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Wenn Konkurrenz in der Liebe zum Problem wird

Konkurrenz belebt das Geschäft, heißt es. Doch auch Beziehungspartner können zu Konkurrenten werden. Etwa wenn es darum geht, wer sportlicher oder erfolgreicher im Job ist. Ein bisschen Wettbewerb kann die Beziehung beleben - zu viel sollte es aber nicht sein.



Kräftemessen
Hinter dem Kräftemessen in der Partnerschaft kann der Wunsch nach Abgrenzung, aber auch geringes Selbstwertgefühl stecken.   Foto: Bodo Marks

Wer hat die größere Summe auf der Gehaltsabrechnung? Wer hat den spannenderen Freundeskreis? Und wer spielt besser Tennis? So sehr sich zwei Menschen auch lieben: Manchmal mogelt sich Wettbewerbsdenken in den Beziehungsalltag.

«Dass Partner bei bestimmten Themen miteinander wetteifern, passiert häufig und ist normal», sagt Anika Bökenhauer, Paartherapeutin in Göttingen. Manchmal gewinnt aber das Gefühl des Triumphs Überhand, wenn einer sich besser schlägt als der andere.

Wunsch nach Abgrenzung

Doch woher kommt der «Ich will besser sein als du»-Gedanke? Dahinter stehe oft der Wunsch nach Abgrenzung, erläutert Vera Matt, die als Paartherapeutin in Berlin arbeitet. «Um nicht miteinander zu verschmelzen, treten die Partner in einen Wettbewerb.» Mit bösen Absichten hat das in der Regel nichts zu tun. Oft stecken hinter dem Wetteifern sogar gute Motive: für die eigene Selbstverwirklichung einzustehen oder die Beziehung zu kämpfen.

Anika Bökenhauer hat dafür ein Beispiel: «Manchmal reiben sich Paare an der Frage, wer am meisten für die Beziehung tut. Dahinter steht der Wunsch, eine gute Partnerschaft zu haben.» Dies sei ein gutes Ziel. Konkurrenz sei allerdings keine gute Strategie, um es zu erreichen. Denn wenn Partner zu Konkurrenten werden, mischen sich rasch Vorwürfe oder Überheblichkeit in die Beziehung.

Geringes Selbstwertgefühl

Doch nicht nur der Wunsch nach Abgrenzung kann für ein Kräftemessen in der Liebe sorgen. Auch ein geringes Selbstwertgefühl kann die Ursache sein. Wer das Gefühl verspürt, nicht gut genug zu sein, gibt sich womöglich besonders viel Mühe, um sich gegenüber dem Partner oder der Partnerin zu behaupten.

Kritisch wird es, wenn beide aus dem Duell-Modus nicht mehr herausfinden. «Wetteifert man bei einem bestimmten Thema, kann man später mit etwas Distanz feststellen: «Das war irgendwie blöd». So hat das Paar die Chance, die Situation zu reparieren», erklärt Bökenhauer. Versuchen die Partner jedoch, sich bei jedem Thema gegenseitig zu übertrumpfen, funktioniert das nicht mehr. Die ständige Konkurrenz führt dazu, dass die Partner zwischen Angriff und Rückzug pendeln - keine gesunde Basis für eine Beziehung.

Therapie und Coaching kann helfen

Dazu kommt, dass eine Konkurrenz zwischen den Partnern auch Neid schüren kann. «Neid kann einerseits ein Motor sein, der dazu motiviert, etwas zu erreichen», erklärt Matt. Problematisch wird er jedoch, wenn er in Missgunst umschlägt. Wenn man sich über die Beförderung oder die neue Jogging-Bestzeit des anderen nicht freuen kann, sondern sauer ist. Hinter Missgunst steckt oft ein geringes Selbstwertgefühl, das durch eine Therapie oder ein Coaching aufgearbeitet werden kann.

Doch wie lässt sich die Konkurrenz in einer Beziehung auflösen? Bökenhauer rät dazu, sich selbst zu erforschen. Welches Thema, welches Bedürfnis steckt hinter der Konkurrenz? Und: Lässt sich dieses Ziel auch erreichen, ohne mit dem oder der Liebsten in einen Wettstreit zu treten? Der zweite Schritt ist, sich mit dem Partner zu besprechen.

An Werten messen, nicht an Leistung

Doch nicht jede Konkurrenz muss aus der Welt geschafft werden. «Ein bisschen Wettbewerb ist manchmal gar nicht schlecht, weil er die Beziehung spannend macht», sagt Vera Matt. Wenn ein literaturbegeistertes Paar streitet, wer die spannenderen Bücher findet, kann das Schwung und Spaß in die Beziehung bringen. Davon profitieren beide Partner. «Gut ist es, wenn sich ein Paar an Werten misst, nicht an Leistung», fasst Matt zusammen. Sie rät dazu, den Wettbewerb anders auszurichten - miteinander statt gegeneinander.

Veröffentlicht am:
04. 04. 2019
15:39 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
04. 04. 2019
15:39 Uhr



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