Lade Login-Box.
Topthemen: Landtagswahl 2019Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

 

Mehrheit für Kindergarten-Pflicht und kostenlose Kitas

Die Herkunft von Kindern entscheidet immer noch über ihre späteren Karrierechancen. Eine große Mehrheit der Bundesbürger ist deshalb dafür, dass sich der Staat mehr um Chancengleichheit kümmert - und sieht unter anderem bei den Kitas Handlungsbedarf.



Kindertagesstätte
Eine deutliche Mehrheit in Deutschland ist für eine Kita-Pflicht für Kinder ab vier Jahren.   Foto: Julian Stratenschulte

Zwei von drei Deutschen sind für eine Kita-Pflicht für Kinder ab vier Jahren. Im ifo-Bildungsbarometer , das nun vorgelegt wurde, sprachen sich 67 Prozent für eine solche Regelung aus.

Eine deutliche Mehrheit von 78 Prozent befürwortet außerdem, dass Kitas für Kinder ab vier kostenlos sein sollten. Der SPD-Bildungsexperte Oliver Kaczmarek schloss am Mittwoch eine Kita-Pflicht nicht grundsätzlich aus. Familien- und Bildungspolitiker anderer Parteien winkten dagegen ab.

Bereitschaft zur Veränderung

In der repräsentativen Umfrage des ifo-Instituts wurden die Menschen nach ihrer Meinung zu verschiedenen Reformideen für das deutsche Bildungssystem mit Blick auf mehr Chancengleichheit für alle Kinder befragt. 71 Prozent der Deutschen sind generell der Meinung, der Staat sollte mehr Geld für Kinder aus schlechter gestellten Familien ausgeben, um die Chancengleichheit zu erhöhen.

Philipp Lergetporer vom ifo Zentrum für Bildungsökonomik sagte, die Befragung habe gezeigt, dass es beim Thema Bildung eine große Reformbereitschaft in der Bevölkerung gebe. Von acht Reformvorschlägen, die man den Befragten zur Bewertung vorgelegt habe, seien sieben mehrheitsfähig.

Kindergartenpflicht und individuelle Familienmodelle

So befürwortet eine Mehrheit neben der Kita-Pflicht und der kostenfreien Kinderbetreuung auch die Einführung von Ganztagsschulen, mehr Ausgaben für benachteiligte Schulen und höhere Lehrergehälter an sogenannten Brennpunktschulen. Am meisten Zustimmung bekommt ein Ausbau von Stipendienprogrammen für einkommensschwache Studenten (83 Prozent).

Die Idee einer Kindergartenpflicht wurde allerdings am Mittwoch von Bildungs- und Familienpolitikern verschiedener Parteien umgehend abgelehnt. Marcus Weinberg von der CDU sagte der «Welt», er sei zwar der festen Überzeugung, dass ein Kind von Betreuung und früher Bildung in der Kindertagesstätte profitiere. Man habe aber die individuellen Lebensmodelle der Familien zu respektieren.

Milliarden für deutsche Kitas - Gegenwind von der Afd

Auch die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Margit Stumpp, zeigte sich skeptisch: Bevor über eine Kita-Pflicht nachgedacht werde, müssten die jetzt schon fehlenden Plätze geschaffen und es müsse in die Qualität investiert werden. Die Einführung einer Kindergartenpflicht sei so überflüssig wie ein Kropf, sagte der AfD-Bildungspolitiker Götz Frömming.

Der bildungspolitische Sprecher der SPD, Oliver Kaczmarek, verwies auf das «Gute-Kita-Gesetz» der Regierung, über das in den kommenden Jahren 5,5 Milliarden Euro vom Bund für die Kitas bereitgestellt werden. «Sollten wir feststellen, dass sich trotz dieser Offensive Eltern gegen einen Kita-Besuch entscheiden und die Leistungsunterschiede zwischen den Kindern mit und ohne Kita-Besuch bestehen bleiben, müssten wir über weitere Schritte nachdenken und dürften dabei eine Kita-Pflicht nicht ausschließen», sagte Kaczmarek der «Welt».

Kinderbetreuung auf Bundesebene

Mit dem «Gute-Kita-Gesetz» hat die Bundesregierung in der Bevölkerung offensichtlich einen Nerv getroffen: 84 Prozent der Befragten äußerten im Bildungsbarometer Zustimmung zum «Gesetz zur Weiterentwicklung der Qualität und zur Teilhabe in der Kindertagesbetreuung». Familienministerin Franziska Giffey (SPD) hatte es «Gute-Kita-Gesetz» getauft. Nur 7 Prozent sagten, sie seien sehr oder eher dagegen. 10 Prozent antworteten mit «weder dafür noch dagegen». Fließen können die Kita-Milliarden erst, wenn jedes Bundesland mit dem Bund einen Vertrag geschlossen hat, da Kinderbetreuung Ländersache ist. Das soll im Herbst erledigt sein.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
30. 08. 2019
11:29 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bevölkerung Bildungspolitiker CDU Chancengleichheit Deutsches Bildungssystem Franziska Giffey Kinder und Jugendliche Marcus Weinberg Oliver Kaczmarek Regierungen und Regierungseinrichtungen Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland SPD Umfragen und Befragungen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Darlehen für Pflege

06.08.2019

Ist das Darlehen für Pflege gescheitert?

Wird ein naher Angehöriger zum Pflegefall, kommt auf die Angehörigen oft die Hauptlast zu. Treten sie im Job kürzer, können sie ein Darlehen beantragen - doch nur ganz wenige machen davon Gebrauch. » mehr

Mutter mit Kind

10.09.2019

Familien-Rollenverteilung hat sich stark verändert

Mütter hüten die Kinder - Väter verdienen das Geld. Die klassische Rollenverteilung kommt immer mehr ins Wanken, zeigt eine Umfrage. Ein Grund dürfte das Elterngeld sein. Das soll nun noch einmal reformiert werden. » mehr

Schule

07.08.2019

Privatschulen sind gefragt: Kurs auf Zwei-Klassen-System?

Eine Million Kinder und Jugendliche lernen inzwischen an Privatschulen. Mancherorts schließen öffentliche Schulen, und neue private öffnen. Was macht das mit der angestrebten Chancengleichheit? Droht ein Zwei-Klassen-Sys... » mehr

100 Jahre Grundschule

13.09.2019

Welche Chancen eröffnet die Grundschule?

Lesen, Schreiben und Rechnen lernen Kinder seit nunmehr 100 Jahren in der gemeinsamen Grundschule. Wie war das damals und wie könnte die Grundschule in 100 Jahren aussehen? » mehr

Kindeswohl gefährdet

06.09.2019

Viele Kinder durch Vernachlässigung gefährdet

In zehntausenden Fällen schreiten Jugendämter ein, weil sie Kinder gefährdet sehen. Nicht immer geht es um dramatische Fälle wie Vergewaltigung oder Verwahrlosung. Das gesellschaftlich größte Problem ist für Experten ein... » mehr

Mutter mit Kind

05.09.2019

Staat zahlt immer mehr Unterhaltsvorschuss

Mütter und Väter, die sich getrennt haben, müssen für ihre Kinder Unterhalt zahlen, wenn diese beim anderen Elternteil leben. Viele tun dies aber nicht - in solchen Fällen springt der Staat ein. Der Unterhaltsvorschuss w... » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
30. 08. 2019
11:29 Uhr



^