Lade Login-Box.
Topthemen: Ministerpräsidentenwahl ThüringenFreies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

 

Schwimmende Seniorenresidenz vor dem Start

Als Senior dauerhaft auf einem Kreuzfahrtschiff leben und über die Flüsse Mitteleuropas schippern - das soll demnächst auf der angeblich weltweit ersten schwimmenden Seniorenresidenz möglich werden. Die ersten Kabinen sind schon reserviert.



Flusskreuzfahrtschiff «FT Calea»
Das Flusskreuzfahrtschiff «FT Calea» wird derzeit in den Niederlanden zu einer Seniorenresidenz umgebaut.   Foto: TED-cruises GmbH/dpa

Für Senioren mit dem nötigen Kleingeld bietet eine Reederei in der Eifel demnächst ein neues Zuhause an: Kabinen an Bord eines Flusskreuzfahrtschiffes, das zur Seniorenresidenz umgebaut wird - und auf den Flüssen Mitteleuropas unterwegs sein soll.

«Wir wollen eine Alternative bieten zu Altersheimen - für Senioren, die noch was erleben wollen», sagte der Geschäftsführer der Firma Ted-Cruises in Hillesheim, Thady Alexander Thömmes. Die «FT Calea» soll ihren Heimathafen im Raum Köln-Bonn haben und voraussichtlich in diesem Spätsommer oder Herbst mit 70 bis 100 Bewohnern ablegen.

Wohnschiff für Senioren

Vor wenigen Tagen hat Ted-Cruises mit dem Kabinenverkauf begonnen. «Es ist phänomenal angelaufen», berichtete Thömmes nach zwei Terminen an Bord des Flusskreuzers, der derzeit im niederländischen Grave liegt. Die Interessenten stammten vor allem aus der Region Köln-Bonn, aber auch aus anderen Bundesländern, Luxemburg und der Schweiz. Etliche Reservierungsverträge seien schon rausgeschickt worden. «Die meisten der Leute, die ich jetzt kennengelernt habe, verkaufen ihre Wohnung und ziehen komplett an Bord.»

Das Schiff soll rund 150 Tage pro Jahr in Köln-Bonn liegen. Nicht am Stück, aber immer mal wieder drei bis vier Tage. «So soll die Heimatverbundenheit und die Nähe zu Familie und Freunden erhalten bleiben», sagte Thömmes. Das sei vielen sehr wichtig. Die übrige Zeit im Jahr gehe es über den Rhein, die Mosel, die Maas und Kanäle. Die Routen sollen mit den Bewohnern zusammen geplant werden. «Jeder kann Wünsche äußern, wo er mal hin will.» Auch bei Gestaltung der Kabine dürften die Bewohner mitplanen.

Die «FT (Flusstraum) Calea» sei ein Wohnschiff, das «betreutes Wohnen plus» anbiete. Neben Vollverpflegung, Service und Unterhaltung seien auch ständig Pflegekräfte an Bord. «Wir sind aber kein Pflegeheim mit Intensivpflege», sagt Thömmes. Ärzte kämen regelmäßig auf das Schiff, zudem gebe es entlang der Route Kliniken und Mediziner, mit denen man in Kontakt sein werde. Es sei die «weltweit erste Seniorenresidenz an Bord eines Flusskreuzfahrtschiffes», sagte der 23-Jährige, gebürtig aus Warstein im Sauerland.

Kosten für die Unterbringung an Bord

Wer sich an Bord einkaufen will, muss einmalig zwischen 29.000 und 120.000 Euro zahlen - je nachdem, wie groß seine Kabine ist und wo sie auf dem Schiff liegt. Die monatlichen Kosten liegen dann bei 3500 Euro pro Person in der günstigsten Kategorie. «Wir wissen, das kann sich mit Sicherheit nicht jeder leisten», sagte der Geschäftsführer. «Aber es sind auch nicht die Superreichen, die bei uns eine Kabine nehmen.» Pflegekassen zahlten keinen Zuschuss, «weil wir kein klassisches Altenheim sind».

Drei Jahre lang habe die Firma an dem Projekt gearbeitet, erzählte Thömmes, der selbst eine Leidenschaft für Kreuzfahrten hat. «Ich bin großer Fan.» Zuvor habe er Gruppenkreuzfahrten für ein Reisebüro organisiert und sei als Reiseleiter mitgefahren. 2011 habe er seine erste Kreuzfahrt gemacht. «Seither 97 Stück. Ich habe also mehr Zeit auf dem Wasser verbracht als an Land.»

Einmal habe er eine ältere Dame auf einer Mittelmeer-Kreuzfahrt kennengelernt, die erzählte, sie sei seit Monaten an Bord des Schiffes und mache immer die gleiche Runde. Sie habe gestört, dass jede Woche, wenn sie sich mit Passagieren angefreundet hatte, diese wieder von Bord gingen. Auf der «FT Calea» werde das anders: «Wir wollen eine Art Gemeinschaft auf dem Schiff haben. Wir wollen eine kleine Schiffsfamilie werden.»

Die Idee eines Wohnschiffes für Senioren gebe es schon länger, sagte die Sprecherin der Interessengemeinschaft IG RiverCruise in Basel. Dass sie aber jemand jetzt in dieser Form umsetze, sei ihrer Kenntnis nach neu. «Dafür gibt es einen Markt, denn es gibt viele gesundheitlich fitte Rentner, die heute schon gerne länger an Bord bleiben.»

Leistungen genau prüfen

Flusskreuzfahrten würden immer beliebter. Die Zahl der Passagiere auf Europas Wasserwegen habe sich von 2013 bis 2018 fast verdoppelt: Von rund 850.000 auf gut 1,63 Millionen. Der Anteil der deutschen Passagiere lag demnach bei knapp 30 Prozent. Die IG RiverCruise vertritt die Interessen der Flusskreuzfahrt-Reedereien in Europa.

Die Bundesinteressenvertretung für alte und pflegebetroffene Menschen findet alternative betreute Wohnmöglichkeiten im Alter grundsätzlich gut. «Je mehr man auswählen kann, umso mehr steigt die Wahrscheinlichkeit, dass man das für sich passende findet», sagte der Sprecher vom BIVA-Pflegeschutzbund, David Kröll, in Bonn. Es werde aber empfohlen, genau hinzuschauen. «Man sollte sich mit dem Angebot auseinandersetzen und prüfen, welche Leistungen genau im Vertrag festgeschrieben sind und wieviel diese kosten, bevor man unterzeichnet.»

Betreutes Wohnen auf einem Kreuzfahrtschiff könnte ein gute Sache sein. Ein Pflegeheim auf einem Schiff könne er sich dagegen schwer vorstellen. Der BIVA-Pflegeschutzbund setzt sich seit 1974 Bundesweit für die Rechte und Interessen von Menschen ein, die Hilfe oder Pflege benötigen und daher in betreuten Wohnformen leben.

Rund um den Globus gibt es noch weitere Wohnschiffe wie «The World» - ein Luxuskreuzer mit Appartements für Millionäre jeden Alters. «Das ist eine ganz andere Preisklasse. Wir wollten was ähnliches machen für die Mittelschicht: Und Wohnschiff mit Pflege und Betreuung, da sind wir weltweit die ersten, die das machen», sagte Thömmes.

Veröffentlicht am:
10. 02. 2020
11:47 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Kreuzfahrten Kreuzfahrtschiffe Passagiere und Fahrgäste Pflegeheime Pflegepersonal Pflegeversicherungen und Pflegekassen Schiffe Senioren Seniorenheime Ärzte
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Wolfgang H.

24.04.2019

Nur wenig Pflegeheime sind auf Alkoholkranke vorbereitet

Auch alte Menschen trinken - und ihre Zahl wächst. Doch Therapieangebote für Senioren mit Alkoholproblemen sind Mangelware. Wenn die alten Menschen dann ins Altenheim kommen, sind die Einrichtungen oft überfordert und da... » mehr

Füttern einer Pflegebedürftigen

02.05.2019

Wie Angehörige gute Pflege erkennen

Pflege ist einerseits intim - und andererseits komplex. Für Angehörige ist es da oft nicht leicht, zwischen dem Pflegebedürftigen und einem Pflegedienst zu vermitteln. Wichtig ist dabei vor allem, sich auf das eigene Ges... » mehr

Pflegehotel Willingen

29.04.2019

Spezialhotels ermöglichen Angehörigen Auszeit

Die Pflege von Verwandten kann für Angehörige eine Vollzeitaufgabe sein. Pflegehotels bieten ihnen die Möglichkeit, neue Kraft zu schöpfen. Doch es gibt bisher nur wenige Angebote - auch, weil der Gesetzgeber an solche E... » mehr

Anspruch auf Pflege

17.01.2020

Was Sie über Pflegegrade wissen müssen

Erst der Antrag, dann kommt der Gutachter - und was gibt es dann überhaupt? Wer einen Pflegegrad beantragt, muss mit einem gewissen Maß an Papierkrieg rechnen. Doch die Mühe lohnt sich. » mehr

Felizitas Bellendorf

12.04.2019

Gut vorbereitet auf die Pflege von Angehörigen

Ein Pflegefall kann Familien von heute auf morgen treffen. Deshalb lohnt es sich, darauf vorbereitet zu sein - auch wenn die Gespräche darüber vielleicht unangenehm sind. » mehr

Internet im Seniorenheim

11.07.2019

Seniorenheime bauen das Internet aus

In Cafés und Kaufhäusern ist kabelloser Internetzugang oft Standard, in Seniorenheimen dagegen meist nicht. Doch die Pflegeeinrichtungen denken um - auch weil sich ihre Kundschaft verändert. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
10. 02. 2020
11:47 Uhr



^