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«Fidget Spinners» erobern die Schulhöfe

«Pokémon Go» war gestern, total 2016. 2017 dagegen sausen die «Fidget Spinners» zwischen den Fingerspitzen. Die Spielzeuge aus Plastik und Metall versetzen Kinder in den USA in Verzückung. Der Trend treibt im Klassenzimmer aber so manchen Lehrer in den Wahnsinn.



«Fidget Spinner»
«Fidget Spinners» sind das neue Trendspielzeug. Wer geschickt ist, kann ihn bis zu 20 Sekunden auf der Fingerspitze kreisen lassen.   Foto: Johannes Schmitt-Tegge/dpa

An manchen Tagen kann Vinnie Spolidoro es einfach nicht lassen. Dann sitzt der Zwölfjährige im Unterricht und holt dieses kleine Spielzeug heraus, das aussieht wie eine Kreuzung aus Propeller, Ninja-Wurfstern und Ersatzteil aus der Eisenwarenabteilung im Baumarkt.

Er hält es zwischen zwei Fingerspitzen, gibt einen kräftigen Schwung und schon dreht sich der «Fidget Spinner». Nach dem Zauberwürfel, Finger-Skateboards und Spielzeug-Schleim haben die Spinners in den USA bei Kindern einen ziemlichen Hype ausgelöst.

«Manchmal kann es wirklich langweilig sein, wenn die Lehrer ewig reden», sagt Spolidoro, der in Arlington im Staat Virginia die sechste Klasse der Swanson Middle School besucht. «Ein Lehrer spricht die ganze Zeit im selben Tonfall und man beginnt, einzuschlafen.» Die Spielzeuge aus Plastik oder Metall bieten ihm Ablenkung: «Fidget» bedeutet so viel wie fummeln oder nervös herumzappeln.

10 oder 20 Sekunden zwirbelt ein Spinner für gewöhnlich - vorausgesetzt, er kann so lange auf der Fingerkuppe balanciert werden. Beim Drehen erzeugen Spinners teils Muster oder Bilder, neue Modelle blitzen auf oder leuchten im Dunkeln. Videos im Internet zeigen auch Exemplare, die minutenlang frei drehen. Auf der Straße in New York kosten die Teile wenige Dollars, im Online-Handel gibt es aber auch Edel-Modelle für umgerechnet mehrere Hundert Euro. Die Beliebtheit des Spielzeugs sei durch die Decke gegangen, sagt Adrienne Appell, Sprecherin des US-Spielzeugverbands Toy Association.

Während Kids die Spinners sammeln, tauschen, in der Schule damit handeln und sich an Tricks üben, haben viele Lehrer die sausenden Drehscheiben satt. Schulen in den Staaten Massachusetts, Connecticut, Florida und Indiana haben sie bereits aus den Klassenzimmern verbannt. «Es ist ein Spielzeug, keine Frage, und der Schulleiter hat es wie jedes andere Spielzeug eingestuft: Es gehört nach Hause», sagt etwa Lehrerin Theresa Restivo-D'Onofrio, dem Magazin «Working Mother». Ihre Grundschule im New Yorker Stadtteil Brooklyn hat Spinners ebenfalls verboten.

«Für mich als Lehrerin lenkt das ab», sagt Diane Felice, die an der Swanson Middle School in Arlington Kunst unterrichtet. Einzige Ausnahme: Wenn die Eltern dem Kind schriftlich erlauben, Spinners im Unterricht zu nutzen, weil es sich dann besser konzentrieren kann. Den therapeutischen Nutzen für Kinder mit einer Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) oder Autismus, den Hersteller bewerben, ist wissenschaftlich bisher aber nicht nachgewiesen.

Judith Falaro, Professorin für Sonderpädagogik an der Quinnipiac University in Connecticut, hält diese Form des Marketings für «ungerecht». Spinners könnten eine beruhigende Wirkung haben bei Stress oder Angststörungen helfen - an Spinners als Werkzeug in einer Therapie glaubt sie nicht. Ein Kind hätte ihr sogar gesagt, dass das Smartphone-Spiel «Pokémon Go» langsam unbeliebter werde und Spinners dessen Platz eingenommen hätten. «Das hat mir bestätigt, dass dies ein Spielzeug ist», sagt Falaro.

Spielwaren, die unruhigen Händen etwas zum Kneten, Drücken oder Drehen geben sollen, gibt es schon länger - und auch für Erwachsene. Ein «Fidget Cube» ist etwa ein «Fummel-Würfel», der die Finger des Nutzers mit kleinen Rädchen, Knöpfen und Hebelchen beschäftigen soll. «Fummel' bei der Arbeit, im Unterricht und mit Stil», bewarb eine Kickstarter-Kampagne das «Schreibtisch-Spielzeug» vergangenen Sommer. Vinnie Spolidoro aus Arlington hatte auch Spielzeug-Schleim, mit dem man knetbare Stress-Ballons basteln kann.

Der Spinners-Hype mag erst ein paar Wochen alt sein, doch die Idee dazu hatte Catherine Hettinger bereits in den 80er Jahren. 1997 meldete sie ein entsprechendes Patent für das Spielzeug an, das junge Kinder ablenken und beruhigen soll. Weil ihr Patent auslief, verdient sie an den vielen Spinners-Fans heute allerdings kein Geld.

Wer hofft, dass die Spielzeuge die sonst zunehmend auf Smartphones starrenden Kinder etwas in ihre Umgebung zurückholt, könnte sich zu früh gefreut haben: Ein Lehrer im New Yorker Stadtteil Queens sagte der «New York Daily News»  Anfang Mai, dass er fast einen Jungen angefahren habe. «Er ist mir vors Auto gelaufen, total fokussiert auf seinen Fidget Spinner.»

Veröffentlicht am:
18. 05. 2017
13:20 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
18. 05. 2017
13:20 Uhr



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