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Halloween und die Protestanten

Meine Kinder sind begeisterte Halloween-Fans. Die Ankündigung des Vaters, die Geisterrunde heuer einmal ausfallen zu lassen und nicht wie jedes Jahr die Nachbarschaft auf unserem Hof zu Kürbissuppe und Stockbrot einzuladen, während der Nachwuchs in erpresserischer Absicht von Haustür zu Haustür zieht, stößt demzufolge auch auf lautes Protestgeschrei.



 

Halloween, so jaulen meine beiden Süßen unisono wie selten, sei nach Weihnachten, Geburtstag, Ostern und Nikolaus schließlich das fünftschönste Fest im Jahr. Wobei sich die Platzierung wohl nach der Anzahl der zu erwartenden Geschenke ergibt. Hilfesuchend schauen meine beiden Möchtegern-Vampire mich an. "Seid ihr dafür nicht langsam ein bisschen zu alt?", appelliere ich an ihre Vernunft. "Süßes oder Saures – das ist doch Babykram!", schiebe ich nach. "Und dazu noch ein amerikanischer", grummelt es vom Sofa nebenan.

Wir ernten entrüstetes Kopfschütteln. "Aber ihr habt doch ohnehin genügend Naschzeug. Sogar von Ostern gibt es noch einen Schokohasen!" Ich deute auf ein angestaubtes Exemplar auf dem Wohnzimmerschrank, das bislang irgendwie seinem Schicksal entrinnen konnte, als Kuchenglasur zu enden. "Aber darum geht es doch nicht, Mama", klärt mich meine Älteste auf. "Es geht nicht ums Naschen, sondern ums Sammeln!" Ja, wenn das so ist: "Wie wäre es dann, wenn ihr mal eure Socken in euren Zimmern einsammelt? Oder eure CDs?" Meine Töchter setzen ein Gesicht auf, mit dem sie auch ohne Halloween-Kostüm jedem das Gruseln lehren könnten. "Aber wir haben doch Ferien. Und ihr habt am Dienstag auch frei", bettelt sich meine Älteste schon einmal warm.

Meine Erläuterungen zum Reformationsjubilum, zu Martin Luther und den 95 Thesen an der Schlosskirche zu Wittenberg werden widerwillig zur Kenntnis genommen. "Das ist ein hoher Feiertag für alle Protestanten!", schließe ich meinen Vortrag als Katholikin. Meine Jüngste baut sich vor mir auf. "Dann protestiere ich mit. Du sagst doch immer, man soll die Feste feiern, wie sie fallen!" Ich streiche die Segel. Luther möge es mir verzeihen. Wenigstens dieses eine Mal noch.

Autor

Brigitte Löffler
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
26. 10. 2017
19:15 Uhr

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26. 10. 2017
19:15 Uhr



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