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Manche Eltern geben ihren Babys exotische Namen

Auch wenn viele Babys Marie, Paul, Sophie oder Alexander genannt werden - manche Eltern mögen es exotischer. In Urkunden taucht auch Wendelbert, Merkel oder Tyrion auf. Nach Ansicht von Psychologen macht ein ungewöhnlicher Name den Kindern das Leben schwerer.



Babys
Bei der Namensvergabe gibt es «einen Trend zur Individualisierung», sagt GfdS-Expertin Rüdebusch.   Foto: Patrick Pleul

Mit Rihanna und Shakira im Sandkasten sitzen oder am Nachmittag bei Kurdistan und London zum Kindergeburtstag gehen. Das ist in Deutschland alles möglich - denn Eltern wählen für ihre Babys teils sehr exotische Vornamen.

Auch von der Fantasy-Serie «Game of Thrones» lassen sich Väter und Mütter inspirieren. Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) listet in einer Aufstellung «besonderer Namen» allein knapp zwei Dutzend Charaktere der Serie auf, darunter Daenerys, Tyrion und Arya. Allein Tyrion sei in den vergangenen drei Jahren rund 15 Mal vergeben worden, sagt GfdS-Expertin Frauke Rüdebusch in Wiesbaden am Donnerstag.

Die griechische und römische Mythologie wird ebenfalls bemüht. Wie aus den Urkunden der Standesämtern hervorgeht, nannten Eltern ihre Kinder unter anderem Adonis, Poseidon oder Apollo. Zu den weiteren ungewöhnlichen Namen zählen Wendelbert, Bombastus, Terence-Spencer oder Jamy-Oliver - die jedoch sehr selten sind. Die beliebtesten Babynamen 2018 waren Marie, Paul, Sophie oder Alexander.

Psychologe warnt vor ungewöhnlichen Namen

«Welche Motive der Namensvergabe jeweils zugrunde lag, ist uns nicht bekannt», erläutert die GfdS. Die juristische Entscheidung zur Eintragung sei letztlich allein von den Standesämtern zu treffen. Die GfdS bietet auf Nachfrage Gutachten über Vornamen an und gibt eine sprachliche Empfehlung. So lehnten die Sprachexperten unter anderem Popcorn, Urmel, Eisenstein, Knirpsi oder Lucifer ab.

Der Dresdner Psychologe Ulrich Winterfeld warnt Eltern davor, ihren Neugeborenen allzu ungewöhnliche Namen zu geben. «Kinder mit exotischen Namen haben es deutlich schwerer», sagt der Experte. Oft gehe es den Eltern dabei nicht ums Kind - sondern um die eigene Beziehung. Beispielsweise dann, wenn sie ihren Sohn oder ihre Tochter nach einem Popstar benennen, weil sie sich bei dessen Konzert kennengelernt haben.

«Als Psychologe sage ich, wenn man nicht nur signalisieren will, dass man eine ganz besondere Beziehung hat, sondern dem Kind auch was Gutes tun will, sollte man ihm auf jeden Fall einen zweiten und weniger exotischen Namen geben», mahnt Winterfeld.

Was geht und was nicht geht

«Es gibt einen Trend zur Individualisierung», sagt GfdS-Expertin Rüdebusch. Von einigen der eingetragenen Namen hätte die GfdS abgeraten. Bei den Empfehlungen stehe das Kindeswohl ganz oben. Außerdem müsse der Name als Vorname erkennbar sein. Grünes Licht gab die GfdS unter anderem für Merkel. Der Nachname der deutschen Bundeskanzlerin gehe aus dem Vornamen Markward hervor und könne daher vergeben werden - allerdings streng genommen nur an Jungs.

Diplom-Psychologe Winterfeld mahnt: «Was die Sache noch schlimmer macht ist, wenn man den exotischen Namen per Bindestrich mit einem normalen Namen verbindet - das ist der absolute GAU.» Erzieher und Lehrer könnten mit verständlichen, deutschen Namen wie Alexander, Marie oder Hanna mehr anfangen, sagt der Wirtschaftspsychologe und erläuterte: «Es gibt verschiedene Untersuchungen, die zeigen, dass der Vorname etwas mit dem beruflichen Erfolg zu tun hat.»

Dirk und Sabine verdienen viel

Bei Menschen mit hohem Verdienst seien bestimmte Vornamen überrepräsentiert. «Hauptverdiener in Deutschland ist der Dirk bei den Männern und Sabine bei den Frauen.» Eine andere Untersuchung aus Deutschland zeige, dass sich auch die Notengebung der Lehrer an den Vornamen orientiere.

«Es lebt sich mit bestimmten Vornamen leichter als mit anderen», resümiert Winterfeld. Namen wie «Maximilian» oder «Katharina» beispielsweise könnten signalisieren, dass die Kinder aus einer gebildeten Familie stammten. Andere Namen wie Kevin oder Chantal verbänden dagegen viele mit einer sozial schwächeren Herkunft.

Die Digitalisierung könne den Effekt noch verstärken. Früher habe man beim persönlichen Gespräch eher die Gelegenheit gehabt, einen womöglich schlechten Eindruck des Vornamens zu kompensieren.

Im E-Mail-Verkehr sei das schwerer, sagt Winterfeld und gibt zu Bedenken: «Diese Personen müssen ja nicht weniger intelligent und motiviert sein, nur ihr Gegenüber in der Schule oder bei der Einstellung bewertet diese Namen womöglich schlechter.» Diese Menschen könnten es schwerer haben, nach vorne zu kommen. Gegenbeispiel sei der Juso-Chef Kevin Kühnert. «Aus ihm ist trotz seines Vornamen etwas geworden.»

Veröffentlicht am:
27. 06. 2019
17:52 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
27. 06. 2019
17:52 Uhr



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