Topthemen: Der NSU-ProzessMobilität und EnergieGebietsreformFußball-Tabellen

 

Wenn die Familie des Liebsten andere Traditionen kennt

Bildungsgrad, soziale Schicht, religiöse oder politische Einstellungen: Manchmal finden zwei Menschen zusammen, deren Familien ganz unterschiedlich ticken. Diese Paare stehen vor dem spannenden Projekt, eigene Rituale und Werte zu entwickeln.



Unterschiedliche Herkunft
Unterschiedliche Herkunft kann eine Beziehung bereichern. Davor steht aber harte Arbeit.   Foto: Chris Adams/Westend61 » zu den Bildern

Er stammt aus einer klassischen Arbeiterfamilie, sie aus einem Ärztehaushalt. Seine Eltern sind sehr religiös, ihre belächeln die Kirche. Oft finden Menschen zusammen, die aus ganz unterschiedlichen Familien stammen. Was bedeutet das für die Beziehung?

«Eltern geben ihren Kindern nicht nur Tischsitten und Weihnachtsrituale mit, sondern auch eine gewisse Vorstellung von der Welt», weiß Prof. Marina Hennig von der Uni Mainz. Bildungsgrad, Religion, politische Einstellung oder Mentalität unserer Familie beeinflussen also, wie wir uns das Leben vorstellen.

Konfliktpotential

So stark die Gefühle auch sind: Haben die Partner unterschiedliche Vorstellungen von Alltag und Beziehung, kann es Konflikte geben. Etwa wenn der oder die Liebste von Haus aus ein Weihnachtsmuffel ist, während man selbst bereits Ende November alle Feiertage durchplanen möchte.

«Ein typisches Muster ist, dass der eine vom anderen erwartet, sich zu ändern. Der andere fühlt sich dann angegriffen und hat das Gefühl, falsch zu sein», sagt die Dortmunder Paartherapeutin Kerstin Kurzius. Funkt das Gefühl dazwischen, dem Partner durch die eigene Herkunft entweder unterlegen oder überlegen zu sein, lassen sich nur schwer Lösungen finden.

Gemeinsam über Grundlegendes reden

Die Paartherapeutin rät, offen mit dem Partner über Werte, Traditionen und Weltbilder seiner Familie zu sprechen. Wichtig dabei: dem Partner geduldig zuhören - und seine Erzählungen nicht zu beurteilen. «Viele Paare tauschen sich gar nicht so viel über ihre Herkunftsfamilien aus», beobachtet Kurzius. Dabei sei das Voraussetzung, um zu verstehen, wie der Partner tickt.

Teilt man sich Alltag und Klingelschild mit einem Menschen aus einem ganz anderen Milieu, kann das auch zu einer persönlichen Herausforderung werden. Denn: Es kann das Gefühl aufkommen, zwischen zwei Welten zu leben. «Das kann anstrengend sein, weil man schnell das Gefühl bekommt, nirgends richtig dazuzugehören», beschreibt die Soziologin Hennig.

«Eine eigene Welt erschaffen»

Ticken beide Partner von Haus aus ganz unterschiedlich, ist die Arbeit an der Beziehung also umso gefragter. «Wichtig ist, dass sich die Beziehungspartner eine eigene Welt erschaffen. Dabei können sie Elemente aus ihren beiden Herkunftsfamilien übernehmen», sagt Hennig. Heißt: Das Weihnachtsfest wird weder komplett ignoriert noch mit einem Familienfest-Marathon zelebriert - sondern dazwischen.

Familienfeiern oder gar die eigene Hochzeit: Bei diesen Themen bekommen einige Paare Bauchgrummeln. Was wenn sich die Eltern nichts zu sagen haben? Eric Hegmann, Paartherapeut in Hamburg, rät dazu, den Druck rauszunehmen. Schweigen sich beide Väter verkniffen an, solle sich das Paar dafür nicht verantwortlich fühlen. Denn: Am Ende geht es nicht darum, dass die Eltern miteinander glücklich werden - sondern ihre Kinder.

Sich gegenseitig ergänzen

Unterschiede können die Beziehung aber auch bereichern. Hegmann zieht als Vergleich einen Werkzeugkasten heran: «Durch seine Herkunft bringt jeder Partner gewisse Werkzeuge mit - Fähigkeiten, Erfahrungen und Blickwinkel», erklärt er. «Kommt nun eine Herausforderung auf das Paar zu, kann ihnen die größere Auswahl an Werkzeugen bessere Chancen geben, die Situation zu meistern.»

Auch Kerstin Kurzius sieht positive Seiten: «Unterschiede machen eine Beziehung erst spannend, außerdem machen sie uns offener.» Auch Kinder können davon profitieren, etwa wenn sie zweisprachig aufwachsen. Oder wenn sie mit Blick auf ihre beiden Omas und Opas feststellen, wie unterschiedlich sie leben und dass beides gut ist. Spannend ist es, wenn sich eigene Traditionen und Wertvorstellungen entwickeln - gerne als Best-of beider Herkunftsfamilien.

Veröffentlicht am:
12. 12. 2018
17:47 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Einstellungen Eltern Emotion und Gefühl Omas Opas Rituale und Zeremonien Sozialbereich Soziologinnen und Soziologen Traditionen Wertvorstellungen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
«Funkelschatz»

11.06.2018

«Funkelschatz» wird «Kinderspiel des Jahres»

Gemeinsam spielen macht Spaß und fördert soziale Fähigkeiten. Um das richtige Spiel zu finden, wird jedes Jahr das «Kinderspiel des Jahres» gekürt. Diesmal geht es um Drachen und einen Funkelschatz. » mehr

Kerstin Tempel

24.08.2018

Optionen zur Kinderbetreuung außerhalb der Verwandtschaft

«Oma zu verleihen»: Wer keine eigenen Verwandten in der Nähe hat, würde sich über eine solche Anzeige freuen. Zum Glück gibt es aber Alternativen: Sie reichen von ehrenamtlichen Helfern bis zu bezahlten Dienstleistern. » mehr

Jürgen Rüstow

26.01.2018

So können Eltern das kindliche Selbstbewusstsein stärken

Für Eltern ist es der blanke Horror, wenn das eigene Kind gemobbt wird. Sie können aber selbst viel tun, um das Selbstbewusstsein ihres Kindes zu stärken - und ihm das Gefühl zu geben, dass es sich mit allem an sie wende... » mehr

Prof. Eckart Hammer

02.02.2018

Selbstbewusst Großvater sein - so gelingt es

Großväter haben heute viel Zeit für ihre Enkel - und damit eine einmalige Chance, ihre Söhne und Töchter zu unterstützen. Diese Gelegenheit müssen Opas allerdings auch ergreifen. Wenn sie das wollen. » mehr

Prof. Eckart Hammer

30.03.2018

Wie Großeltern Konflikte mit den Eltern vermeiden

Kindererziehung ist keine exakte Wissenschaft. Sie unterliegt Moden, ist Ansichtssache - und vor allem Sache der Eltern. Betreuen Großeltern die Enkel regelmäßig, mischen sie sich aber naturgemäß ein. Damit es nicht krac... » mehr

Auch mal sagen, dass es nervig ist

09.11.2018

Souverän auf dumme Sprüche reagieren

Die Schwiegermutter fragt immer wieder nach Enkeln, der Kollege gibt ungebetene Ratschläge: Übergriffige Fragen und Bemerkungen nerven. Statt pampig zu reagieren oder sich zu rechtfertigen, ist die passende Antwort kurz,... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
12. 12. 2018
17:47 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".