Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Podcast: Offen gesagtCoronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFolgen Sie uns auf Instagram

 

Wenn Kinder auswärts übernachten

Die meisten Kinder finden es spannend, einmal woanders zu übernachten. Was müssen Eltern vorher klären? Was tun bei Heimweh? Und was, wenn in der anderen Familie alles anders läuft als zu Hause? Ein Gelassenheits-Leitfaden.



Kuschelteddy
Wenn ein Kind woanders übernachtet, kann ein eigenes Kuscheltier Vertrautheit spenden. Foto: Patrick Pleul/dpa  

Früher oder später will fast jedes Kind bei einem Freund oder einer Freundin übernachten. Zu erleben, wie es in anderen Familien zugeht, fördert die Entwicklung, sagen Experten. Eltern sollten im Vorfeld einige Dinge klären - aber bloß nicht alles durchplanen.

Mit wie vielen Jahren können Kinder woanders schlafen?

Das Alter ist nicht ausschlaggebend. Wichtiger ist die Frage, wo das Kind übernachtet und ob es Erfahrungen damit hat: Hat es schon einmal bei Oma und Opa geschlafen, bevor es zur Kita-Freundin geht? Übernachtet es beim Nachbarskind, bei dessen Familie es täglich ein- und ausgeht? «Es gibt Fünfjährige, für die ist es völlig normal, woanders zu schlafen, und andere, die tun sich damit schwer», erklärt Ulric Ritzer-Sachs von der Online-Beratung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) . Das hängt auch davon ab, wie normal das Auswärts-Nächtigen in einer Familie ist.

Woran merke ich, dass mein Kind bereit dafür ist?

Die Pädagogin Heidemarie Arnhold rät Eltern, zu schauen, wo ihr Kind entwicklungspsychologisch steht: «Fremdelt es gerade stark, ist das kein guter Zeitpunkt», sagt die Vorsitzende des Arbeitskreises Neue Erziehung (ANE) in Berlin. «Wenn Kinder den Wunsch äußern, woanders zu schlafen, dann sind sie auch alt genug dafür.» Wichtig ist, dass die Initiative vom Kind ausgeht: «Niemand sollte sein Kind drängen, woanders zu übernachten», sagt der Familienberater Jan-Uwe Rogge . Wenn Sohn oder Tochter es jedoch wünschen, sollte man darauf eingehen.

Bei wem kann ich mein Kind übernachten lassen?

«Die zentrale Frage ist: Haben Sie Vertrauen zu dieser Person oder Familie?», sagt Arnhold. Gut sei, wenn man die Leute bereits kenne - aus Sportverein, Nachbarschaft, Kindergarten oder Schule. Immerhin gibt man die Aufsichtspflicht an andere ab. «Das ist nichts, was man schriftlich festhalten muss, aber man sollte es sich klarmachen», sagt Arnhold. Eltern brauchen ein gutes Gefühl: Sind sie verrückt vor Sorge, steckt das die Kinder an.

«Ich sollte mich aber auch mal hinterfragen», gibt Ritzer-Sachs zu bedenken. «Bin ich vielleicht übervorsichtig?» Arnhold ergänzt: «Fragen Sie sich, warum Sie ein ungutes Gefühl haben. Geht es zum Beispiel um Sauberkeit, kann man auch mal ein bisschen toleranter sein.» Hat man aber kein Vertrauen zu den anderen Eltern oder sieht gar das Kindeswohl in Gefahr, sei das ein Grund, das Übernachten nicht zu erlauben.

Was müssen Eltern im Vorfeld klären?

Laut Rogge sichern sie ihrem Kind am besten zu, dass es immer anrufen kann. «Und geben Sie ihm etwas Vertrautes mit, ein Kuscheltier, das Lieblingskissen», rät der Buchautor. Arnhold empfiehlt, das Übernachten durch gemeinsame Aktivitäten vorzubereiten. Besprechen sollten Eltern Besonderheiten, etwa ob ein Kind Allergien oder Unverträglichkeiten hat oder Tabletten einnehmen muss. «Bei allem anderen würde ich mich nicht einmischen.» Ritzer-Sachs rät: «Reden Sie vorher mit den anderen Eltern. Fragen Sie sie, was Sie Ihrem Kind mitgeben müssen, etwa einen Schlafsack, und tauschen Sie Nummern aus.» Das reiche dann aber auch. «Inspizieren Sie nicht vorher die Wohnung!»

Wie schaffen es Eltern, gelassen zu bleiben?

«Man muss nicht alles bereden», sagt Rogge. «Kinder finden andere Eltern toll, eben weil sie anders sind.» Laut Arnhold ist es wichtig, wenn Kinder erleben, dass etwas anders sein kann als zu Hause: «Das auswärtige Übernachten ist wunderbar für die Entwicklung.» Kinder sammeln mit unterschiedlichen Menschen unterschiedliche Erfahrungen. Wenn das Kind später schlafen geht oder Fast Food zu essen bekommt, ist das laut Ritzer-Sachs kein Drama: «Hauptsache, die Familie ist kinderfreundlich, und die Kinder haben Spaß. Alles andere ist dann eben mal anders.»

Andersherum müssen Eltern keinen Aufwand betreiben, wenn sie ein Gastkind zu Hause haben: «Leben Sie einfach Ihr normales Familienleben weiter», sagt Arnhold. Eltern sollten das gegenseitige Übernachten als Entlastung betrachten: «Freuen Sie sich, wenn Ihr Kind mal woanders schläft, und genießen Sie die Zeit.» Allen ist geholfen, wenn es zu einem Geben und Nehmen wird.

Was tun bei Zoff, Heimweh oder Krankheit?

Streiten die Kinder, gilt es abzuwägen, ob man einschreiten muss. «Sie können fragen, was passiert ist, und vermitteln. Meist vertragen Kinder sich aber schnell wieder», sagt Ritzer-Sachs. Anders sieht es aus, wenn ein Kind Heimweh bekommt. Hier ist Einfühlungsvermögen gefragt: «Trösten Sie es, nehmen Sie es in den Arm, geben Sie ihm ein Kuscheltier», rät der Experte. «Und wenn es gar nicht anders geht, lassen Sie es seine Eltern anrufen.» Wird ein Kind krank, kommt es auf die Situation an: «Sind seine Eltern verreist, muss man damit leben. Ist es das Nachbarskind, und die Eltern sind da, kann man es zurückbringen», sagt Arnhold. Denn kranke Kinder wollen meist nur eines: bei ihren Eltern sein.

Veröffentlicht am:
24. 03. 2017
05:10 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Eltern Entwicklungspsychologie Häuser Kindeswohl Tradition und Brauchtum Webseiten
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Vatertag in Corona-Zeiten

21.05.2020

Vatertag: Was Biertouren mit der Bibel zu tun haben

Vatertage gibt es in aller Welt, mit ganz unterschiedlichen Gepflogenheiten. Doch woher stammt der Brauch? Und was gibt es für einen Zusammenhang mit Christi Himmelfahrt? » mehr

Babys

28.12.2018

So entwickeln Kinder ihre Persönlichkeit

Die einen lieben das Abenteuer, die anderen verstecken sich hinter Mamas Rücken. Jedes Kind hat sein eigenes Temperament - und überrascht damit häufig sogar seine Eltern. Warum Unterschiede auch Chancen sein können und w... » mehr

Was sagst du da?

24.07.2020

So gehen Eltern richtig mit Schimpfwörtern um

Fast jedes Kind entdeckt irgendwann den Reiz von Schimpfwörtern - eine Phase, die vielen Eltern unangenehm ist. Doch es gibt kreative Strategien, um mit schlimmen Wörtern im Alltag gut umzugehen. » mehr

Kind am Herd

17.07.2020

Eltern sollten dem Kind nicht jede Aufgabe abnehmen

Es steckt in Kindern drin, Dinge selbst machen zu wollen. Doch manche Väter und Mütter lassen das kaum zu - aus Vorsicht oder Bequemlichkeit. Warum dieses Verhalten dem Nachwuchs schadet. » mehr

Streit

14.07.2020

Führt die Corona-Krise bei vielen Paaren zum Aus?

Die Krise schweißt zusammen, sollte man meinen. Oder doch nicht? Für viele Ehen könnten der sogenannte Lockdown, Homeoffice und Schulschließungen der letzte große Beziehungstest gewesen sein - und das Aus bedeuten. Aber ... » mehr

Kinder nutzen Smartphones

09.07.2020

Macht das Smartphone krank?

Während der coronabedingten Einschränkungen ermöglichten digitale Medien Jugendlichen das Homeschooling und den Austausch mit Freunden. Doch Smartphone und Co. haben nicht nur Vorteile, warnen Experten. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
24. 03. 2017
05:10 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.