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So oft werden (Ex-)Partner zur Gefahr

Viele Frauen, aber auch Männer sind in den eigenen vier Wänden nicht sicher. Von Jahr zu Jahr werden mehr Anzeigen erstattet, weil der (Ex-)Partner zur Gewalt neigt. Noch ist nicht klar, ob die Corona-Pandemie das Problem verschärft - es gibt aber Vermutungen.



Häusliche Gewalt
Totschlag, Körperverletzung, Vergewaltigung: 2019 registrierten die Behörden 141.792 Fälle von ausgeübter oder versuchter Gewalt unter Partnern und Expartnern.   Foto: Jan-Philipp Strobel/dpa

Von Drohungen und Stalking über Schläge bis zum Mord: Die Zahl der angezeigten Gewalttaten unter Paaren und Ex-Partnern in Deutschland ist alarmierend hoch - Tendenz steigend.

Ob die häusliche Gewalt während der Corona-Krise noch zugenommen hat, lässt sich anhand der nun vorgestellten Zahlen noch nicht erkennen - sie beziehen sich auf das vergangene Jahr. Es sei aber «sehr wahrscheinlich», dass die Pandemie die Lage verschärft habe, sagte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) in Berlin.

Die Zahlen: 

Genau 141.792 Fälle von ausgeübter oder versuchter Gewalt unter Partnern und Expartnern registrierten die Behörden 2019 - rund 0,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit setzte der Trend steigender Zahlen sich fort. Allerdings kann man nicht einfach auf einen Anstieg der Gewalttaten schließen - mehr bekannte Fälle können auch bedeuten, dass mehr Betroffene zur Polizei gehen. Bei allen Delikten sind Frauen deutlich häufiger Opfer (81 Prozent) als Männer. Allerdings sind auch Tausende Männer betroffen.

Es geht um Delikte wie Mord und Totschlag, Körperverletzung, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Bedrohung und Stalking oder Freiheitsberaubung. 38 Prozent der Taten spielten sich unter Ex-Partnern ab, 33 Prozent unter Eheleuten und 29 Prozent unter unverheirateten Paaren. In mehr als der Hälfte der Fälle (50,5 Prozent) lebten Verdächtige und Opfer im gleichen Haushalt. Etwa ein Viertel der Tatverdächtigen stand «unter Alkoholeinfluss», wie Holger Münch, der Chef des Bundeskriminalamtes (BKA), sagte. Sprich: Diese mutmaßlichen Täter waren betrunken.

Die Ursachen:

Die Täter waren in Kindheit und Jugend oft selbst Opfer von häuslicher Gewalt, wie Münch erklärte. «Ein weiterer wesentlicher Faktor sind individuelle Stressfaktoren - berufliche oder wirtschaftliche Unsicherheiten, Überforderung in der Lebenssituation, in der Kinderbetreuung, was auch immer.» Entscheidend sei nicht die Herkunft der Täter. Es kämen aber Zugewanderte mit viel Gewalterfahrung nach Deutschland. Auch das Rollenbild in der Partnerschaft gehöre zu den wesentlichen Faktoren. Rund 30 Prozent der Tatverdächtigen seien Nichtdeutsche.

Die Corona-Krise:

Das BKA hat während der Corona-Krise bei den Länder abgefragt, wie sich die häusliche Gewalt entwickelt. «Im Hellfeld können wir aktuell für dieses Jahr keinen Anstieg der jeweiligen Delikte erkennen», sagte Münch, die Zahlen seien sogar eher niedriger. «Bei dieser Datenlage gilt aber äußerste Vorsicht», fügte der BKA-Chef hinzu.

Das Dunkelfeld sei groß, denn die soziale Kontrolle nehme ab, wenn Schulen, Arztbesuche und andere Kontakte wegfielen. Die Pandemie vergrößere Stressfaktoren, die zu Gewalt führen könnten. Befragungen deuteten darauf hin, dass das Risiko von Partnerschaftsgewalt sich erhöhe.

Dies passt zum Eindruck der Leiterin des Hilfetelefons Gewalt gegen Frauen, Petra Söchting. Seit April sei ein Anstieg der Beratungskontakte um knapp 20 Prozent zu verzeichnen, sagte sie - statt rund 850 Beratungen pro Woche wie 2019 seien es etwa 1000. Allerdings sei das Angebot auch deutlich bekannter geworden.

Die Hilfsangebote:

Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen hat die Nummer 08000-116016, es ist auch während des Teil-Lockdowns rund um die Uhr erreichbar. Das gilt auch für die Homepage staerker-als-gewalt.de, die Hilfsmöglichkeiten auflistet und darüber informiert. Es gebe 350 Frauenhäuser, sagte Giffey. Aber: «Es sind zu wenig, wir haben weiße Flecken in Deutschland.» Daher gebe es ein Investitionsprogramm zur Ausweitung der Hilfsangebote. Ein Hilfetelefon gibt es übrigens auch für Männer - mit der Telefonnummer 0800-1239900.

Der Appell:

«Es ist wichtig, dass das soziale Umwelt trotz der aktuell gebotenen physischen Distanz aufmerksam bleibt und bei einem Verdacht sich an eine Beratungsstelle oder auch die Polizei wendet», sagte Münch. Für Betroffene gelte: «Nehmen Sie die Hilfsangebote wahr und zeigen Sie, wenn Ihnen möglich, die Täter an.» Denn Schweigen schütze die Täter.

© dpa-infocom, dpa:201110-99-285578/2

Veröffentlicht am:
10. 11. 2020
17:38 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
10. 11. 2020
17:38 Uhr



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