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Was eine Wasserknappheit für Gartenbesitzer bedeuten könnte

Die Lausitz könnte noch in diesem Sommer auf dem Trockenen sitzen, wenn es weiter wenig regnet. Wassersparen bekommt damit für Teile Deutschlands eine ganz neue Bedeutung. Das könnte vor allem Gartenbesitzer treffen.



Abkühlung unterm Rasensprenger
Rasensprenger verbrauchten bis zu 800 Liter Wasser in der Stunde. Das ist rund siebenmal soviel wie jeder Bundesbürger pro Tag für sich selbst entnimmt.   Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Wasserhahn aufdrehen - und es kommt nichts raus? In Deutschland kennen die meisten Bundesbürger das bisher nur von Rohrbrüchen oder Reparaturarbeiten.

Doch im zweiten trockenen Sommer und nach Hitzerekorden wie zuletzt im Juni stehen Regionen wie die Lausitz vor einem Problem: Wenn es weiter so wenig regnet, könnten Wasservorräte knapp werden. Für Deutschland ist das völlig neu.

«Bisher war Wasserstress bei uns kein relevantes Thema», sagt Jörg Rechenberg, Wasserexperte beim Umweltbundesamt (UBA). «Die auffallend lang anhaltende Trockenheit im Sommer 2018 macht aber nicht nur Wissenschaftlern und Behörden, sondern auch einer breiten Bevölkerung bewusst: Wasserknappheit ist ein Problem oder kann zumindest eines werden.» Verteilungsstreits, zum Beispiel zwischen Wasserversorgern und Landwirtschaft, sind bereits absehbar.

Zu übersehen ist die Lage nicht: Elbe und Oder führen schon vor Beginn des Hochsommers so wenig Wasser, dass Sandbänke und Felsen freiliegen. Mitten in Magdeburg konnten Anfang Juli keine Schiffe mehr festmachen, in Dresden war Güterverkehr auf dem Wasser nicht mehr möglich.

In der Lausitz fassen die Speicher nach Angaben des Brandenburger Umweltministeriums normalerweise 88 Millionen Kubikmeter Wasserreserven. Nun sind aber nur noch 58 Millionen vorhanden. Konsequenz: In Cottbus dürfen Landwirte und Gartenbesitzer seit Sonntag in der Zeit von 6 bis 21 Uhr kein Wasser mehr aus Flüssen, Seen oder Gräben pumpen.

Damit ist die Lausitz nicht mehr so weit entfernt von Kalifornien. Der US-Bundesstaat wird immer wieder von Trockenperioden heimgesucht. Die Behörden reagieren mit Aufrufen zum Wassersparen, aber auch mit Auflagen und Strafen. In einigen Bezirken durften Anwohner nur zwei Mal pro Woche für 15 Minuten ihre Gärten bewässern. Wer Wassersünder auf frischer Tat ertappte, konnte sie in Sacramento den Behörden melden. Der Effekt: Vielerorts verschwinden Rasenflächen. Gepflanzt wird nun, was weniger Wasser braucht.

Von flächendeckendem Wasserstress in Deutschland will das Umweltbundesamt noch nicht sprechen. Die Bundesrepublik habe eine Süßwasserressource von 188 Milliarden Kubikmetern, sagt Experte Rechenberg. Damit sei sie, verglichen mit Südeuropa, reich an Grund- und Oberflächenwasser. Deutschland entnehme diesem Vorrat bisher auch nur rund 13 Prozent pro Jahr. Von Knappheit wäre erst bei mehr als 20 Prozent Entnahme die Rede.

Regional kann das aber anders aussehen. So machen sich die Wasserversorger mancherorts Sorgen um Trinkwasser-Reserven. Rasensprenger verbrauchten bis zu 800 Liter Wasser in der Stunde, sagt Karsten Specht, Vizepräsident des Verbands Kommunaler Unternehmen. Das ist rund siebenmal soviel wie jeder Bundesbürger pro Tag für sich selbst aus dem Wasserhahn zapft.

Jörg Rechenberg denkt schon über mögliche Sparszenarien nach. «Wir wollen keine Abstriche bei der Hygiene machen», betont er. Duschen sei aber schon mal besser als ein Vollbad. «Die meisten Leute haben ohnehin schon Spararmaturen installiert, zum Beispiel bei der Toilettenspülung.» Das Bewusstsein sei gut verbreitet, lobt er. Viele Bundesbürger gingen bereits sensibel mit Wasser um.

Aber Privatpools? In der Summe seien sie in Deutschland wahrscheinlich keine relevante Größe, urteilt Rechenberg. «Aber das steht dann sicher als erstes auf der Streichliste.» Beim Garten über Bewässerungszeiten nachzudenken, sei jetzt schon empfehlenswert: Am besten abends und sehr früh morgens - und nicht in der prallen Mittagshitze. Denn dann verdunstet zu viel Wasser. «Man muss auch gezielter an die Pflanzen rangehen. Automatische Systeme haben das Potenzial, präzise und mit Zeitschaltuhren zu arbeiten. Da lässt sich Wasser einsparen.»

Mit Trinkwasser-Knappheit rechnet in Deutschland heute noch niemand. Doch bei langer Dürre könnte die Landwirtschaft umdenken müssen. «Um nicht nur auf Oberflächengewässer und Grundwasser zurückzugreifen, wird Wiederaufbereitung von Brauchwasser für die Landwirtschaft zu überlegen sein», sagt UBA-Experte Rechenberg. Im Moment reichen ihm auf EU-Ebene die geplanten Qualitätsstandards dafür noch nicht. Im Klartext: Was heute aus Kläranlagen kommt, hält das UBA für die Bewässerung von Lebensmitteln für ungeeignet. Es müssten weitere Klärstufen her.

Veröffentlicht am:
09. 07. 2019
16:58 Uhr

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dpa

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09. 07. 2019
16:58 Uhr



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