Topthemen: Der NSU-ProzessMobilität und EnergieGebietsreformFußball-Tabellen

 

100 000 Teenager sind süchtig nach sozialen Medien

Können soziale Medien süchtig machen? Nach einer Umfrage der Krankenkasse DAK unter jungen Leuten gibt es dafür durchaus ein Risiko. Was heißt das und wie dramatisch ist die Lage?



Jugendliche mit Smartphone
Viele Kinder zwischen 12 und 17 Jahren nutzen Messenger-Dienste. Doch wer ständig an sein Netzwerk denkt und auf Entzug gereizt oder unruhig reagiert, zeigt ein Suchtverhalten.   Foto: Henning Kaiser

Ständig chatten, posten und liken: Rund 100 000 Kinder und Jugendliche in Deutschland sind nach einer repräsentativen Studie der Krankenkasse DAK süchtig nach sozialen Medien.

Für die Untersuchung ließ die Kasse 1001 Jungen und Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren von Meinungsforschern befragen und rechnete die Ergebnisse auf die Bundesrepublik hoch. Das erläuterte DAK-Vorstandschef Andreas Storm bei der Präsentation der Studie in Berlin. «Die Ergebnisse sind alarmierend», ergänzte er. In der Studie zeigten 2,6 Prozent der Teenager ein Suchtverhalten nach sozialen Medien. Folgen sind nach Angaben der Forscher nicht allein Schlafmangel, Realitätsflucht und Stress mit den Eltern. Ausgewählte Ergebnisse der Studie:

WAS HEISST SOCIAL-MEDIA-SUCHT? Zu den Kriterien zählen die Forscher des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kinder- und Jugendalters ein ständiges Denken an Freunde-Netzwerke oder Messenger-Dienste im Internet - selbst in der Schule und in der Lehre. Dazu kommen Entzugserscheinungen wie Gereiztheit, Unruhe oder Traurigkeit, wenn das Handy oder andere Empfangsgeräte nicht in der Nähe sind. Unter Kontrollverlust verstehen die Wissenschaftler, dass Teenager unfähig sind, ihre Zeit für soziale Medien selbst zu begrenzen. Auch ihr Verhalten kann sich ändern: Kinder und Jugendliche verlieren zum Beispiel das Interesse an Hobbys. Sie lügen über das Ausmaß ihrer Nutzung sozialer Medien und riskieren Freundschaften, Schulerfolg oder Karrierechancen für ihr Online-Dasein.

FAKTOR ZEIT: Die große Mehrheit der Kinder und Jugendlichen (85 Prozent) ist laut Studie jeden Tag insgesamt knapp drei Stunden in sozialen Medien unterwegs - Mädchen mit 182 Minuten etwas häufiger als Jungen (151 Minuten). Abiturienten verbringen etwas weniger Zeit online (149 Minuten) als Teenager mit mittlerem oder niedrigerem Schulabschluss (207 Minuten). Am häufigsten nutzen die Befragten WhatsApp (66 Prozent), vor Instagram (14 Prozent), Snapchat (9 Prozent) und Facebook (2 Prozent).

STRESS MIT DEN ELTERN: Wegen der hohen Nutzung sozialer Medien kommt es bei sechs Prozent der befragten jungen Leuten zu häufigen Streit mit ihren Eltern. Bei 16 Prozent gibt es manchmal Auseinandersetzungen. Je jünger die befragten Jungen und Mädchen sind, desto häufiger kracht es. 14 Prozent der 12- und 13-Jährigen nutzen soziale Medien deshalb oft heimlich.

NACHTEULEN: Knapp jeder fünfte 12- bis 17-Jährige gibt an, wegen der Social-Media-Nutzung manchmal zu wenig zu schlafen (17 Prozent). Bei sechs Prozent kommt dies sehr häufig oder häufig vor. Je älter die befragten Jungen und Mädchen sind, umso eher geben sie an, manchmal wegen sozialer Medien zu wenig zu schlafen.

PSYCHISCHE PROBLEME: Unter allen befragten Teenagern ergaben sich durch die Antworten für Forscher bei acht Prozent Hinweise auf eine depressive Neigung. Auffällig war, dass jeder dritte Betroffene mit eher depressiver Stimmung auch zu einer problematischen Nutzung sozialer Medien neigte.

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
01. 03. 2018
12:43 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Andreas Storm DAK Facebook Krankenkassen Social Media Sozialbereich Teenager
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Soziale Medien

03.07.2017

Eltern dürfen Teenager nur begrenzt kontrollieren

Soziale Medien spielen im Alltag eine immer größere Rolle. Deswegen richten bereits Kinder sämtliche Konten ein. Vielen Eltern missfällt das, doch ab einem bestimmten Alter sollten sie ihre Kontrollmaßnahmen deutlich ein... » mehr

Freunde

30.07.2018

Welchen Stellenwert hat Freundschaft?

Wann ist ein Freund ein Freund? Psychologen unterscheiden hier viele Modelle - von der lebenslangen Herzensfreundschaft bis hin zur flüchtigen Bekanntschaft in sozialen Netzwerken. » mehr

Social-Media-Nutzung

26.02.2018

Social Media führen nicht zu massiv schlechteren Schulnoten

Wenn der Sohn dauernd bei Facebook, Instagram und Snapchat aktiv ist, bringt er schlechtere Noten nach Hause. Viele Eltern befürchten das. Möglicherweise zu Unrecht, wie eine Auswertung von Wissenschaftlern aus Bayern ze... » mehr

Schmerzfaktor Handy

28.04.2017

Auf Status-Entzug: Trennung in digitalen Zeiten meistern

Er hat eine Neue? Sie macht schon wieder Witze? Über die sozialen Netzwerke kommen die Neuigkeiten des Ex-Partners direkt aufs Smartphone. Das ist Salz in jede Liebeskummerwunde - was tun? » mehr

Freundschaft plus

30.07.2018

Sex unter Freunden ist für jeden Dritten okay

Wie stehen die Deutschen zu Sex unter Freunden? Und wer hat die meisten Freunde? Eine repräsentative Umfrage zum internationalen Tag der Freundschaft am 30. Juli zeigt, was die Deutschen wirklich denken. » mehr

Isabel Robles Salgado

20.07.2018

Freunde bleiben trotz Kinder

Rückkehr in den Job, Stillen, Babyfotos im Internet: Wenn in einer Freundschaft beide Seiten Kinder bekommen, tun sich manchmal Gräben auf. Wer die Freundschaft erhalten möchte, sollte vor allem auf eines verzichten: ung... » mehr

Autor
dpa

dpa

Kontakt zum Autor

Autor zu »Meine Themen« hinzufügen

Veröffentlicht am:
01. 03. 2018
12:43 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".