Lade Login-Box.
Topthemen: Ministerpräsidentenwahl ThüringenFreies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

 

Ernährungsexpertin: So herrscht Ruhe beim Familienessen

Nudeln gehen nur pur - und das Gemüse wird rausgepickt oder in Ketchup ertränkt: Von einem genussvollen Essen kann in vielen Familien nicht die Rede sein. Eine Ernährungswissenschaftlerin erklärt, warum gemeinsame Mahlzeiten für Kinder dennoch wichtig sind.



Wählerisches Essverhalten
«Mag ich nicht, schmeckt nicht»: Dass Kinder solche Phasen durchmachen, ist normal. Eltern sollten sie nicht groß thematisieren.   Foto: Silvia Marks/dpa-tmn

Das gemeinsame Familienessen sorgt oft für Stress. Sigrid Fellmeth ist Ernährungswissenschaftlerin und auf Kinderernährung spezialisiert. Im Interview erklärt sie, wie wieder mehr Ruhe am Tisch einkehrt.

Was hat sich im Vergleich zu früher am Tisch geändert?

Sigrid Fellmeth: Die Ängste der Eltern haben zugenommen. Im Raum steht immer wieder die Sorge, das Kind könnte zu viel, zu wenig oder zu einseitig essen. Ich habe noch nie so viel über Lebensmittelmengen diskutiert wie heute. Wenn die Eltern angespannt sind, überträgt sich das aber. Kinder können so kein entspanntes Verhältnis zum Essen entwickeln.

Was könnten Eltern tun, damit es wieder entspannter wird?

Sigrid Fellmeth: Wichtig wäre, dass Kinder Lebensmittel kennenlernen dürfen - zum Beispiel, indem man zusammen auf den Markt geht oder was anpflanzt. Oder Kinder beim Essen machen einbeziehen: Wer einen Salat waschen und anmachen darf, greift eher zu.

Wodurch entstehen Konflikte am Familientisch?

Sigrid Fellmeth: Heute geht es ja oft um individuelle Lebensentwürfe, die wichtiger sind als familienbezogene. Eltern fragen sich bei allem: «Wie kann ich mein Kind individuell fördern?» Familienmahlzeiten widersprechen diesem Ansatz. Denn hier geht es um Regeln, Rituale, um etwas Gemeinsames. Alle sollen das Gleiche essen. Das reibt sich. Und natürlich gibt es immer wieder Streit, weil Kinder phasenweise nur eine Sache essen wollen. Da rate ich Eltern: «Bleibt cool, macht es nicht zum Thema. Das geht vorbei.»

Warum sind gemeinsame Mahlzeiten denn so wichtig?

Sigrid Fellmeth: Weil es im Alltag oft der einzige Moment ist, in dem Eltern wirklich Kontakt zu ihrem Kind aufnehmen können und ein Gespür dafür bekommen, wie es ihm geht.

Oft geht es beim Essen mit Kindern ja darum, dass sie Tischmanieren lernen. Aber können Erwachsene nicht auch was von ihren Kindern lernen?

Sigrid Fellmeth: Definitiv. Kinder gehen ganz sinnlich ans Essen heran, voller Neugierde und ohne verkopft zu sein. Das ist bei vielen Erwachsenen verloren gegangen.

Veröffentlicht am:
09. 06. 2017
04:25 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Auseinandersetzung Eltern Essen Mahlzeiten Ruhe Ängste
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
«Essen auf Rädern»

15.12.2017

So funktioniert «Essen auf Rädern»

Ganze Mahlzeiten, direkt nach Hause geliefert: «Essen auf Rädern» ist eine bequeme Sache. Wer solche Menüs bestellt, sollte auf Ausgewogenheit auf dem Speiseplan achten - und schauen, dass er ab und an trotzdem gemeinsam... » mehr

«Alle anderen können einpacken»

19.12.2018

Wenn es an Weihnachten in die Kindheit zurückgeht

Über die Weihnachtsfeiertage fahren viele zu ihren Eltern, oft zurück an den Ort der Kindheit. Es gibt viel zu viel zu essen und womöglich Konflikte und Krach. Ist das schrecklich oder gar schön? » mehr

Ulric Ritzer-Sachs

21.02.2020

Wenn Kids Eltern die rote Umweltkarte zeigen

Egal ob Urlaub in der Ferne, das dicke Auto, Fleischkonsum oder Plastik-Boxen - wenn Kinder ihre Eltern an den Umweltpranger stellen, ist der Familienfrieden dahin. Doch wie kann man ihn retten? » mehr

Mutter und Kind

17.02.2020

Über welches Lob sich Kinder freuen

Gut gemacht! Ein lobendes Wort der Eltern lässt den Nachwuchs strahlen. Allerdings nur, wenn es ohne Untertöne erfolgt. Dabei ist richtiges Loben eigentlich ganz einfach, sagt ein Expertin. » mehr

Hans Berwanger

14.02.2020

Das Abenteuer Mehrgenerationen-Urlaub

Urlaub mit Mama, Papa, Oma und Opa: Für viele Kinder ein Traum. Und für die Erwachsenen ein emotionales Minenfeld. Doch die meisten Konflikte lassen sich vermeiden - oder endlich mal klären. » mehr

Harmonische Familie

07.02.2020

Sag bloß nichts über die Schwiegereltern!

Manchmal wird man einfach nicht warm mit den Eltern des Partners. Viele übersehen: Der Ärger mit den Schwiegereltern hat oft etwas mit der Partnerschaft zu tun. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
09. 06. 2017
04:25 Uhr



^