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Fernbleiben von Au-pairs bringt Familien in Stress

Tausende Au-pairs sammeln in Deutschland Erfahrungen - und entlasten Familien. Corona macht vielen einen Strich durch die Rechnung. Müssen die jungen Leute und ihre Gastfamilien tatsächlich auf ein Ende der Krise warten?



Mit Kindern Zuhause
Wenn Au-pairs nicht ins Land dürfen, fehlt Familien oft wichtige Unterstützung bei der Kinderbetreuung.   Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Illustration

Viele Familien in Deutschland sind nach Angaben der FDP derzeit im Stress, weil fest eingeplante Au-pairs wegen aktueller Reisebeschränkungen ausbleiben. «Familien fühlen sich alleingelassen und suchen verzweifelt nach alternativen Möglichkeiten, um die Kinderbetreuung zu meistern», heißt es in einem FDP-Antrag, der nun in den Bundestag eingebracht werden soll.

«Au-pairs sitzen teilweise auf gepackten Koffern und warten, bis sie endlich nach Deutschland einreisen dürfen.» Au-pairs sind junge Erwachsene aus anderen Ländern, die in einer Gastfamilie alltägliche Aufgaben übernehmen, hauptsächlich die Kinderbetreuung. Seit 2012 kamen laut einer einschlägigen Studie jedes Jahr 500 bis 1000 Au-pairs mehr als im Vorjahr nach Deutschland. Im vergangenen Jahr waren es 14.900, davon 7000 aus EU-Ländern. Die wichtigsten Herkunftsländer außerhalb der EU sind demnach Kolumbien, Georgien, Ukraine und Russland.

Der sozialpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Pascal Kober, sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Für viele Familien sind Au-pairs eine unverzichtbare Unterstützung bei der Kinderbetreuung und eine unabdingbare Voraussetzung für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.» Kober hatte den Antrag erarbeitet. Er forderte, «dass Au-pairs aus Drittstaaten zügig wieder nach Deutschland einreisen können - ohne sich aufgrund eines abgelaufenen Visums erneut durch den Bürokratiedschungel in den deutschen Botschaften schlängeln zu müssen».

Familien seien wegen der Schließungen von Schulen und Kindertagesstätten und teils noch reduzierten Öffnungszeiten von Betreuungseinrichtungen von der Corona-Pandemie besonders betroffen. Bereits vor der Pandemie seien Au-pairs für viele eine große Unterstützung gewesen. «Trotz einer schrittweisen Aufhebung der Einreisebeschränkungen dürfen noch immer Personen aus zahlreichen Drittstaaten nicht nach Deutschland einreisen», so die FDP.

Einige der betroffenen Au-pairs verfügen demnach bereits über ein Visum, das in der Regel jedoch lediglich 90 Tage gültig und nach Ablauf wieder neu zu beantragen ist. Dieser Prozess könne sich über Monate erstrecken. In auch von Schließungen betroffenen deutschen Auslandsvertretungen seien Termine storniert worden.

Die FDP fordert von der Bundesregierung eine Ausnahmeregelung für die Einreise von Au-pairs, eine Übergangsregelung für die Verlängerung von Visa - und die Erhöhung der Altersgrenze für Au-pairs aus Drittstaaten für ein Jahr auf 27 Jahre. Sonst entstehe jungen Menschen an der Altersgrenze, die aufgrund der Pandemie kein Visum beantragen konnten, ein Nachteil.

Viele Familien mit Au-pairs sind sozial gut gestellt. In der Studie befragte privatwirtschaftliche Au-pair Agenturen sowie kirchliche oder gemeinnützige Vermittlungsstellen gaben zu 63 Prozent an, mehr als zwei Drittel Besserverdienende unter ihren Gastfamilien zu haben.

Die Kaufmännische Krankenkasse KKH schlug hinsichtlich der Situation in vielen Familien insgesamt Alarm. Fast 40 Prozent der Eltern mit Kindern unter 18 Jahren leiden unter Dauerstress, zeige eine neue Forsa-Umfrage der KKH. Druck und Hektik gehörten für viele Familien also zum Alltag. «Wenn Eltern permanent im Stress sind, nur noch arbeiten, sich ständig streiten, keine Zeit zum Zuhören haben, geht das auch am Nachwuchs nicht spurlos vorbei», so die Kasse.

© dpa-infocom, dpa:200910-99-502450/3

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dpa

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Veröffentlicht am:
10. 09. 2020
16:47 Uhr

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10. 09. 2020
16:47 Uhr



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