Lade Login-Box.
Sommerausklang in Südthüringen zum Digital-Abo
Topthemen: Freies Wort hilftCoronavirus in ThüringenFolgen Sie uns auf Instagram

 

Teure Kristalle sind nicht gesünder als Kochsalz

Es schimmert in zartem Rosa oder glitzert tiefschwarz: Spezielles Salz aus anderen Teilen der Erde erobert nach und nach die Supermärkte. Geschmacklich unterscheiden sich die Salze. Aber ist eins auch gesünder als das andere?



Spezielle Salze
Spezielle Salze wie Fluer de Sel oder Himalaya-Salz können Gerichten durchaus eine interessante Note geben. Sie sind aber nicht gesünder als normales Kochsalz.   Foto: Ina Peters/Westend61 » zu den Bildern

Französisches Fleur de Sel, rosafarbenes Himalaya-Salz oder Hawaii-Salz in Rot, Grün oder Schwarz. Wer bisher dachte, Salz sei Salz, könnte angesichts der Vielfalt im Gewürzregal auf die Idee kommen, etwas Wesentliches verpasst zu haben.

Profiköche schwören tatsächlich auf teure Kristalle aus anderen Ländern. Verspricht ein Produkt allerdings besonders wertvoll für die Gesundheit zu sein, ist Skepsis angebracht.

Christian Villa zufolge ist Salz geschmacklich nicht gleich Salz: «Den Unterschied kann man tatsächlich schmecken». Der Koch aus dem «Sorat Hotel Central» im fränkischen Hof hat sich auf Gewürze spezialisiert. Entscheidend für das besondere Geschmackserlebnis sei die Kristallgröße, sagt er.

Salz wird beim Essen über die Geschmacksknospen der Zunge wahrgenommen. Fleur de Sel etwa ist grobkörniger als das herkömmliche Kochsalz. «Man kann spüren, wie das Fleur de Sel auf der Zunge zerfließt», so Villa. Das feinkörnige Kochsalz dagegen gehe beim Schmecken oft eher unter. Auch vom Aussehen her machen die Salzsorten einiges her. «Beim Anrichten auf dem Teller sorgt rosafarbenes Himalaya-Salz oder Hawaii-Salz für schöne farbliche Kontraste», erklärt Villa.

Wer allerdings glaubt, mit teurem Salz vom anderen Ende des Globus auch seinem Körper etwas Gutes zu tun, der liegt falsch. «Die teuren Salzsorten sind nicht gesünder als herkömmliches Kochsalz», sagt der Münchner Facharzt für Innere Medizin und Ernährungsmedizin, Prof. Johannes Georg Wechsler.

Generell gilt: Jedes Salz, egal welches, besteht zu mindestens 97 Prozent aus Natriumchlorid. Sowohl Natrium als auch Chlorid sind für den Körper wichtige Mineralstoffe. «Wenn der Mensch nicht genügend Salz aufnimmt, dann würde dies unweigerlich zu seinem Tod führen», sagt Wechsler. Die Deutschen haben allerdings ein ganz anderes Problem: Sie nehmen zu viel Salz zu sich.

Eigentlich würde eine tägliche Zufuhr von 1,4 Gramm Kochsalz reichen, damit der Körper versorgt ist. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt eine Salzaufnahme von maximal sechs Gramm pro Tag. Untersuchungen zeigen, dass die Menschen mehr zu sich nehmen, sagt die Bonner Diplom-Oecotrophologin Julia Icking. Diese erhöhte Salzzufuhr kann der Gesundheit schaden. So steigt das Risiko für Bluthochdruck an und für mögliche Folgeerkrankungen wie Gefäßschädigungen, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Der Salzstreuer in der Küche oder auf dem Esstisch kann aber auch etwas Gutes haben. Nämlich dann, wenn das Salz mit Fluorid und Jod angereichert ist. Jod ist ein lebensnotwendiges Spurenelement, das wichtig für eine normale Schilddrüsenfunktion ist. «Ein Erwachsener braucht im Schnitt 150 Mikrogramm Jod täglich», so Wechsler. Jod kommt unter anderem in Seefisch und Milchprodukten vor.

Wichtig zu wissen: Spezialsalze aus fernen Ländern enthalten in aller Regel kein Jod. In der Werbung werden sie oft mit Wörtern wie «einzigartig» oder «gesund» angepriesen. Wechsler rät zur Skepsis: «Dafür gibt es aber keinerlei wissenschaftliche Belege.»

Welches Salz Verwendung findet, ist also in erster Linie Geschmackssache, sagt auch Icking: Salz ist und bleibt Salz - «ganz egal, ob es pfirsichfarben schimmert oder in einem deutschen Salzbergwerk abgebaut wurde.»

Veröffentlicht am:
02. 05. 2018
05:18 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Ernährungsmedizin Fluoride Jod Kristalle Körper Speisesalz Supermärkte
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Silke Restemeyer

02.09.2020

Warum ist Vollkorn besser?

Brotliebhaber haben heutzutage die Qual der Wahl: Während das Weißbrot einen schlechten Ruf hat, gilt Vollkornbrot als gesund. Doch nicht jedes ist gleichermaßen bekömmlich. » mehr

Krebsessen

05.08.2020

Wie knackt man Krebse richtig?

Dieses leise «knacks-knacks» der Schwanzglieder kann schon euphorisch machen. Doch um ein Krebsessen zu genießen, braucht es Kraft - oder eine Nussknackerzange. Und zu hungrig sollte man nicht sein. » mehr

Ingwer Wurzel

18.03.2020

Ingwer schmeckt - ist aber kein Allheilmittel

Ob nun bei Diabetes, bei Arthrose oder als Blutverdünner - Ingwer soll bei vielen gesundheitlichen Fragen wie ein Wundermittel helfen. Längst nicht alle Heilsversprechen sind aber wirklich bewiesen. » mehr

Margret Morlo

15.04.2020

Sauerkraut am besten selber machen

Sauerkraut ist richtig gesund. Das Gemüse punktet in vielerlei Hinsicht - und nicht nur, weil es bei Übergewicht die Kilos zum Purzeln bringen kann. » mehr

Alkoholisches Getränk

01.01.2019

Was bringt der Alkoholverzicht zum Jahreswechsel?

Einen Monat keinen Alkohol. Nach durchzechter Weihnachtszeit und rauschendem Silvesterfest hört man diesen Vorsatz zum Jahreswechsel oft. Aber hat der kurzfristige Verzicht überhaupt positive Effekte? » mehr

Anbraten von Fleisch

22.01.2020

Wie ungesund sind Fleisch und Wurst?

Die einen essen es gar nicht, für die anderen ist es unverzichtbar: Geht es um Fleisch und Wurst, kennen viele Menschen nur Extreme. Besser wäre aber oft ein Mittelweg. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
02. 05. 2018
05:18 Uhr



^