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Wenn im Alter ungewollt die Kilos purzeln

Wenn Senioren immer mehr abnehmen, steckt nicht zwangsläufig eine Krankheit dahinter. Mitunter spielen ganz andere Faktoren eine Rolle. Wie lässt sich gegensteuern?



Gewichtsverlust im Alter
Vor einiger Zeit noch 65, heute nur noch 55 Kilogramm: Verlieren ältere Menschen binnen eines halben Jahres mehr als zehn Prozent an Gewicht, wird es kritisch.   Foto: Kai Remmers/dpa-tmn

Ein paar Kilos weniger auf die Waage zu bringen schadet bei vielen Menschen nicht. Doch im Alter ist das anders. Bei Senioren kann ein Gewichtsverlust unangenehme Folgen haben, «weil sie dabei neben Leistungsfähigkeit auch Muskulatur verlieren», sagt Prof. Rainer Wirth, Direktor der Klinik für Altersmedizin und Frührehabilitation am Marien Hospital in Herne.

Eine mögliche Folge ist ein höheres Risiko von Stürzen, die langwierige Krankenhausaufenthalte nach sich ziehen können. Viele Senioren wollen auch gar nicht abnehmen. Die Kilos purzeln ungewollt.

Doch wann ist das bedenklich? «Kritisch wird es, wenn ein älterer Mensch über zehn Prozent seines Körpergewichts innerhalb eines halben Jahres verliert», erklärt Prof. Matthias Banasch, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin mit Gastroenterologie und Onkologie am Florence-Nightingale-Krankenhaus in Düsseldorf.

Vielfältige Ursachen sind möglich

Idealerweise suchen Senioren schon bei ersten Anzeichen von ungewolltem Gewichtsverlust einen Arzt auf. Je früher gegengesteuert wird, desto besser für den Patienten. «Die Ursachen können vielfältig sein, und nicht selten kommen mehrere Faktoren zueinander», erläutert Wirth, der im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie ist.

«Ein ungewollter Gewichtsverlust kann, muss aber nicht zwingend, mit einer Tumorerkrankung einhergehen», ergänzt Banasch. Auch ein unerkannter Diabetes oder eine Funktionsstörung der Schilddrüse sind mögliche Ursachen. Neurologische Erkrankungen wie Parkinson oder eine dementielle Entwicklung können ebenfalls zu ungewolltem Gewichtsverlust führen. Gleiches gilt für schlecht sitzende Zahnprothesen oder Schluckstörungen.

Bestimmte Medikamente können als Nebenwirkung Appetitlosigkeit haben, sagt Wirth. Auch Patienten mit einer depressiven Stimmung verspüren mitunter weniger Appetit und essen nicht die gewohnte Menge.

«Oft lässt sich die Ursache für den ungewollten Gewichtsverlust schon bei einem Gespräch mit dem Patienten eingrenzen», sagt Banasch. Ein Beispiel: Ein Mann isst seit dem Tod der Frau nicht mehr regelmäßig. Zur Trauer über den Verlust kommt hinzu, dass die Frau Jahrzehnte lang für das Kochen im Haushalt zuständig war. In solch einem Fall könne im Arztgespräch bereits der Tipp helfen, sich Mahlzeiten per «Essen auf Rädern» nach Hause liefern zu lassen, sagt der Mediziner.

Lieber in Gesellschaft essen und stärker würzen

Ein weiterer Aspekt: «Viele Menschen sind im Alter oft einsam und kommen nicht damit klar, alleine essen zu müssen», erklärt Wirth. Sie sollten daher so oft wie möglich in Gesellschaft speisen und dazu zum Beispiel Angehörige, Freunde oder Nachbarn einladen.

Verursachen bestimmte Medikamente Appetitlosigkeit, kann ein Arzt oft ein gleichwertiges Präparat verordnen, das nicht diese Nebenwirkung hat, oder gegebenenfalls die Dosis des Medikaments reduzieren.

Oft führt auch ein veränderter Geschmackssinn bei älteren Menschen dazu, dass sie Essen als fade empfinden. Weil man dieses Empfinden kaum wiederherstellen kann, gilt hier: im Zweifel stärker würzen.

Immer ausreichend Eiweiß auf den Teller packen

Große Portionen schaffen viele Menschen im Alter nicht mehr. Indem sie mehr kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilen, stellen sie dennoch die notwendige Kalorienzufuhr sicher.

Wichtig ist, dabei genügend Eiweiß zu sich zu nehmen, betont Rainer Wirth. Dies beugt altersbedingtem Muskelschwund vor. Eiweißhaltig sind Fleisch, Fisch, Eier, Käse und Milch, aber auch Erbsen und Linsen. Für den Muskelerhalt braucht der Körper auch Mineralstoffe und Vitamine - also sollte man viel frisches Obst und Gemüse, Nüsse, Vollkornprodukte und gesunde Öle wie Oliven- oder Rapsöl verzehren.

Damit der Spaß am Essen nicht verloren geht und weil das Auge bekanntlich mitisst, sollte das Gericht appetitlich auf dem Teller angerichtet sein - und nicht einfach lieblos angehäuft. Wer unter Schluckstörungen leidet, für den bietet es sich oft an, Mahlzeiten in pürierter Form einzunehmen. «Schön dekoriert kann auch ein Brei dazu anregen, mit Appetit zuzulangen», sagt Matthias Banasch.

Wenn das normale Essen nicht reicht oder funktioniert, kann hochkalorische Zusatznahrung eine Lösung sein. «Diese kohlenhydrat- und eiweißreichen Kalorienbomben gibt es als Trinkpäckchen in vielen Geschmacksrichtungen», erläutert Banasch. «Damit lässt sich auch eine Hauptmahlzeit im Bedarfsfall gut ersetzen.»

© dpa-infocom, dpa:201008-99-876194/2

Veröffentlicht am:
09. 10. 2020
04:44 Uhr

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dpa

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09. 10. 2020
04:44 Uhr



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