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Prosecco-Drink Hugo und Co. haben einen Nebenbuhler

Die Deutschen sind Weltmeister im Sekttrinken. Dabei wird die Auswahl immer größer, von Hugo bis zum alkoholfreien Mango-Secco. Nun gibt es einen weiteren Player im Markt.



Sekt
Sekt ist der Klassiker für Festtage. Doch Ableger wie Fruchtseccos passen zu jedem Anlass.   Foto: Peter Endig/dpa-Zentralbild

Einst waren Champagner und Sekt die Könige unter den alkoholischen Getränken, heute kann jeder in der Küchenecke seinen eigenen Perlwein aufblubbern.

Der Wassersprudelhersteller Sodastream hat gerade ein Konzentrat auf den Markt gebracht, das Riesling-Geschmack und Alkohol in die Wasserflasche bringt. Was für die einen die Rettung einer spontanen Party sein könnte, stellt anderen die Nackenhaare auf.

«Mit Sekt hat das schon deswegen nichts zu tun, weil in Sekt Wein enthalten sein muss», sagt Alexander Tacer, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Sektkellereien und des Bundesverbandes Wein und Spirituosen International. Außerdem kämen die Perlen im Sekt durch die zweite alkoholische Gärung und nicht auf Knopfdruck. «Das lässt sich so nicht kopieren.» Ein Sprecher des Deutschen Weininstituts mit Sitz in Bodenheim erklärt, dass allerdings Perlwein eigentlich nur Wein mit zugesetzter Kohlensäure sei. Trotzdem könne man nun nicht einfach jeden beliebigen Weißwein aufsprudeln - das schäume wie verrückt.

Der Do-It-Yourself-Blubber passt allerdings zu einem Trend, den auch die Sekthersteller verzeichnen: Schaumwein wird nicht mehr nur zu wichtigen Festen wie Taufen und Hochzeiten geöffnet, sondern auch immer wieder einfach so unter der Woche. «Die Konsumenten sind viel spontaner geworden», sagt Tacer. Ähnliches hat Christof Queisser bemerkt, Vorsitzender der Geschäftsführung des größten deutschen Sektherstellers Rotkäppchen-Mumm mit Sitz in Freyburg (Burgenlandkreis). «Man gönnt sich was», beschreibt er die Einstellung der Verbraucher.

Dabei griffen die Menschen bei unterschiedlichen Gelegenheiten durchaus zu verschiedenen kohlesäurehaltigen alkoholischen Getränken, meint Queisser. Fruchtseccos mit Eis würden zum Beispiel bei einer spontanen Grillparty getrunken, während eine Flasche Sekt eher zu einem runden Geburtstag geöffnet werde. «Der Verbraucher entscheidet bewusst, welches Produkt zu welchem Anlass gereicht wird.» Zur Produktpalette gehört demnach auch immer stärker der alkoholfreie Sekt und seine Spielarten. 

So gibt es nun zum Beispiel neben Mumm Dry Alkoholfrei als Premiumprodukt einen alkoholfreien Granatapfel und Mango Fruchtsecco von Rotkäppchen. Insgesamt stellt das Unternehmen derzeit mehr als 16 Millionen statt der zunächst geplanten 4 Millionen Flaschen Fruchtseccos her, darunter Himbeere und Birne. Auch die Henkell-Gruppe mit Sitz in Wiesbaden hat viele fruchtige Schaumwein-Ableger auf dem Markt, von Söhnlein Hugo über Mionetto il Spriz bis Fürst von Metternich Chardonnay Frozen Mandarin.

Die Vielfalt der Getränkegattung nehme weiter zu, sagt Andreas Brokemper, Sprecher der Geschäftsführung der Henkell & Co.-Gruppe. Das liege auch daran, dass der riesige heimische Markt - die Deutschen sind Weltmeister im Sekttrinken - viele internationale Anbieter anziehe. Dabei gebe es eine hohe Fluktuation von Sorten und Geschmacksrichtungen, meint er. «Es wird viel probiert, aber nicht alles wiedergekauft.» Angefangen habe der Trend mit dem italienischen Prosecco-Cocktail Spritz, ehe der Hugo kam, der bis heute die beliebteste Variante sei. «Seitdem wurde viel gemixt und probiert.»

All die Spielarten sorgen indes nicht für einen sich vergrößernden Markt. Der Absatz von Schaumweinen - also inklusive Sekt, Champagner, Crémant, Prosecco, Cava - ging über mehrere Jahre zurück. Zuletzt stagnierte er bei rund 300 Millionen Liter, aber Rotkäppchen-Mumm-Chef Quaisser geht für 2017 wieder von einem Rückgang aus, nicht nur für sein Unternehmen, sondern auch den Gesamtmarkt.

Dass in diesem Markt nun ein Selbstaufsprudel-Produkt mitmischt, findet der Trendbeobachter Mathias Haas aus Stuttgart nur folgerichtig. «Die Menschen fällen ihre Weihnachtsbäume selber, die Menschen brauen Bier selber, das ist der Zeitgeist.» All das werde groß zelebriert. «Das ist unheimlich wertvoll für die Selbstinszenierung.»

Der Markt, auch der Sektmarkt, brauche immer wieder Neues, meint Haas. Die große Ausnahme bilden die Champagner-Produzenten, die bei der Suche nach immer verrückteren Ideen außen vor bleiben. «Wir dürfen dem Trend nicht folgen, denn die Vorschriften der Ursprungsbezeichnung schreiben vor, dass Champagner nicht gemischt werden darf», erklärt der Sprecher Bureau de Champagne in Deutschland, Christian Josephi. Alle Produkte in der Flasche müssen aus der franzöischen Region kommen. Das heißt laut Josephi auch: Keine Diamanten und kein Gold in der Flasche. Gegen solche Ideen gingen die Produzenten sogar gerichtlich vor.

Veröffentlicht am:
29. 12. 2017
10:52 Uhr

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Champagner Deutsches Weininstitut Sekt Weltmeister Wirtschaftlicher Markt
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dpa

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29. 12. 2017
10:52 Uhr



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