Topthemen: Der NSU-ProzessMobilität und EnergieGebietsreformFußball-Tabellen

 

Was für eine gute Geburt wichtig ist

Eine Geburt geht vorüber, die Erinnerungen daran bleiben. Fast jede Frau wünscht sich eine schnelle, unkomplizierte Geburt - aber nicht alle bekommen sie. Eine Hebamme erklärt, was werdende Mütter dennoch dafür tun können.



Vor der Geburt
Eine ruhige Kugel schieben: Damit bei der Geburt alles rund läuft, ist auch der Partner gefordert.   Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Eine Geburt ist ein unvergessliches, einschneidendes Erlebnis: Kein Wunder, dass viele Frauen den Ablauf auch nach Jahrzehnten noch aus dem Effeff erzählen können.

Nicht alle Mütter haben an die Stunden im Kreißsaal oder Geburtshaus aber gute Erinnerungen. Jana Friedrich arbeitet seit fast 20 Jahren in Berlin als freiberufliche Hebamme. Sie hat ein Buch darüber geschrieben, wie eine gute Geburt gelingen kann - und was dem entgegensteht.

Sind Frauen Ihrer Erfahrung nach heute eher über- oder unterinformiert, was die Geburt angeht?

Jana Friedrich: Beides. Es gibt diejenigen, die sehr viel lesen und sich damit beschäftigen. Und dann gibt es diejenigen, die ein bisschen informiert sind, die eigentliche Geburt aus Angst aber verdrängen - so nach dem Motto: «Das haben andere vor mir ja auch schon geschafft.» Meiner Erfahrung nach sind es oft Letztere, bei denen die Geburt dann nicht wie gewünscht abläuft. Was natürlich doppelt frustrierend ist, denn eigentlich haben sie sich ja informiert. Aber von dem, was dann während der Geburt passiert, werden sie überrollt. Wobei es natürlich so ist, dass bei jeder Geburt unvorhergesehene Dinge passieren können.

In letzter Zeit geht es viel um die natürliche Geburt, Frauen haben Selbstzweifel, wenn ihr Kind per Kaiserschnitt auf die Welt kommt. Gibt es den Druck, eine perfekte Geburt zu erleben?

Friedrich: Zuerst einmal: Was für die einen eine schöne Geburt ist, wäre es für jemanden anderen vielleicht nicht. Da gibt es große Unterschiede. Wichtig wäre, dass sich die Frauen einmal Gedanken darüber machen, was sie sich wünschen und was möglichst nicht - Stichwort Geburtsplan. Aber gleichzeitig ist es wichtig, dass sie dann auch wieder lockerlassen können und im Hinterkopf behalten: Es kann auch alles anders kommen.

Welche Rolle spielt der Partner bei dem Ganzen?

Friedrich: Eine unglaublich wichtige. Der Partner kann für die Frau sprechen, zwischen ihr und dem Klinikpersonal übersetzen. Deshalb ist es so wichtig, dass die Frau ihrem Partner genau sagt, was sie möchte und was nicht. Männer, die sich hilflos fühlen, neigen eher dazu, irgendwann aggressiv zu werden und zu Hebamme oder Arzt zu sagen: «Meine Frau leidet hier so, jetzt machen Sie doch mal was.» Und das hat natürlich direkte Auswirkungen auf die Gebärende selbst, die dann denkt: «Oh, vielleicht stimmt wirklich was nicht.»

Eine Geburt gemeinsam durchgestanden zu haben, ist außerdem wahnsinnig verbindend und stärkend. Es ist eine Grenzerfahrung, die Paare durch die ersten Babymonate trägt.

Und wenn mein Partner nicht dabei sein will?

Friedrich: Dann kann man ihn auch nicht zwingen. Frauen können sich während der Geburt nicht entspannen, wenn sie das Gefühl haben, sie müssen auch noch auf ihren Partner aufpassen. Dann ist es mir lieber, sie bringen eine Freundin, Schwester oder Mutter mit.

Wenn die Geburt nicht so verlaufen ist, wie man es sich gewünscht hat: Was kann man tun?

Friedrich: Zum Beispiel den Geburtsbericht im Krankenhaus anfordern und mit seiner Hebamme durchsprechen. Die Berichte müssen 30 Jahre aufgehoben werden, Frauen haben also auch noch nach Jahren die Gelegenheit dazu. Und das Darübersprechen hilft schon ganz vielen: Sie wollen verstehen, warum in welcher Situation was entschieden wurde. Das nimmt vielen den Druck: «Ich hätte etwas anders machen müssen.»

Obwohl es noch nie so viele Informationen wie heute gab, fällt es anscheinend vielen Frauen schwer, ihrem Körper zu vertrauen, dass er die Geburt schon meistern wird. Wie kommt das?

Friedrich: Das fängt ja schon in der Schwangerschaft an. Früher waren die Frauen «guter Hoffnung», heute wird gemessen und gescreent. Und je genauer man guckt, umso mehr findet man natürlich auch. Das müssen keine schlimmen Dinge sein, verunsichern aber. Viele Frauen stehen deshalb emotional auf der Bremse, trauen gar nicht, sich über ihren Bauch zu freuen. Wenn die ganze Schwangerschaft so angstbehaftet ist, macht es das natürlich schwer, am Tag der Geburt den Schalter umzulegen und zu denken: Ich schaffe das. 

Literatur:

Jana Friedrich: Das Geheimnis einer schönen Geburt, Tredition GmbH Verlag, 232 Seiten, 19,95 Euro, ISBN-13: 978-1542775441

Veröffentlicht am:
25. 08. 2017
05:15 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Erinnerungen Hebammen Kaiserschnitt Kreißsäle Mütter Übersetzerinnen und Übersetzer
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Gabriela Urban

07.09.2018

Elternzeit kann auch langweilig sein

Windeln wechseln, Kinderlieder singen und auf dem Spielplatz sitzen - in der Elternzeit beschäftigen sich Väter und Mütter fast ausschließlich damit. Eigene Interessen kommen dabei häufig zu kurz. Das kann auf Dauer zu U... » mehr

Mutter mit Baby

23.12.2016

Neun Tipps für ein entspanntes Wochenbett

Wochenbett - für viele werdende Eltern klingt das altmodisch. Dann sind sie überrascht, wie anstrengend die erste Zeit mit Baby ist. Ein paar Tipps zur Vorbereitung können Müttern und Vätern helfen. » mehr

Sandra Niedermeier

10.08.2018

So läuft ein Newborn-Shooting ab

Jedes Baby ist für seine Eltern ein kleines Wunder. Immer mehr möchten den Zauber der ersten Tage deshalb professionell festhalten lassen: Newborn-Shootings sind ein Trend aus den USA und werden in Deutschland seit einig... » mehr

Louise Brown

25.07.2018

40 Jahre künstliche Befruchtung

Louise Brown ist das erste durch künstliche Befruchtung gezeugte Baby. Ihre Geburt vor 40 Jahren war eine medizinische Sensation - und gesellschaftlich äußerst umstritten. » mehr

Zwei Freundinnen

20.07.2018

Freunde bleiben trotz Kinder

Rückkehr in den Job, Stillen, Babyfotos im Internet: Wenn in einer Freundschaft beide Seiten Kinder bekommen, tun sich manchmal Gräben auf. Wer die Freundschaft erhalten möchte, sollte vor allem auf eines verzichten: ung... » mehr

Zum Muttertag

11.05.2018

Sieben Punkte zum Muttertag

Blumen, Pralinen, Parfüm: Bei den Geschenken zum Muttertag zeigen sich die Bundesbürger seit Jahren wenig originell. Dabei gibt es eine Menge interessanter Ideen. Wie wäre es beispielsweise mit einem Unterwasserlicht für... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
25. 08. 2017
05:15 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".