Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

 

Gewalt in der Pflege hat viele Facetten

Menschen zu pflegen, das kann purer Stress sein. Dies rechtfertigt zwar weder Grobheiten noch Beleidigungen - weil das Problem dennoch besteht, mahnen Pflegeexperten zu Sensibilität und Prävention.



Pflege
Überbelastung ist eine der möglichen Ursachen für Gewalt durch Pflegekräfte.   Foto: Markus Scholz/dpa-tmn

Handgreiflichkeiten, böse Worte, beschränkte Freiheit: Gewalt in der Pflege kann viele Gesichter haben. Und sie ist ein verbreitetes Problem, das sowohl von Mitbewohnern als auch von Pflegenden ausgehen kann.

Mutmaßlich blieben viele Vorfälle unbemerkt, weil die Anzeichen oft nicht direkt ersichtlich sind und Betroffene oft nicht darüber reden möchten oder können, erklärt das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP). Darum ist es umso wichtiger für Angehörige und Pflegekräfte, sensibel für bestimmte Signale zu sein.

Auswirkungen auf Körper und Psyche

Dazu zählen körperliche Blessuren wie Schwellungen, Druckstellen, Kratzer und blaue Flecken. Schmutzige Kleidung oder blutige Wäsche sind weitere Auffälligkeiten, denen man auf den Grund gehen sollte. Auch das Verhalten kann ein Indiz sein: Ist jemand plötzlich ängstlich, scheu, schreckhaft, teilnahmslos, aufgewühlt, aggressiv oder verwirrt, kann das auf Gewalt hindeuten, erklärt das ZQP in neuen Arbeitsmaterialen für Menschen in Pflegeberufen, die online kostenlos zur Verfügung stehen.

Man sollte sich klarmachen, dass Gewalt viele Facetten hat: Sie reicht von Spucken oder grobem Anpacken über Freiheitsbeschränkungen - durch Anschnallen zum Beispiel - bis hin zu respektlosem Verhalten oder Bevormundung, etwa in finanziellen Angelegenheiten.

Bei Verdacht behutsam vorgehen

Bei einem Verdacht gilt es unter anderem, behutsam vorzugehen und Betroffene allein darauf anzusprechen. Warum-Fragen vermeidet man in solchen Gesprächen. Pflegebedürftige, die Gewalt erfahren, haben oft Ängste, Schlafstörungen oder Ohnmachtsgefühle.

Es gibt verschiedene Ursachen, die dazu führen können, dass Pflegekräfte oder pflegende Angehörige Arten von gewalttätigem Verhalten zeigen - emotionale Erschöpfung, fehlende Unterstützung, starre Arbeitsabläufe, mangelndes Wissen über Krankheitsbilder oder fehlende Strategien zur Deeskalation zählen laut ZQP dazu.

Umso wichtiger sei es, Überlastungsanzeichen bei sich selbst zu erkennen: Reizbarkeit, Empathieverlust, Kopfschmerzen und Konzentrationsprobleme zum Beispiel. Gegebenenfalls sollte man die Belastung reduzieren. Es gibt weitere Optionen zum Gegensteuern - Fortbildungen etwa.

Um für das Thema zu sensibilisieren, seien besonders die Einrichtungen und das dortige Führungspersonal gefragt, betont das ZQP. Von ihnen müssten die Veränderungsprozesse ausgehen.

© dpa-infocom, dpa:200811-99-124599/2

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
11. 08. 2020
12:03 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Gewalt Kopfweh Krankheitssymptome Pflegebedürftige Pflegeberufe Pflegepersonal Probleme und Krisen Reizbarkeit Schlafstörungen Schwellungen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Bewegung im Pflegeheim

04.11.2020

Wegen Corona: Menschen im Pflegeheim bewegen sich zu wenig

Menschen, die in Pflegeheimen leben, haben in Zeiten von Corona oft weniger Bewegungsangebote. Grund sind Zugangsbeschränkungen für externe Dienstleister. Daher sind jetzt neue Konzepte gefragt. » mehr

Pflegebedürftiger im Rollstuhl

01.09.2020

Pflegekräfte auf Grobheiten ansprechen

Zimperlich geht es in der Pflege nicht immer zu. Aber es gibt Grenzen. Und wenn Pflegekräfte sie überschreiten, sollten Angehörige nicht wegschauen. Doch wie reagiert man in so einer Situation? » mehr

Joschka Haltaufderheide

31.07.2020

Wenn die Roboter ins Altenheim kommen

Digitale Helfer könnten die Versorgung Pflegebedürftiger in der Zukunft unterstützen. Doch es stellen sich wichtige, ethische Fragen - allen voran: Darf die Maschine den Mensch ersetzen? » mehr

Mentale Probleme bei Jugendlichen

19.05.2020

Teenager in Europa berichten häufiger von mentalen Problemen

Die psychische Verfassung vieler Jugendlicher hat sich in den letzten Jahren in Europa verschlechtert. Das zeigt eine Studie des Europa-Büros der WHO. » mehr

Schlafstörungen bei Pflegebedürftigen

03.04.2020

Kein Mittagsschlaf und helle Wohnung für besseren Schlaf

Schmerzen, nächtliche Toilettengänge, mangelnde Bewegung: Es gibt viele Gründe, warum pflegebedürftige Menschen nachts oft schlecht schlafen. Tipps, worauf man achten kann. » mehr

Mensch im Rollstuhl

28.05.2020

Entlastungen für pflegende Angehörige in der Corona-Krise

Geschlossene Einrichtungen oder in ihre Heimat zurückgekehrte Pflegekräfte: Angehörige von Pflegebedürftigen müssen während der Corona-Pandemie vieles selbst stemmen. Welche Unterstützung gibt es? » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
11. 08. 2020
12:03 Uhr



^