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Deutsche Erdbeeren kommen zunehmend aus dem Folientunnel

Wetterschutz, höhere Erträge, eine längere Saison - für die Erdbeerbauern spricht vieles für einen Anbau der empfindlichen Früchte unter Glas oder Folie. Aus Sicht von Naturschützern wird dabei ein wichtiger Aspekt vergessen.



Erdbeerenanbau unter Foliendach
Deutschlands Bauern bauen Erdbeeren vermehrt in Folientunneln und Gewächshäusern an. Der klassische Anbau auf dem Feld geht hingegen zurück.   Foto: Lukas Görlach

Deutschlands Bauern bauen Erdbeeren vermehrt in Folientunneln und Gewächshäusern an. Der klassische Anbau auf dem Feld geht hingegen zurück. Für Landwirte ist der teurere Anbau unter der Folie nach mehreren wechselhaften Sommern die sichere Bank.

«Er bewahrt die Pflanzen vor extremen Wetterbedingungen, liefert höhere Erträge, bessere Qualität und sogar bessere Arbeitsbedingungen für die Erntehelfer», sagt Simon Schumacher, Sprecher des Verbandes Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer ( VSSE ).

Schutz vor Wetterextremen

Die Abdeckungen schützen die Pflanze vor Starkregen, Hagel, Frost und Trockenheit. «Starke Niederschläge können die Früchte beschädigen, die dadurch schneller faulen. Das passiert uns beim geschützten Anbau nicht», erläutert Schumacher. Bei einer Trockenheit wie im Sommer 2018 könnten die Pflanzen außerdem effizienter bewässert werden, da das Wasser nicht einfach verdunste.

Zwischen 2011 und 2018 hat sich die Fläche im geschützten Anbau beinahe verfünffacht. Mehr als zwölf Prozent der Anbaufläche für Erdbeeren war im vergangenen Jahr durch Gewächshäuser und Folientunnel geschützt, wie das Statistische Bundesamt erhoben hat.

«Dieser Anbau wird sich weiter ausdehnen», ist sich der Landwirt Ulrich Osterloh aus der Nähe von Vechta sicher. In Großbritannien würden Erdbeeren bereits ausschließlich in Folientunneln angebaut und auch in Holland kämen bereits 60 Prozent der Früchte aus Gewächshäusern, mit deutlich höheren Erträgen. In Deutschland liegt die Erntemenge unter Folie im Durchschnitt etwa 60 Prozent über dem Freilandanbau. 2018 wurden 15,24 Tonnen Erdbeeren pro Hektar geerntet. Im Freiland waren es nur 9,51 Tonnen.

Früher reif und geschmacklich im Vorteil

Die Früchte aus dem Tunnel sind deutlich früher reif als die klassischen Freiland-Erdbeeren. Kunden können so mitunter schon Mitte April einheimische Früchte essen - zu einem Zeitpunkt, an dem bislang Ware aus Südeuropa und Nordafrika den Markt beherrscht. «Je früher wir dran sind, desto besser. So können wir den spanischen Erdbeeren etwas entgegensetzen», sagt Osterloh. Verbraucher seien bereit, für heimische Produkte etwas mehr zu zahlen. Die niedrigen Preise der Importprodukte seien wegen des höheren Mindestlohns hierzulande und der Produktionsstandards für deutsche Erzeuger nicht erreichbar.

Die Bauern sehen ihre Ware auch geschmacklich im Vorteil. Mit Blick auf Transportwege und Lagerzeit seien Import-Erdbeeren besonders auf hohe Festigkeit angelegt und würden oft noch vor der optimalen Reife gepflückt. Ihr Aroma sei daher oft etwas flach. Gewächshaus-Erdbeeren hingegen könne man aufgrund kürzerer Transportwege dann pflücken, wenn die Beere in voller Reife stehe, sagt Schumacher vom Erzeugerverband.

Auch im Buhlen um ausländische Saisonarbeitskräfte spricht einiges für Beete unter der begehbaren Schutzabdeckung. Bei der Ernte im Folientunnel seien die Helfer nicht mehr den Wetterbedingungen ausgesetzt und könnten die Erdbeeren deutlich ergonomischer pflücken, da viele der Beete auf Hüfthöhe und somit deutlich höher als auf den Freilandflächen liegen.

Flächenverlust für Tier- und Pflanzenwelt

Der geschützte Anbau der Erdbeere sei sogar deutlich ökologischer als auf Freilandflächen, meinen Befürworter. Man müsse deutlich weniger Pflanzenschutzmittel einsetzen und könne stattdessen mit Nützlingen arbeiten, die Schädlinge auf natürlichem Weg bekämpfen, sagt Bauer Osterloh. Nützlinge sind unter anderem Insekten, die Schädlinge oder deren Brut abtöten. «Auch in Anbetracht der Bienen-Problematik wird der Insektizid-Einsatz in den nächsten Jahren zurückgehen, mit den Nützlingen können wir im geschützten Anbau darauf reagieren», erklärte der Landwirt.

Naturschützer betrachten die Folientunnel hingegen kritisch. «Die Fläche unter den Tunneln geht für die Tier- und Pflanzenwelt als Lebensraum verloren», sagt Bernd Petri vom Naturschutzbund (Nabu) in Hessen. Er sehe den Kunden in der Pflicht, eine weitere Ausdehnung des Anbaus unter Folien zu verhindern. Sie müssten sich bewusst machen, dass Erdbeeren vom freien Feld nur im Hochsommer in Deutschland geerntet werden können und ihr Kaufverhalten entsprechend anpassen.

Ansprüche von Kunden, bereits im Frühling deutsche Erdbeeren kaufen zu können, trieben die Nutzung von Folientunneln voran. Zur Not müsse die Politik eingreifen und den Anbau unter Folie oder Glas begrenzen, forderte Petri. Es sei dringend nötig, über einen Ausgleich für die verlorenen Flächen für Flora und Fauna nachzudenken.

Veröffentlicht am:
21. 05. 2019
13:04 Uhr

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dpa

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21. 05. 2019
13:04 Uhr



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