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Für Haut und Schleimhaut: Honig als Heilmittel

Eingerührt im Tee oder pur auf dem Löffel: Honig schmeckt nicht nur gut, er ist auch gesund. Zwar enthält er ähnlich viele Kalorien wie Zucker, dafür aber eine Reihe wichtiger Nährstoffe. Außerdem lindert er Husten besser als mancher Hustenstiller.



Honig
Feiner Süßmacher: Honig enthält hauptsächlich Zucker, ist aber ein klein wenig kalorienarmer als Industriezucker.   Foto: Franziska Gabbert/dpa » zu den Bildern

80 Prozent Zucker, knapp 20 Prozent Wasser: Die Zutatenliste von Honig hört sich nicht nach gesunder Kost an. Und doch kann der Nektar bei bestimmten Erkrankungen helfen, sogar besser als manch ein Medikament.

Jeder Deutsche isst dem Statistischen Bundesamt zufolge im Schnitt zwischen 30 und 35 Kilogramm weißen Zucker pro Jahr - aber nur 1 Kilogramm Honig. Helmut Horn findet das sehr bedauerlich. «Honig ist der bessere Zucker», sagt der Leiter des Honiglabors an der Universität Hohenheim in Stuttgart. Denn dem Körper fällt es leichter, den Honig-Zucker in Energie umzuwandeln.

Außerdem enthält Honig auch andere Stoffe, die wichtig sind für den Organismus: In dunklen Honigsorten wie Waldhonig stecken vermehrt Spurenelemente wie Eisen, Jod oder Mangan, von denen der Mensch eher zu wenig aufnimmt. «30 bis 50 Gramm Honig pro Tag können den Bedarf schon zu einem beträchtlichen Teil decken», sagt Horn.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung ist zurückhaltender: «Ja, Honig enthält geringe Mengen Aminosäuren, Vitamine und Mineralstoffe», sagt Silke Restemeyer von der DGE. «Allerdings ist der Gehalt so gering, dass er für die Bedarfsdeckung unwichtig ist.»

Früher kam Tee mit Honig vor allem dann zum Einsatz, wenn jemand Husten hatte. Man stellte sich vor, dass sich der Honig wie ein Schutzfilm über die Schleimhäute legt. Und damit lagen die Menschen gar nicht so falsch, wie neuere Studien zeigen.

Der Kinderarzt Ian M. Paul aus Pennsylvania bat beispielsweise im Jahr 2007 insgesamt 100 Eltern, ihren Kindern vor dem Schlafengehen entweder Honig oder einen chemisch hergestellten Hustenstiller mit Honiggeschmack zu geben. Die mit Honig behandelten Kinder schliefen am besten.

Prof. Stefanie Joos kennt diese und andere Studien gut. Die Ärztliche Direktorin des Instituts für Allgemeinmedizin an der Uniklinik Tübingen hat sich deshalb angewöhnt, Eltern erstmal Honig zu empfehlen, wenn ein Kind einen Infekt mit Husten hat. «Die einzige Ausnahme sind Säuglinge unter einem Jahr.» Zum Schutz vor der Lebensmittelvergiftung Botulismus sollen Babys noch keinen Honig essen.

Aber was steckt im Honig, das den Husten stillt? «Bestimmte Stoffe im Honig sind offenbar in der Lage, Bakterien, Pilze und Viren abzutöten», sagt Joos. Dafür verantwortlich ist ein Enzym, das die Bienen dem Honig hinzufügen, ergänzt Prof. Karl Speer, Lebensmittelchemiker an der TU Dresden: die sogenannte Gluccoseoxidase. Das Enzym sorgt dafür, dass aus dem im Honig enthaltenen Zucker permanent Wassersstoffperoxid entsteht. Das wiederum hemmt die Entwicklung von Keimen.

Nicht jeder Honig enthält aber, was er enthalten soll. «Entscheidend sind die richtige Lagerung und dass der Honig nicht zu lange unterwegs war», sagt Helmut Horn aus dem Honiglabor. Wer sichergehen will, dass der gekaufte Honig noch ausreichend Nährstoffe enthält, kann auf zwei Kennzeichen achten: die Europäische Honigverordnung und das Siegel des Deutschen Imkerbunds.

Gegen Husten rührt man Horn zufolge Honig am besten in heißes Wasser oder Tee - bei Trinktemperatur. «In kochendem Wasser werden die wachstumshemmenden Eigenschaften des Honigs abgebaut», sagt Horn.

Für eine Anwendung wird ganz spezieller Honig verwendet: auf der Haut. Joos zufolge wenden Ärzte Honig auf der Haut vor allem bei Verbrennungswunden an. «Normalerweise werden diese Wunden mit Silbersulfadiazin behandelt», sagt sie. In Studien schnitt medizinischer Honig aber genauso gut ab.

Wer Honig als Medizin verwenden will, kann auch auf eine ganz besonders wirksame Sorte zurückgreifen: Manuka-Honig aus Neuseeland. Dieser Honig wirkt nicht nur über das Wasserstoffperoxid antibakteriell. Er enthält auch eine Verbindung namens Methylglyoxal (MGO) in hohen Konzentrationen, erklärt Speer. Der Lebensmittelchemiker und seine Kollegen konnten im Labor nachweisen, dass Methylglyoxal beispielsweise den Darmkeim Escherichia coli abtöten kann.

Veröffentlicht am:
24. 05. 2017
04:30 Uhr

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dpa

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24. 05. 2017
04:30 Uhr



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