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Wie Pflegeheime künftig bewertet werden

Rund 700.000 Menschen leben in Deutschlands Pflegeheimen - Tendenz steigend. Ob ein Heim seine Bewohner aber besser oder schlechter betreut, ist von außen nur schwer zu beurteilen. Nun sollen aussagekräftige Informationen bei der Heimsuche helfen.



Pflege
Für Angehörige ist es oft schwer, einen gutes Pflegeheim zu finden.   Foto: Holger Hollemann/dpa

Die Ära der Traumnoten für Deutschlands 13.000 Pflegeheime geht zu Ende. Der bisherige Pflege-TÜV ist zwar übersichtlich: Pflegebedürftige und ihre Angehörigen können mit einem Klick auf den Suchseiten der Krankenkassen die Gesamtnote eines Heims erkennen.

Trotzdem taugt das System wenig: Reihenweise gibt es Bestnoten - Unterschiede werden kaum erkennbar. Die wichtigsten Fragen zum alten und neuen System im Überblick:

Wie ist die Qualität der Heime heute?

Insgesamt hat sie sich in den vergangenen Jahren verbessert, wie der jüngste Qualitätsbericht der Pflegekassen vom vergangenen Jahr zeigt. Zehntausende Pflegebedürftige in Deutschlands Heimen werden aber immer noch Opfer mangelhafter Betreuung. Rund jeder vierte Bewohner, der eine Wundversorgung brauchte, bekam diese zuletzt nicht ausreichend oder unzulänglich. Bei jedem vierten Bewohner wurde das Gewicht nicht kontrolliert - trotz des Risikos eines Gewichtsverlustes. In jedem fünften Fall, in dem es nötig gewesen wäre, gab es keine ausreichende Vorbeugung vor Druckgeschwüren.

Wie zeigte sich dies in den Gesamtnoten der Heime?

Kaum. Deshalb liegen sie in keinem Bundesland im Schnitt aktuell schlechter als 1,6 (Nordrhein-Westfalen und Thüringen), der Bundesschnitt liegt bei 1,3. Probleme und Missstände in zentralen Bereichen können ausgeglichen werden. Wenn also etwa nicht auf freiheitsentziehende Maßnahmen wie Gurte verzichtet wird, dann kann das für die Note mit Dingen wettgemacht werden, die eher dem allgemeinen Wohlbefinden in Einrichtungen dienen.

Was soll man künftig über die Heime erfahren?

Eine Vielzahl an Informationen: Zunächst wie gut ein Heim abschneidet bei der Versorgung - etwa dem Erhalt der Mobilität, der Selbstständigkeit, beim Vermeiden von Stürzen oder Druckgeschwüren. Für jeden einzelnen dieser und weiterer Punkte wird künftig angegeben, ob ein Heim in fünf Stufen von weit über bis weit unter dem Durchschnitt liegt. Und dann geht es um das Vorhandensein von Qualitätsdefiziten - bei der Unterstützung in Bereichen wie Bewegen, Essen und Trinken oder Körperpflege, bei der Wundversorgung, der Schmerzbekämpfung und anderem. Bei diesen und anderen Kriterien gibt es jeweils vier Stufen von keine/geringe bis schwerwiegende Defizite.

Wie werden diese Bewertungen ermittelt?

Die Qualität der Versorgung messen die Heime selbst alle halbe Jahre an allen Bewohnern. Die Daten werden dann gesammelt und verglichen, so dass es einen Durchschnitt gibt, an dem die einzelnen Heime gemessen werden können. Die möglichen Qualitätsdefizite sind Gegenstand von Prüfungen von Prüfern der gesetzlichen und privaten Kassen.

Was ändert sich bei den Prüfungen?

Bisher bricht in einem Pflegeheim oft ein wenig Chaos aus, wenn die Prüfer kommen. Akten müssen zusammengesucht werden, Angehörige müssen ihre Erlaubnis geben. Künftig kommen die Prüfer angemeldet - sie suchen auch das Fachgespräch mit den Pflegekräften. Es soll weniger um Kontrolle gehen, eher um mögliche Verbesserungen. In die Bewertungen geht bisher vor allem ein, was an Pflege schriftlich dokumentiert ist. Künftig sollen die Begutachtungen von jeweils neun repräsentativ ausgewählten Bewohnern im Zentrum stehen. Die Prüfer kommen alle 14 Monate, bei guten Heimen künftig nur alle zwei Jahre.

Was gibt es noch an Informationen?

Angaben zur Einrichtung, etwa ob es Angehörigen-Abende gibt, welche Kontakte ein Heim zu Einrichtungen der Umgebung hat und wie die personelle Ausstattung ist. Was es nicht mehr gibt, ist eine Zusammenführung der Daten zu einem Gesamtergebnis.

Wann sollen die neuen Informationen zur Verfügung stehen - und wo?

Bis Ende 2020 sollen alle Einrichtungen nach dem neuen Verfahren geprüft sein. Veröffentlicht werden die Bewertungen wie bisher auf den Seiten der Krankenkassen, etwa dem Pflegelotsen der Ersatzkassen oder dem Pflege-Navigator der AOKen. Auch die einzelnen Heime selbst sollen die Informationen vor Ort zur Verfügung stellen.

Wie ist es zum neuen Pflege-TÜV gekommen?

Schon 2014 wurde das Notensystem verschärft, weil die Testergebnisse zu gut waren. Doch viel verbessert hatte sich nicht. Im Jahr drauf gab der Gesetzgeber den Heimbetreibern und Kassen auf, ein neues Verfahren zu entwickeln. Fristen wurden zunächst nicht eingehalten. Wissenschaftler wurden beauftragt. Sie legten vor gut einem Jahr einen mehr als 600 Seiten starken Vorschlag vor - er wurde zur Grundlage für die neue Systematik.

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dpa

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Veröffentlicht am:
01. 10. 2019
17:37 Uhr

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