Topthemen: Der NSU-ProzessMobilität und EnergieGebietsreformFußball-Tabellen

 

Die bulgarische Küche mag's rustikal

Zum Salat ein Schnaps, und es kann nicht mehr viel schiefgehen: Die Bulgaren schätzen ihren Aperitif Rakia. Er passt zur bodenständigen Küche mit viel Paprika, Schafskäse, Hack und Huhn. Und ist vielleicht auch der Grund, warum ein Essen mehrere Stunden dauern kann.



Palneni Tschuschki
«Palneni Tschuschki»: Hierfür werden Paprikaschoten mit Reis, Hack, Zwiebeln, Karotten und Gewürzen gefüllt.   Foto: Ministry of Tourism of the Republic of Bulgaria/dpa-tmn » zu den Bildern

Die Feinschmecker-Flausen treibt Maria Duness-Rose dem Gast gleich zu Beginn aus. «Bulgarien ist kein Gourmetland», stellt die Restaurantbesitzerin klar. «Unsere Küche ist rustikal.» Und ehrlich.

Gekocht wird mit dem, was der Boden und die Viehwirtschaft hergeben: Paprika, Gurken, Tomaten, Schafskäse, Fleisch von Schwein und Huhn. Den Rest muss der Rakia richten. Den Schnaps, den die Bulgaren traditionell schon zur Vorspeise trinken. Er wird aus Trauben, Pflaumen oder Aprikosen gebrannt. «Wir nehmen aber immer nur einen kleinen Schluck», versichert Duness-Rose, die ihr Lokal «Pri Maria» in Berlin-Friedrichshain betreibt.

Bulgarien ist in diesem Jahr Partnerland der Internationalen Grünen Woche in Berlin (19. bis 28. Januar). Besucher werden dort auch einen Einblick in die bulgarischen Essgewohnheiten bekommen. Traditionell kommt als Vorspeise der «Schopska-Salat» auf den Tisch, benannt nach der Region Schopen. Wobei es die Bulgaren mit der Reihenfolge der Speisen laut Duness-Rose nicht so genau nehmen: «Es kommt einfach alles auf den Tisch.» So kann ein Essen gut und gerne mal ein paar Stunden dauern. Im Schopska-Salat werden klein geschnittene Tomaten, Gurken, Paprika und Zwiebeln mit Essig und Öl gemischt, darüber kommt fein geriebener Schafskäse.

Auf ihre Milchprodukte sind die Bulgaren besonders stolz: So heißt das Bakterium, das aus Milch Joghurt entstehen lässt, «Lactobacillus bulgaricus». Es soll nur in dieser Region vorkommen und sorgt für einen angenehm milden Geschmack, teilt das bulgarische Ministerium für Tourismus mit. Joghurt ist auch eine wichtige Zutat in der Gurkensuppe «Tarator», die kalt als Vorspeise gegessen wird. Gewürzt und verfeinert wird die Joghurtsuppe mit Knoblauch, Walnüssen, Gurken und Dill.

Maria Duness-Rose serviert ihren Gästen derweil weitere kleine Vorspeisen: Dazu gehört «Snejanka» (übersetzt «Schneewittchen»), eine Tsatsiki-ähnliche weiße Creme unter anderem aus Joghurt, Knoblauch, Gurken und Petersilie. Hinzu kommen gegrillte Zucchini und Paprika, der vorher die Haut abgezogen wurde. «Für den feineren Geschmack.» Nicht fehlen darf auch «Kjopolu», eine Paste aus Auberginen, Paprika und Knoblauch. Dazu gibt es Brot, bestreut mit einer Kräutermischung aus Bockshornklee, Bohnenkraut, Paprikapulver, Oregano und Salz.

Bei den typischen Hauptgerichten Bulgariens kommen sowohl Fleischliebhaber als auch -verächter auf ihre Kosten. «Palneni Tschuschki» sind gefüllte Paprikaschoten mit Reis, Hack, Zwiebeln, Karotten und Gewürzen. «Kawarma» ist ein Schmorgericht, bei dem angebratenes Hühnchen mit Gemüse, Tomatensoße, Zwiebeln und Pfeffer zusammen in einen Tontopf kommen: «Das Braten und Schmoren sorgt dafür, dass das Fleisch sehr saftig und aromatisch ist», erklärt Georgi Georgiev vom bulgarischen Landwirtschaftsministerium.

Ohne Fleisch, aber mit viel Fantasie kommt «Misch Masch» aus: Hierfür gibt Maria Duness-Rose Paprika, Zwiebeln, Tomaten, Knoblauch, bulgarischen Schafskäse und Ei in einen Tontopf und gart das Ganze. Ein klassisches Resteessen also. Auch für «Sirene po schopski» kommt das Essen aus dem Tontopf: Schafskäse wird mit gebratenen Zwiebeln und frischen Tomaten geschichtet und mit einem Spiegelei getoppt.

Auch Fisch gibt es in bulgarischen Restaurants: «Skumrija» sind gegrillte Makrelen. «Manchmal werden auch auf Ziegelsteinen gegrillte Forellen serviert, gefüllt mit Gemüse, Zitronen und Walnüssen», sagt Georgiev. Zu feierlichen Anlässen kommt auch gefüllter Karpfen auf den Tisch.

Wer zum Abschluss etwas Süßes braucht, fühlt sich mit Blick auf die Speisekarte an die österreichisch-ungarische Küche erinnert. So kennen die Bulgaren ebenfalls «Palacinka», süß gefüllte Pfannkuchen. Oder Strudel aus Blätterteig, «Tikvenik»: In diesem Fall ist der Teig mit geriebenem Kürbis, Walnüssen, Zucker, Zimt und Zitronenschale gefüllt. Mit Puderzucker bestäubt isst man den süßen Strudel als Nachtisch oder schon zum Frühstück.

Wer jetzt gerne zu einem Digestif greifen möchte, liebäugelt vermutlich wieder mit dem Rakia. Eigentlich wird der Schnaps aber nicht als Absacker, sondern als Aperitif getrunken.

Neben dem Hochprozentigen liegt den Bulgaren noch eine weitere Sorte Alkohol am Herzen: der Wein. «Er wird international unterschätzt», glaubt Maria Duness-Rose. Dabei gehört Wein fest zur Geschichte des Landes: Für die Völkergruppe der Thraker aus der Antike war der Wein ein wichtiger Teil religiöser Riten. Heute wird Bulgarien in verschiedene Weinanbauregionen eingeteilt. Im Norden werden vor allem Cabernet Sauvignon und Pinot Noir angebaut, im Süden eher Merlot und Rubin kultiviert, und am Südhang des Balkangebirges wachsen Trauben für Weißweine.

Veröffentlicht am:
17. 01. 2018
04:52 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Essen Gurken Joghurt Knoblauch Paprika Personen aus Bulgarien Schafskäse Schneewittchen Spirituosen Tomaten
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Mini-Ananas

06.02.2018

Obst- und Gemüsesorten im Miniformat

Was ist los in deutschen Supermärkten? Gurken, Tomaten oder Paprika werden kleiner. Viele Kunden mögen Gemüse und Obst im Babyformat, müssen dafür aber draufzahlen. » mehr

Rezepte aus San Sebastián, Bilbao und Umgebung

08.11.2017

Wenig kann viel sein: Das Erfolgsrezept der baskischen Küche

Traditionelle Küche trifft auf Innovation: Das zeichnet die baskische Küche aus. Oft konzentrieren sich Köche auf wenige Zutaten: beste Tomaten, Öl und Meersalz zum Beispiel. Wer mehr Auswahl will, bestellt «Pintxos», kl... » mehr

Sesamblätter

12.09.2018

Korean Barbecue bringt alle an einen Tisch

Brutzeln, Dippen, Einwickeln: Koreanisches Barbecue funktioniert nach diesem Dreiklang. Das Schöne daran: Was auf den Grill kommt und welche Beilagen er wählt, entscheidet jeder Gast nach eigenem Gusto. » mehr

Coqa Mallorquina

17.08.2018

Essen für Kinder selbst gemacht

Chicken Nuggets, Pommes, Nudeln: Das sind typische Kindergerichte, die die meisten Mädchen und Jungen lieben. Viele dieser Dinge gibt es fix und fertig zu kaufen. Eltern können sie aber mit wenig Aufwand und viel gesünde... » mehr

Beerentorte

12.07.2018

So schmecken Beeren am besten

Endlich wieder Beerenzeit: Die kleinen Früchte schmecken nicht nur gut, sie stecken auch voller wichtiger Nährstoffe und lassen sich vielseitig einsetzen - ob im klassischen Sommerkuchen oder im selbst gemachten Eis. » mehr

In der Küche

05.09.2018

Wie wir gesund essen

Wie oft sollte man essen, um den Körper gut zu versorgen, und wie wichtig ist es, häufig zu kauen? Vom richtigen Verhalten beim Essen hängen nicht nur Nährstoffaufnahme und Sättigungsgefühl ab - auch der Aufbau von Fettr... » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
17. 01. 2018
04:52 Uhr



^
Ändern Einverstanden

Diese Webseite nutzt Cookies für Funktions-, Statistik- und Werbezwecke. In unserer » Datenschutzerklärung können Sie die Cookie-Einstellungen ändern. Wenn Sie der Verwendung von Cookies zustimmen, klicken Sie bitte "Einverstanden".