Lade Login-Box.
Gemeinsam handeln zum Digital-Abo
Topthemen: #GemeinsamHandelnCoronavirus in ThüringenCorona-HilfsbörseFreies Wort hilft

 

Herkunft entscheidet oft über Bildungschancen

Fortschritte bei frühkindlicher Bildung, exzellente Berufschancen durch höhere Abschlüsse - Deutschland steht bei der Bildung gut da. Aber viele bleiben auch abgehängt.



Vorstellung OECD-Bericht 2018
Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund haben laut des neuen OECD-Berichts schlechtere Bildungs- und Berufschancen.   Foto: Britta Pedersen

Kinder aus ärmeren und eingewanderten Familien schaffen in Deutschland oft keinen Aufstieg durch Bildung. Für die Mehrheit der jungen Menschen sind die Bildungs- und Berufschancen dagegen gut bis ausgezeichnet.

Lehrer verdienen zudem hierzulande im internationalen Vergleich besonders viel. Das zeigt eine neue Studie, die die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) nun in Berlin präsentierte.

Zu den Fortschritten zählt, dass weit mehr Kinder als früher eine Kita besuchen. Der Anteil der Unter-Drei-Jährigen, die in frühkindliche Bildungseinrichtungen gehen, stieg von 17 Prozent 2005 auf 37 Prozent 2016. Allerdings profitieren Kinder von Müttern mit hohen Abschlüssen sogar zur Hälfte von frühkindlicher Bildung. Dabei ist der Betreuungsschlüssel in Deutschland überdurchschnittlich: Knapp zehn Kinder kommen auf eine Kita-Erzieherin - OECD-weit sind es mehr als 14.

OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher hob die Fortschritte bei der frühkindlichen Bildung hervor, betonte aber: «Kinder aus ungünstigen sozialen Schichten, die es am dringendsten brauchen, bekommen in Deutschland am wenigsten frühkindliche Bildung. Diese soziale Schere ist das Gegenteil von dem, was wir brauchen», sagte er.

Der Anteil junger Erwachsener ohne Abitur oder Berufsabschluss sank binnen zehn Jahren leicht von 15 auf 13 Prozent. Diese jungen Menschen landen aber weiterhin besonders oft in der Arbeitslosigkeit - die Beschäftigungsquote liegt hier nur bei 55 Prozent. «Das ist auch gesellschaftlich ein Problem», sagte der Leiter des Berliner OECD-Büros, Heino von Meyer. Schleicher sagte: «Wir stehen hier vor enormen Herausforderungen.» Akademiker oder Meister bekommen zu 87 Prozent einen Job.

Dabei sind die Berufsaussichten auch nach einer Ausbildung gut. «Denjenigen, die nicht studieren möchten, bieten Berufsqualifikationen in Deutschland einen sicheren Weg in die Beschäftigung», so die OECD.

Schwer haben es junge Menschen mit Migrationshintergrund. So sind 24 Prozent nicht in Beschäftigung, Bildung oder Ausbildung. Bei denen, die erst mit 16 Jahren oder später ins Land gekommen sind, sind es sogar 32 Prozent. Schleicher betonte, dass der Unterschied bei den Chancen zwischen im Land und im Ausland geborenen Kindern in Deutschland besonders hoch sei. Er führte dies aber auch auf die hohen Einwandererzahlen ab 2015 zurück. Insgesamt ist fast jeder zehnte 18- bis 24-Jährige nicht in Arbeit, Bildung oder Ausbildung.

«Es gibt Erfolge, und manches läuft auch gut», sagte von Meyer. Vieles sei aber verbesserungswürdig. «Deutschland muss besser werden, wenn es sich erfolgreich den Herausforderungen der Zukunft stellen will.» So seien über 40 Prozent der Lehrer hierzulande über 50 Jahre alt. «Absehbar werden hunderttausende neue Lehrer gebraucht.»

Bei den Lehrergehältern liegt Deutschland mit an der Spitze. Lehrer der Sekundarstufe I verdienen im Schnitt gut 54.000 Euro, fast doppelt so viel wie im OECD-Schnitt.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
11. 09. 2018
14:54 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Andreas Schleicher Berufsaussichten Bildungschancen Einwanderung IGLU-Studie Karriere Kinder und Jugendliche Lehrerinnen und Lehrer Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Sekundarstufe I
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
«Schule geschlossen!»

03.06.2020

Schulschließungen könnten sich in Pisa-Studie niederschlagen

Wegen der Corona-Maßnahmen konnten viele Schüler in den letzten Monaten nur eingeschränkt unterrichtet werden. Das dürfte nicht ohne Folgen bleiben. Ein OECD-Vertreter befürchtet größere Bildungsunterschiede nach soziale... » mehr

Kind mit Handy

17.04.2020

So tanken Eltern Kraft in der Corona-Krise

Kitas zu, die Schulen öffnen erst schrittweise: Viele Eltern bleiben in den nächsten Wochen auf sich selbst zurückgeworfen. Um den Druck rauszunehmen, müssen Chaos und Fußboden-Picknicke erlaubt sein. » mehr

Arbeiten im Kindergarten

25.10.2019

Kita-Kinder in Deutschland professionell betreut

Studien und Umfragen zum Erziehermangel, zu fehlenden Kita-Plätzen und Sorgen der Eltern gibt es viele - jetzt hat die OECD mal die Erzieher selbst befragt. Ergebnis: Sie sind gut ausgebildet, lieben ihren Job, aber fühl... » mehr

Senioren als Streitschlichter

20.02.2020

Senioren als Streitschlichter auf dem Schulhof

Hänseleien unter Mitschülern, Streit im Klassenzimmer: Dutzende Senioren sind an hessischen Schulen als Streitschlichter tätig. Manchmal stoßen die Mentoren aber auch an ihre Grenzen. » mehr

Lehrerzimmer-Schild

25.10.2019

Lehrer müssen Kindern im Notfall Medikamente verabreichen

Lehrer sind für ihre Schüler verantwortlich. Doch wie weit geht diese Fürsorgepflicht? Sind sie auch dafür zuständig, erkrankten Kindern Notfallmittel zu spritzen? » mehr

Smartwatches

20.09.2019

Dauernde Smartwatch-Kontrolle zerstört Vertrauen des Kindes

Manche Eltern bevorzugen zur Kontrolle die Smartwatch am Handgelenk des Kindes statt das Smartphone im Ranzen. Doch wenn sie damit den Kontrollwahn übertreiben, riskieren sie einen Vertrauensbruch. » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
11. 09. 2018
14:54 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.