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Muss man die Blätter der Tomaten entfernen?

Ausgeizen. Dieses merkwürdige Wort ist wohl nur Hobbygärtnern ein Begriff. Sie verbinden damit einen Ratschlag. Es heißt, wer die jungen Blätter der Tomatenpflanze abschneidet, erhält eine bessere Ernte. Aber stimmt das eigentlich?



Reife Tomaten
Ungefähr einmal wöchentlich sollten einige Seitenblätter der Tomatenpflanze gekappt werden, damit sie ihre Energie in die Fruchtreife und nicht in das Blattwachstum steckt.   Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn

Ausgeizen nennt sich ein üblicher Gartentipp zur Aufzucht leckerer Tomaten im Garten. Man sollte regelmäßig neue Blätter entfernen, so dass die Sonne besser an die Früchte herankommt und sie sich rot einfärben kann. Dieser Rat stimmt allerdings nur bedingt.

Es ist zwar so, dass viele Tomatensorten zu viele Seitentriebe bilden. Das kostet sie auch Energie, die nicht in die Bildung von Früchten und damit eine ertragreiche Ernte gesteckt wird. Daher rät zum Beispiel die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, wöchentlich Triebe auszubrechen. Oder um in der Fachsprache zu bleiben: auszugeizen.

Allerdings darf man diesen Rat nicht missverstehen: Es dürften auf keinen Fall alle Blätter entfernt werden, betont der englische Bio-Gärtner Charles Dowding , der ein Buch zu Gartenmythen geschrieben hat. Die Reife der Früchte wird manchmal allein mit der Färbung erklärt, allerdings zählen dazu gleichermaßen der Geschmack und die Süße der Früchte, erläutert der Gartenprofi. Und um das zu erreichen, brauchen Tomaten ihre Blätter. Denn diese sind nötig für die Energie- und Nährstoffproduktion durch Photosynthese. 

Werden also alle Blätter im Spätsommer entfernt, hilft das zwar den Früchten beim Rotwerden im Sonnenschein. «Aber die Früchte werden fad und nicht saftig sein», resümiert Dowding.

Der Gartenexperten verweist auf eine Studie, nach der rund 85 Prozent der Photosynthese-Leistung von den obersten 15 Prozent der Blätter am Stock erzielt werden. «Mit diesem Wissen entfernen einige Erzeuger am Boden beginnend etwa drei Viertel aller Blätter», erklärt Dowding. Es sei dann auch leichter, die Früchte zu ernten und die Stauden gesund zu erhalten.

«Nichtsdestotrotz zeigt meine Erfahrung, dass die besten Ergebnisse sich einstellen, wenn man ab dem Hochsommer und bis zur letzten Reife nur die älteren Blätter unter dem niedrigsten Trieb mit Früchten entfernt.» So könne er die Pflanzen auch gießen, ohne die Blätter dabei nass zu machen - was der Pilzkrankheit Mehltau vorbeugt.

Wie geizt man am besten aus? Die Triebe sollten nicht wahllos entfernt werden, erklärt die Landwirtschaftskammer NRW. Sie sollten noch möglichst klein sein - bis maximal zehn Zentimeter. So bleiben auch die Wunden möglichst klein. Und am besten geizen Hobbygärtner morgens die Triebe aus, da dann der Druck in den Zellen noch geringer ist als im Laufe des Tages. So tritt weniger Saft aus der Wunde aus, und diese trocknet über den Tag gut ein.

Service:

Die Broschüre «Rund um die Tomate» der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen kann kostenlos heruntergeladen werden.

Literatur:

Charles Dowding: Gelassen gärtnern - 99 Gartenmythen und was von ihnen zu halten ist, Oekom Verlag, München, 2016, 144 S., 14.95 Euro, ISBN-13: 978-3-86581-769-3

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dpa

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Veröffentlicht am:
01. 06. 2017
05:30 Uhr

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