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Hobbys in Zeiten von Corona

Auf einmal kaufen alle Hefe und backen ihr eigenes Brot. Oder sie entdecken das Zusammensetzen kleiner Teilchen für sich. Die Zeit zu Hause bringt auch neue Trends.



Backen
Auf einmal kaufen alle Hefe und backen ihr eigenes Brot.   Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa » zu den Bildern

Rico ist zweieinhalb und wird regelmäßig gefüttert. Flauschig ist er nicht. Aber er macht, was er soll: Er lockert auf. Rico ist ein Sauerteig. Seine Artgenossen und er werden gerade verstärkt in Deutschlands Küchen gebraucht. Denn in der Zuhause-Zeit während der Corona-Krise kommen manche Beschäftigungen plötzlich groß raus.

Brot backen:

Wenn der Verband der Hefeindustrie sich bemüßigt fühlt mitzuteilen, dass die Hefe-Versorgung Deutschlands gesichert sei, dann weiß man: Die Leute machen ernst. Sie kaufen massenweise Hefe, dazu jede Menge Mehl und backen. Etwa ihr eigenes Brot. Auf Google gehen Suchanfragen zum «Brot backen» im Fünf-Jahres-Verlauf seit Anfang März steil nach oben.

Klar könnte eine ganz praktische Überlegung dahinter stecken: Wer in häusliche Quarantäne muss, der kann sich mit Mehl und Hefe oder Sauerteig zu Hause selbst mit Brot versorgen. Übrigens: Sauerteig Rico ist in einer Onlinebörse zu finden. Dort können sich Neulinge nach einem Sauerteigansatz für ihren Brotback-Start umsehen.

Vielleicht ist Backen aber auch genau das, was viele Menschen in der jetzigen Situation brauchen: ein gut überschaubares Projekt mit sinnvollem Ergebnis. «Man hat von Anfang an ein klares Ziel vor Augen, auf das man sich freuen kann», sagt Psychologin Julia Krasko von der Ruhr-Universität Bochum, die sich vor allem mit Wohlbefinden und Glück beschäftigt.

Puzzeln:

«Die beruhigende und messbare Illusion von Ordnung, die das Hirn aufräumt für anderen Mist.» So beschreibt eine Twitter-Nutzerin, was Puzzeln für sie bedeutet. Es sei wie «Meditation mit dem befriedigenden Gefühl, etwas geschafft zu haben, jedes Mal, wenn ein passendes Teil entdeckt wird», so ein anderer.

Manche kramen derzeit ihre alten 2000-Teile-Puzzle wieder aus dem Schrank. Doch viele entdecken das Suchen und Zusammenfügen auch ganz neu für sich. Das Interesse war laut Erhebungen von Google Trends in den vergangenen Wochen so groß nie zuvor in den letzten fünf Jahren. Fast alles ausverkauft, jammert da manch ein verhinderter Puzzler im Netz.

Auch bei Deutschlands größtem Anbieter Ravensburger ist die Nachfrage im unternehmenseigenen Online-Shop derzeit um ein Vielfaches größer als normalerweise. Besonders gefragt: Puzzle für Erwachsene mit 1000 Teilen. Psychologin Krasko erklärt, was hinter dem Teilchen-Fieber stecken könnte: Eine Handlung, der man gewachsen, die aber nicht zu simpel ist, sei sehr befriedigend. «Man ist eins mit der Tätigkeit, kommt in einen Flow-Zustand.» Danach habe man positive Gefühle, so die Wissenschaftlerin.

Nähen:

Gerade greifen Neulinge für ein besonderes Kleidungsstück zur Nadel: die Maske. Der Mund-Nasen-Schutz soll die größten Tröpfchen auffangen und so die Ansteckungsgefahr für andere verringern. Das Tragen in der Öffentlichkeit wertet Virologe Christian Drosten als «Geste, Signal, als Höflichkeit».

Also ergeben sich für die Neu-Näher gleich zwei positive Effekte: Sie erlangen eine neue Fähigkeit und sie demonstrieren Solidarität. Im Netz häufen sich mittlerweile die Anleitungen für Masken - genauso wie Bilder von selbstgenähten Exemplaren. Und es gibt auch viel Anerkennung. Psychologin Krasko meint: Das Teilen in den sozialen Netzwerken könne auch «das gute Gefühl vermitteln, im selben Boot zu sitzen».

Veröffentlicht am:
06. 04. 2020
11:54 Uhr

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Autor

dpa

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06. 04. 2020
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