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Besenheide mag es trocken und eher sauer

Die Besenheide braucht zum Leben nicht viel. Doch die Kulturlandschaften, in denen die Blume des Jahres wächst, verschwinden zunehmend. Mit wenig Aufwand kann man sie immerhin auf dem Balkon oder im Garten erblühen lassen.



Futterquelle für Insekten
Für viele Insekten ist die Besenheide eine Futterquelle. Auch Schmetterlinge fliegen die Pflanzen gerne an. Foto: Hermann Timmann   Foto: dpa » zu den Bildern

Eigentlich ist die Besenheide eine eher unscheinbare Pflanze. Aber einmal im Jahr, im August und September, zieht sie die Aufmerksamkeit auf sich. Dann verwandelt sie die Heidelandschaften Norddeutschlands in ein lila Blütenmeer.

Zum Leben braucht die Besenheide (Calluna vulgaris) nicht viel. Sie wächst dort, wo es andere Pflanzen schwer haben. «Die Besenheide ist eine prägende Pflanze in den Dünen der Nordseeküste. Aber auch in den Hochalpen kommt sie vor», erläutert Kolja Dudas von der Loki Schmidt Stiftung in Hamburg. Die Stiftung hat den immergrünen, verholzenden Zwergstrauch zur Blume des Jahres 2019 ernannt.

Futterquelle und Brutstätte

«Besenheide repräsentiert als Schirmart einen Lebensraum mit mageren, sauren und trockenen Böden», erklärt Dudas. Schützenswerte Tiere wie Zauneidechse, Kreuzkröte oder Heidelerche finden sich dort. Für viele Insekten ist die Heide Futterquelle und Brutstätte. Die Pflanze, die auch Heidekraut genannt wird, kann bis zu 40 Jahre alt werden.

Aus botanischer Sicht ist besonders die Anpassung der Besenheide an äußerst magere und trockene Böden interessant. «Als Tiefwurzler kann sich die Besenheide mit Grundwasser versorgen», erklärt Daniel Wolf vom Bundesamt für Naturschutz in Bonn. «Außerdem verhilft ihr eine spezielle Symbiose mit einem Pilz zu ausreichend Wasser und Nährstoffen.» Da sich ihre Spaltöffnungen ausschließlich auf der Blattunterseite befinden und von Haaren geschützt sind, sei die Pflanze noch zusätzlich gegen zu viel Verdunstung gewappnet.

Und dennoch hat es die Heide schwer. Denn unbebaute nährstoffarme Sandböden werden immer weniger. «Durch flächenhafte Überdüngung in der Landwirtschaft, den hohen Nutzungsdruck und die Zersiedlung der Landschaft gehen diese Flächen immer weiter zurück», sagt Dudas.

Heidegebiete

Die ursprünglichen Heidegebiete, in denen sich die Pflanze einst so stark verbreitet hat, sind in Europa seit 1850 um mehr als 80 Prozent zurückgegangen, wie Daniel Wolf erklärt. «Der Rückgang der Heidearten steht sinnbildlich für den Rückgang nahezu aller an trocken-magere Lebensräume angepassten Arten.»

Einfach wieder herstellen lassen sich die Heidelandschaften nicht. Sie sind keine Naturlandschaften, sondern aus der jahrhundertelangen Beweidung und dem kontrollierten Abbrennen der Heide entstanden. Vor 5000 Jahren verschafften große Waldbrände Bauern kostbares Weideland für ihre Kühe und Schafe. Darauf siedelte sich die Heide an.

Um zu verhindern, dass sich wieder Wald auf den Weideflächen bildet, ließen die Bauern ihr Vieh das ganze Jahr über draußen und entfachten kleine, kontrollierte Heidebrände. Der so entstandene Boden bot der Heide perfekte Bedingungen.

«Ohne Pflege verschwindet die Heide und die Flächen werden wieder Wald», erklärt Dudas. Heideflächen gehören zu den pflegeabhängigen Kulturlandschaften. Auch heute seien eine angepasste Beweidung durch Heidschnucken, das ist eine Schafrasse, und das Abbrennen von Flächen notwendig, um die Flächen zu erhalten. Da sie aufwendig sind, blieben solche Pflegemaßnahmen hauptsächlich Naturschutzgebieten vorbehalten. «Außerhalb der Schutzgebiete sind größere solcher Landschaften eine Seltenheit und werden voraussichtlich noch weiter zurückgehen.»

Zukunft der Besenheide

Die Zukunft der Besenheide hängt davon ab, dass ihre Lebensräume gepflegt und erhalten werden. Aus diesem Grund hat die Loki Schmidt Stiftung in einer Mitmach-Aktion alle Interessierten dazu aufgerufen, zu melden, wo sie Besenheide beobachtet haben. Das Ziel dahinter sei eine bessere Übersicht über die letzten Restvorkommen der Art. Datum und Ort des Beobachtung lassen sich online eingeben.

«Besenheide findet sich an vielen Stellen, zum Beispiel an Waldrändern, in Sandgruben und Dünen, in Hochmooren, auf älteren Brachen und selbst an Straßenrändern», sagt Dudas. Solche Bestände können manchmal durch fachmännische Pflege aufgepäppelt werden. «Es hat aber keinen Sinn, einfach Besenheidesamen in die offene Landschaft zu streuen, um sie wieder anzusiedeln. Das nutzt nichts und verfälscht nur die Flora.»

Wer seine eigene Besenheide im Garten oder Blumenkasten pflanzen möchte, findet insbesondere im Juli und August in Gärtnereien und Baumschulen Angebote. Dann gibt es sie in Töpfen in verschiedenen Größen und Farben. Die klassische Besenheide ist im Topf oder Beet auch bei herbstlich-kühlen Temperaturen ein Hingucker.

«Heide ist ein Saisonartikel», sagt Jörg Schneider vom Bund deutscher Baumschulen in Berlin. «Sehr haltbar und lange sehr schön farbig sind die Knospenblüher. Wer aber etwas für die Bienen tun will, sollte lieber offenblütige Pflanzen wählen», rät er.

Im Garten mag die Heide trockene, nährstoffarme Standorte mit durchlässigem und eher saurem Böden. «Nach der Pflanzung sollte die Heide sauer gedüngt werden», rät Schneider. Heide gedeiht gut unter Kiefern und Fichten, fühlt sich aber auch im Steingarten wohl. Sie blüht in klassischem Violett, Rosa oder Weiß. «Nach dem Winter sollte man sie auf die Hälfte ihrer Länge zurück schneiden und wieder sauer düngen. Dann hält sie im Garten gut fünf bis zehn Jahre.»

Veröffentlicht am:
04. 07. 2019
09:52 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
04. 07. 2019
09:52 Uhr



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