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Heiße Sommer bescheren dem Silvaner ein Comeback

Bis Mitte der 1960er Jahre war der Silvaner die bedeutendste Rebsorte in Deutschland. Dann aber fand er immer weniger Anklang. Jetzt holen Winzer in Rheinhessen und Franken wieder Spitzenqualitäten aus den kleinen Beeren heraus.



Comeback für den Silvaner
In der neuen Kollektion von «Selection Rheinhessen» ist der Silvaner mit 16 von 54 Weinen ein heimlicher Star.   Foto: Peter Zschunke/dpa

Für manche gilt der Silvaner als Inbegriff für flache Massenweine. Nach drei Jahren mit einem heißen und trockenen Sommer findet die Rebsorte aber auch bei Liebhabern anspruchsvoller Qualitätsweine zunehmend Beachtung.

«Er entwickelt sich langsam zu einem Geheimtipp für hochwertige Weine», sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut.

Sichtbar wird dies an den Silvanern unter den «Großen Gewächsen» (GG), den Spitzenweinen des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter (VDP): Obwohl die Rebsorte bislang nur in Franken und Saale-Unstrut für diese Spitzenkategorie zugelassen ist, hat sich die Zahl der Silvaner-Weine unter den «Großen Gewächsen» seit 2004 von 17 auf 30 nahezu verdoppelt.

Anbau in Franken und Rheinhessen

Kerngebiete des Silvaners sind Franken und Rheinhessen. In Franken hat der Silvaner im vergangenen Jahr den Müller-Thurgau als meistangebaute Rebsorte überholt und wird nun auf 1522 Hektar angebaut. In Rheinhessen wird Silvaner auf 2100 Hektar angebaut - die rückläufige Entwicklung der vergangenen zwei Jahrzehnte hat sich zuletzt verlangsamt. Beide Anbaugebiete zusammen stehen für nahezu vier Fünftel des Silvaner-Anbaus in Deutschland auf insgesamt 4664 Hektar. Auch in der Pfalz und in Baden gibt es noch größere Weinbergslagen mit Silvaner.

«Der Silvaner erlebt ein Comeback», sagt Büscher. «Er wurde lange Zeit stiefmütterlich behandelt und wird bei Qualitätsweinen jetzt wiederentdeckt.» Bis Mitte der 1960er Jahre war der Silvaner die bedeutendste Rebsorte in Deutschland und wurde auf 19.000 Hektar angebaut, ehe er von Riesling und Müller-Thurgau überholt wurde.

Vor allem die Franken halten den Silvaner hoch. Im Archiv des Weinguts Castell im gleichnamigen Ort im Landkreis Kitzingen liegt die erste urkundliche Erwähnung des Silvaners aus dem Jahr 1659. «Wir sind Überzeugungstäter aus Tradition», sagt Betriebsleiter Peter Geil. In den Weinbergen auf einem kargen Gipskeuper-Boden beginnt an diesem Montag die Lese der Silvaner-Trauben.

Fünf Jahre im Holzfass gereift

Der Wein bleibt lange im Holzfass, aus dem Holz von Eichen, die vor Ort gewachsen sind. Das «Große Gewächs», der Spitzen-Silvaner von Castell, wird erst nach fünf Jahren auf den Markt gebracht. «Ich bin überzeugt, dass man einiges verpasst, wenn man ihn zu jung trinkt», sagt Geil. Erst in der Reife entfalte der Silvaner sein an Kräuter erinnerndes Aroma mit intensiven floralen Noten.

«Silvaner wird groß, wenn er einen kargen Boden hat», sagt der rheinhessische Winzer Alexander Flick in Siefersheim (Kreis Alzey-Worms), wo der Boden vom Rhyolith oder Quarzporphyr, einem vulkanischen Gestein, geprägt ist. «Sobald es schwierig wird, wird es spannend.» Seinen Silvaner baut Flick im Stahlfass aus. «Wir wollen ihn bewusst etwas knackiger haben und die Säure erhalten.» Auch der Siefersheimer Winzer Andreas Seyberth hat sich diese Rebsorte zum Steckenpferd gemacht: «Der Silvaner ist die Ur-Rebsorte von Rheinhessen.» Aus Silvaner macht Seyberth auch einen Sekt mit einem an Birne erinnernden Aroma und einen Orange-Wein, also einen spontan vergorenen, ungefilterten Naturwein.

Mit seiner im Vergleich zum Riesling festeren Beerenschale sind die relativ spät reifenden Silvanertrauben robust und weniger anfällig für Sonnenbrand und Fäulnis als der Riesling. Das ist ein Vorteil im Klimawandel.

Silvaner muss man erlernen

Dem Silvaner in Siefersheim hilft die etwas kühlere Lage im westlichen Rheinhessen, wo es nicht so heiß wird wie an der Rheinfront. «Die Gegend hier ist noch nicht so stark vom Klimawandel betroffen wie andere Regionen», sagt die aus dem nahe gelegenen Wöllstein kommende rheinhessische Weinkönigin Eva Müller.

Rund 20 Kilometer nach Südosten schwört auch Gerold Pfannebecker in Flomborn (Kreis Alzey-Worms) auf Silvaner. In den 1960er und 70er Jahren sei empfohlen worden, statt dieser traditionellen Rebsorte besser Kerner oder Bacchus anzubauen. «Wir haben aber daran festgehalten.» Für ihn gehört der Silvaner zu den Sorten, «die man erlernen muss».

Auch in der neuen Kollektion von «Selection Rheinhessen» ist der Silvaner mit 16 von 54 Weinen ein heimlicher Star. Bei einem kürzlich mit großem Aufwand organisierten «Speed Dating» unter Corona-Bedingungen erklärte etwa der Winzer Fred Oswald aus Guntersblum (Kreis Mainz-Bingen), er wolle seine Silvaner-Flächen weiter vergrößern und dafür auf Dornfelder-Reben verzichten.

«Das ist meine Lieblingsrebsorte», sagte Selina Clemens vom Kapellenhof in Selzen (Kreis Mainz-Bingen). «Silvaner ist nicht so einfach, da braucht man schon im Weinberg mehr Fingerspitzengefühl.»

© dpa-infocom, dpa:200914-99-554074/2

Veröffentlicht am:
14. 09. 2020
11:29 Uhr

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dpa

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Veröffentlicht am:
14. 09. 2020
11:29 Uhr



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