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Die Augsburger Puppenkiste wird 70

Jim Knopf, Lukas, das Urmel und Mama Wutz - die Figuren der Augsburger Puppenkiste gehören zur Fernsehgeschichte der Bundesrepublik. Jetzt wird das bekannteste Marionettentheater des Landes 70. Ohne große Feierlichkeiten.



Marionetten und Lok
Die Marionetten «Tur Tur» (l-r), «Jim Knopf» und «Lukas» stehen zusammen mit der Lokomotive «Emma» im Puppentheatermuseum.   Foto: Stefan Puchner » zu den Bildern

Diese Holzköpfe haben bei Generationen von Kindern für leuchtende Augen gesorgt. 70 Jahre nach ihrem ersten Auftritt sind die Marionetten der Augsburger Puppenkiste längst nationales Kulturgut.

Der Jahrestag am Montag (26. Februar) wird gar nicht groß gefeiert. «Wir wollen die 70 Jahre nicht so hochhängen», sagt Puppenkistenchef Klaus Marschall. Er wartet damit bis zum 75. Geburtstag im Jahr 2023. «Wir wollen nicht alle fünf Jahre eine große Fete feiern.» Marschall leitet das Familienunternehmen in dritter Generation.

Die Erfolgsgeschichte beginnt mit dem Schauspielerpaar Rose und Walter Oehmichen, das sich in Düsseldorf kennengelernt hatte und wegen eines Bühnenengagements am Stadttheater nach Augsburg gekommen war. Bereits während des Zweiten Weltkrieges gab es einige Aufführungen mit einem Puppentheater. Doch ein großer Teil der Ausstattung wurde 1944 bei Bombenangriffen der Alliierten zerstört.

Wenige Monate nach Kriegsende beginnt das Ehepaar mit dem Wiederaufbau ihrer Marionettenbühne. Genau vier Jahre nach den Bombenangriffen auf Augsburg wird am 26. Februar 1948 als Premierenstück das Märchen «Der gestiefelte Kater» gezeigt. Die Puppenkiste wird schnell überregional bekannt, 1949 gibt es ein erstes Gastspiel in Frankfurt am Main, viele Städte folgen.

Auch das junge Fernsehen setzt auf die handgeschnitzten Puppen aus Bayern. Im Januar 1953 flimmern sie erstmals über die Mattscheiben. Es war eine Produktion des Nordwestdeutschen Rundfunks (NWDR) in Hamburg, kurz darauf startet die legendäre Zusammenarbeit der Augsburger mit dem Hessischen Rundfunk. In den folgenden Jahrzehnten entstehen TV-Klassiker wie «Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer» oder «Urmel aus dem Eis».

Heute gibt es Diskussionen darüber, ob solche Serien noch kindgerecht seien. Als die öffentlich-rechtlichen Sender die einstmals so beliebten Marionetten aus dem Programm verbannen wollten, kritisierte dies 2012 der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) scharf: «Über 400 Aufführungen der Stücke der Augsburger Puppenkiste vor Ort pro Jahr beweisen, dass diese Geschichten nach wie vor die Menschen erreichen», sagte er damals.

Marschall verweist darauf, dass bei Aufführungen durchschnittlich 95 Prozent der Plätze belegt seien - Werte, von denen andere Theaterleiter träumen. Das 2001 eröffnete Museum meldete vor wenigen Wochen die millionste Besucherin. «Insgesamt haben wir im Haus pro Jahr um die 160 000 Besucher», erklärt Marschall. Die Puppenkiste habe ein völlig gemischtes Publikum, Fans von jung bis alt. «Das einzige Publikum, das wir nicht erreichen, sind Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren.»

Das lässt sich auch im Museum «Die Kiste» beobachten. Nicht nur Familien mit Kindern, ganze Seniorengruppen besuchen das Haus und schwelgen in Erinnerungen. In der Ausstellung kann man dann neben den bekannten Protagonisten wie Mama Wutz und Professor Habakuk Tibatong auch noch einmal die Plastikfolie bewundern, die bei den Fernsehserien regelmäßig als Meer-Ersatz zum Einsatz kam und sich bei fast allen Zuschauern ins Gedächtnis gebrannt hat - eine Erfindung von HR-Kameramann Horst Thürling.

Auch die eingängigen Songs der Puppenkiste haben einen großen Stellenwert für den Erfolg. Insbesondere das Lummerland-Lied wurde zum Ohrwurm. Die Gruppe Dolls United landete damit noch 1995 einen Dancefloor-Hit - und bei Toren des Fußball-Bundesligisten FC Augsburg tönt ebenfalls «Eine Insel mit zwei Bergen» aus den Stadionlautsprechern.

Marschall setzt nun außerem aufs Kino. In den vergangenen beiden Jahren brachte die Puppenkiste zwei Weihnachtsfilme heraus, die in der Adventszeit auf Hunderten Leinwänden in ganz Deutschland zu sehen waren. «Wir wollen gerne die noch junge Tradition weiterführen», sagt Marschall. Als dritten Streifen möchte er 2018 die Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens kindgerecht verfilmen.

Veröffentlicht am:
23. 02. 2018
12:03 Uhr

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