Lade Login-Box.
Fotowettbewerb 2020 zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

 

Wenn der Druck im Kessel steigt: Elternberatung per Hotline

Kitas und Schulen sind geschlossen, Kinder und Jugendliche müssen zu Hause bleiben. In manchen Familien spitzt sich nun die Lage zu. Der Kinderschutzbund bietet Betroffenen telefonische Beratung an.



Hotlines des Kinderschutzbundes
Anrufen, wenn die Sorgen überhand nehmen: Eltern, aber auch Kinder und Jugendliche können sich an den Hotlines des Kinderschutzbundes beraten lassen.   Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Kleine Kinder dürfen nicht mehr auf die Spielplätze, Jugendliche sind von ihren Freundeskreisen ein ganzes Stück abgeschnitten. Eltern müssen all das auffangen, außerdem zu Hause den Schulstoff vermitteln und sich zugleich um ihren eigenen Job kümmern.

Dazu kommen oft Existenzsorgen in Corona-Zeiten - eine brisante Mischung, wie der Deutsche Kindschutzbund (DKSB) befürchtet. «Wenn Familien jetzt 24 Stunden, sieben Tage die Woche aufeinander hocken, kann man sich vorstellen, dass da der Druck im Kessel steigt», sagt DKSB-Sprecherin Juliane Wlodarczak. Je länger die Zeit andauert, desto schwieriger werde es. Der Kinderschutzbund rechnet auch mit einem Anstieg häuslicher Gewalt gegen Frauen und Kinder.

Gespräche können entlasten

Lidija Baumann ist Leiterin des Kinderschutz-Zentrums Kiel in Trägerschaft des Kinderschutzbundes. Noch verzeichnet sie keinen erhöhten Andrang, allerdings rät sie Eltern, sich frühzeitig zum Beispiel bei der zentralen Hotline des Kinderschutzbundes zu melden. «Gespräche können entlasten», sagt die Kinderpsychologin. «Es ist gut, mit Fachleuten zu sprechen, die Menschen in Krisenzeiten verstehen. Wir als Kriseneinrichtung können deeskalierend einwirken.»

Unter der Rufnummer 0800/111 05 50 stehen montags bis freitags von 9.00 bis 11.00 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 17.00 bis 19.00 Uhr ehrenamtliche Berater zur Verfügung. Auch regional ist der Kinderschutzbund zu erreichen. Kinder und Jugendliche können die Rufnummer 116 111 anwählen, kostenlos und anonym vom Handy und Festnetz aus, montags bis samstags zwischen 14.00 und 20.00 Uhr.

Viele Eltern haben sich auf die Zeit bis zum Ende der Osterferien eingerichtet, glaubt Baumann. Sie macht sich Sorgen, wie es danach weitergeht. Gefährdet seien gerade Familien, die zum Beispiel durch eine psychische Erkrankung oder materielle Sorgen hoch belastet sind: «Dann können Kinder schnell in alltäglichen Situationen zum Blitzableiter werden.» Diese Kinder lebten in einer Grundanspannung, die Belastung durch die Corona-Maßnahmen treffe sie nun umso härter.

Kinder nicht sich selbst überlassen

Die Psychologin rät Eltern, ihre Kinder nicht sich selbst zu überlassen. In Kombination mit einem hohem Medienkonsum sei das nur kurzfristig eine Entlastung. «Aber längerfristig wird es zu einem Teufelskreislauf. Man sollte deshalb frühzeitig überlegen: Wie strukturieren wir die Zeit?», empfiehlt Baumann. Wer einmal aus Strukturen heraus sei, finde viel schwerer wieder in sie hinein.

Feste Zeiten, orientiert an der Normalität vor dem Coronavirus, entsprechen dem Bedürfnis von Kindern nach Struktur: «Vormittags Lernzeit für Schulkinder, am frühen Nachmittag eine Ausruhzeit für Kindergartenkinder», rät Baumann. Bei der Tagesplanung, in der auch Spiel und Bewegung enthalten sein sollten, dürfen sich die Kinder einbringen: «Kinder sind wunderbare Planer. Und wer mitentscheiden darf, ist auch eher bereit, sich an Vereinbarungen zu halten.»

Service:

Das bundesweite Elterntelefon des Kinderschutzbundes ist unter 0800 1110550 zu erreichen, montags bis freitags von 9.00 Uhr bis 11.00 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 17.00 Uhr bis 19.00 Uhr.

Die «Nummer gegen Kummer» für Kinder und Jugendliche lautet 116 111. Sie ist anonym und kostenlos vom Handy und Festnetz montags bis samstags von 14.00 bis 20.00 Uhr erreichbar.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
24. 03. 2020
16:02 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Deutscher Kinderschutzbund Eltern Elternberatung Gewalt Gewalt gegen Frauen Häusliche Gewalt Kinder und Jugendliche Schulkinder Services und Dienstleistungen im Bereich Beratung
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Häusliche Gewalt

10.11.2020

So oft werden (Ex-)Partner zur Gefahr

Viele Frauen, aber auch Männer sind in den eigenen vier Wänden nicht sicher. Von Jahr zu Jahr werden mehr Anzeigen erstattet, weil der (Ex-)Partner zur Gewalt neigt. Noch ist nicht klar, ob die Corona-Pandemie das Proble... » mehr

Häusliche Gewalt

22.04.2020

Zahl der Anrufe wegen häuslicher Gewalt gestiegen

Zu Beginn der Corona-Krise warten Experten eindringlich vor einem Anstieg der häuslichen Gewalt und des Missbrauchs in den eigenen vier Wänden. Im Familienministerium gibt es nun erste Hinweise, dass es wirklich so kommt... » mehr

Viele Eltern müssen gleichzeitig arbeiten und Kinder betreuen

23.04.2020

Ohne Notbetreuung in Not: Was tun, wenn Familien leiden?

Kinderbetreuung und Homeoffice lassen sich kaum vereinen, denn Kinder brauchen Ansprache. Die Belastung von Familien steigt mit dem Stress. Eltern sollten nicht versuchen in Allem perfekt zu sein. » mehr

Kinder und Jugendliche in Armut

19.11.2020

Corona-Krise erhöht Armutsgefahr für Kinder und Jugendliche

Millionen Kinder in Deutschland müssen unter oder knapp an der Armutsgrenze leben. Experten rechnen damit, dass die Corona-Pandemie ihre Situation verschärfen wird. Auch um die Sicherheit zuhause gibt es weiter Sorgen. » mehr

Häusliche Gewalt

03.06.2020

Mehr häusliche Gewalt in Quarantäne und finanzieller Not

Immer wieder haben Experten gewarnt: Die Gewalt in Familien könnte steigen, wenn Menschen wegen Corona nicht aus dem Haus dürfen und existenzielle Probleme dazu kommen. Nun zeigt sich: Die Befürchtungen dürften sich bewa... » mehr

Ann-Marlene Henning

15.05.2020

Was in Zeiten von Corona aus der Liebe wird

Homeoffice, soziale Isolation, kaum Auszeiten: Die Corona-Krise ist für manche Paare eine Belastungsprobe. Was macht das mit der Liebe? Und wie schafft man es, nicht daran zu zerbrechen? » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
24. 03. 2020
16:02 Uhr



^