich Eltern aber einige Gedanken machen. » mehr

Sparen

02.09.2020

Krise schlägt sich kaum im Sparverhalten nieder

Die Corona-Krise hat die deutsche Wirtschaft teils schwer getroffen. Viele Arbeitnehmer mussten in Kurzarbeit gehen. Auf das Sparverhalten der Bürger hat sich die Krise jedoch nicht negativ ausgewirkt - im Gegenteil. » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
18. 08. 2017
13:15 Uhr



^