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Darf man ein Kind zu «Geh in Deine Ecke!» verdonnern?

Es gibt Erziehungsmethoden aus Großmutters Zeiten, die manchmal noch immer zu finden sind. Da ärgern sich Eltern über das Kind und schicken es aufs Zimmer - oder in die Ecke. Was ist davon zu halten?



Erziehungs-Tipp
Finger weg! Kindern sollte man immer erklären, was sie verkehrt machen.   Foto: picture alliance / Marcel Kusch/dpa

Geh in deine Ecke und schäm dich!» Eine solche von Eltern verhängte Strafe gehört gefühlt in die Mottenkiste, in der schon der Stubenarrest und die Drohung «Wenn du nicht aufisst, gibt es morgen schlechtes Wetter» stecken. Dennoch hört man von dieser Strafe immer wieder.

Was ist daran so verkehrt? Irgendwie müssen doch Eltern darauf reagieren, wenn ihre Kinder mal Mist verzapft haben.

«Wer sein Kind in die Ecke schickt, beschämt es», stellt die Erziehungsexpertin Nicola Schmidt klar. Noch massiver sei die Beschämung, wenn das auch noch öffentlich passiert, zum Beispiel wenn Besuch zu Hause ist. Laut der Bestsellerautorin («Erziehen ohne Schimpfen») ist massive Beschämung schädlich für ein Kind und seine Persönlichkeitsentwicklung: «Wir wollen doch, dass das Kind etwas aus seinen Fehlern lernt und nicht, dass es sich schlecht fühlt.»

Wer sich aber schlecht fühlt, lerne nichts. Noch heute könnten sich 50-Jährige zwar an ihre Ecke erinnern - aber nicht daran, was sie damals als Kind «verbrochen» haben, als sie so bestraft wurden.

Kind sollte Chance zur Wiedergutmachung haben

«Viele Eltern meinen es sicherlich nicht böse, ihnen fällt nur keine Alternative ein», denkt Schmidt. Egal, ob ein freches Wort gefallen ist, ein Malheur passiert oder etwas kaputt gemacht wurde: «Das Kind sollte die Möglichkeit zur Wiedergutmachung bekommen.» Dafür brauche es keine Ecke, sondern Informationen, was es überhaupt falsch gemacht hat. Sonst lernt es ja nichts über Regeln.

«Und was soziale Regeln sind, muss geklärt werden», sagt die Expertin. Also müsse man darüber reden. So können man beispielsweise sagen: «Du hast einen Fehler gemacht. Es gehört zu den Regeln, dass man die Katze des Nachbarn nicht anmalt.» Wenn so etwas passiert ist, sollte zusammen überlegt werden, wie es das Kind wieder gutmachen kann - das kann von der Entschuldigung bis zur Katzenpflege reichen.

Man könne auch eigene Fehler eingestehen, wenn das Kind zum Beispiel aus Müdigkeit nur noch nölig ist: «Okay, du bist müde. Das verstehe ich. Ich hätte dich schon längst ins Bett bringen sollen. Da haben wir alle Fehler gemacht.»

© dpa-infocom, dpa:201008-99-872423/3

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dpa

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Veröffentlicht am:
09. 10. 2020
04:38 Uhr

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09. 10. 2020
04:38 Uhr



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