Zum Tod von Peter Apfelstädt Ein Leben lang sportverrückt

Peter Apfelstädt und ein kleiner Teil seiner Sportabzeichen-Sammlung. Das Foto entstand am 11. März. Foto: Karl-Heinz Frank

Peter Apfelstädts Leidenschaft für den Sport war unübersehbar. Tausende Souvenirs nannte das Schalke-Mitglied aus Zella-Mehlis sein Eigen. Nun ist der „Sportverrückte“ mit 67 Jahren gestorben.

Zella-Mehlis - Sechs Wochen ist es her, da öffnete Peter Apfelstädt für „Freies Wort“ seine Schatzkammer. In seinem Wohnzimmer breitete er einen kleinen Teil seiner Reichtümer aus. Eine Auswahl aus 835 Abzeichen, 1020 Autogrammkarten und Autogrammsammelbildern, 158 Büchern über den FC Schalke 04, mehr als 2000 Fußball-Wimpeln aus 97 Ländern – die Sammlung eines ganzen Menschenlebens, welches ohne Sport einfach nicht denkbar war.

„Ich bin schon mein Leben lang sportverrückt“, sagt Peter Apfelstädt damals, als er uns in seiner Wohnung in Zella-Mehlis mit auf Zeitreise nimmt. In die Geschichte jenes königsblauen Fußballklubs, an den er in den Jugendtagen in Eisfeld sein Herz für immer verloren hat.

Aber Peter Apfelstädt hat an diesem Donnerstagnachmittag im März noch viel mehr zu zeigen als die unzähligen Schalke-Fan-Utensilien. Er blättert etwa durch ein vollständig erhaltenes Sammelalbum aus dem Jahr 1932, in das Wappen von allen Mannschaften der Gauliga, der damals höchsten Spielklasse des Deutschen Reichs, eingeklebt sind. Mit dabei etliche Teams aus Südthüringen, die in jenen Jahren ganz oben mitmischten und – zumindest theoretisch – deutscher Fußball-Meister hätten werden können.

Apfelstädt war seit jungen Jahren selbst Fußballer, fing 1965 in der Schülermannschaft von Motor Eisfeld an, wechselte 1969 zu Traktor Sachsenbrunn und spielte als Mittelläufer – wie man damals noch den Sechser nannte – mit den Junioren auf Bezirksebene. „Damals war das sogar eine Klasse höher als die Männer“, fügt er stolz hinzu.

Die Hauptrolle in Sachen Fußball spielt aber ein Leben lang vor allem ein Verein: der FC Schalke 04. Im März 1973 kommt er seinen königsblauen Helden, die in Prag um den Einzug ins Halbfinale des Pokals der Pokalsieger spielen, näher, als er es wohl jemals für möglich gehalten hätte. Der Fan aus der DDR hat Mut und nutzt die Gunst der Stunde zwei Tage vor Anpfiff. Er geht am Stadion einfach auf den Mannschaftsbus zu und erzählt seine Geschichte. Schalkes Antwort? Apfelstädt darf mit ins Mannschaftshotel; ja, er darf die Spieler sogar aufs Zimmer begleiten.

Nach der Wende, am 6. Juli 1996, kommt Schalke 04 mit seinen aktuellen Stars aus der Fußball-Bundesliga zu ihm nach Südthüringen; nach Veilsdorf, wo man 75 Jahre Fußball im Ort feiert. Alle zwei Wochen saß man vorab zusammen, um das Spiel zwischen dem SV EK Veilsdorf und S04 zu organisieren, erinnert sich Apfelstädt. Dann rief plötzlich Schalke-Manager Rudi Assauer an und bat um eine Verlegung des Freundschaftsspiels – genau in die Zeit, als Apfelstädt gerade Urlaub in der Türkei machen wollte. „Umbuchen ging wegen des Fluges nicht mehr. Also bin ich zähneknirschend in den Urlaub gegangen“, sagt er.

Gut 4000 Zuschauer sehen damals Schalkes Erste. Doch die erzielten Einnahmen reichten nicht ganz, erzählt Peter Apfelstädt und fängt an zu schmunzeln: Als man Rudi Assauer von den finanziellen Nöten der Veilsdorfer Fußballer berichtete, drückte der Schalke-Manager ein Auge zu. Assauer verzichtete auf die vereinbarte Garantiesumme.

Wieder so ein Schalke-Moment in Peter Apfelstädts Leben, der einen tiefen Eindruck hinterlassen hat. Vielleicht auch wegen der Episode in Veilsdorf beschließt er ein halbes Jahr später, erneut Nägel mit Köpfen zu machen: Am 17. Januar 1997 – vier Monate vor dem Uefa-Cup-Triumph gegen Inter Mailand – ist er Mitgründer des Suhler Schalke-Fanclubs „Thüringen-Power“ und erfindet später einen Satz mit, der 2018 bei einem Empfang des Schalke-Vorstands auch die S04-Bosse verzückt: „Ich bleib Schalker bis ins Alter.“

Am 13. April ist Peter Apfelstädt nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben. Er wurde 67 Jahre alt. Sein Andenken wird auch in Gelsenkirchen sichtbar bleiben. Peter Apfelstädt ist gemeinsam mit seinem Sohn verewigt an der Tausend-Freunde-Mauer vor der Schalker Arena.

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