Wenn gescheite und gewitzte Wossis ihre Küchengespräche aufschreiben über den Osten, so wie sie ihn wahrnehmen, dann muss man die natürlich lesen, wenn einem am Wissen über die deutsch-deutsche Seelenlage gelegen ist. Wie Sie diesem Artikel meiner Kollegin entnehmen können, verspricht das brandneue Werk des Ossi-Provozierers Ilko-Sascha Kowalczuk und des Ossi-Verstehers Bodo Ramelow bestimmt Denkanstöße. Ich muss aber zugeben, dass sich in meine Neugier auf das Buch und die nun ganz sicher anrollende Debatte dazu eine gewisse Portion Überdruss mischt. Nun werden wieder die, die den SED-Sozialismus – oder wenigstens dessen autoritäre Staatsform – immer noch für eine gute Idee halten, ihre als West-Hass getarnte Abscheu gegen die Demokratie aufmunitionieren. Und die, denen die Ostdeutschen immer schon egal waren, werden wieder mit den Augen rollen und sich den besser gelaunten westlichen Nachbarn zuwenden. Dafür können Kowalczuk und Ramelow natürlich nichts, aber auch sie sind dieser Wirkung ausgeliefert. Vielleicht machen Sie es wie ich: Lesen Sie das Buch, nehmen Sie ein paar Gedanken auf, reden Sie mit anderen darüber – und wenden Sie sich dann wieder den 99 Prozent des Lebens zu, bei dem die Frage „Ost oder West“ unbedeutend ist. markus.ermert@insuedthueringen.de