Am 28. August feiert Johann Wolfgang von Goethe seinen 277. Geburtstag. Im Mai vor 250 Jahren kam erstmals nach Ilmenau, das seine Lieblingsstadt wurde. Seine Sprache ist heute fast vergessen.
Vor 250 Jahren kam Goethe nach Ilmenau. Zum 277. Geburtstag am Freitag haben wir den Dichterfürsten einen aktuellen Bericht zur Thüringer Erntebilanz schreiben lassen. Das Ergebnis klingt verblüffend echt.
Am 28. August feiert Johann Wolfgang von Goethe seinen 277. Geburtstag. Im Mai vor 250 Jahren kam erstmals nach Ilmenau, das seine Lieblingsstadt wurde. Seine Sprache ist heute fast vergessen.
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In den Landschaften Thüringens hat sich in diesem Jahre ein Ernteergebnis eingestellt, welches zwar hinter dem reichen Maße des vorangegangenen Jahres merklich zurückbleibt, gleichwohl aber von jener misslichen Beschaffenheit fern ist, die den Namen einer eigentlichen Missernte verdiente.
Zu diesem Befunde gelangte die Ministerin für Landwirtschaft, Frau Colette Boos-John, als sie gemeinsam mit den Vertretern des Thüringer Bauernstandes zu Ingersleben die diesjährigen Früchte des Feldbaues betrachtete und würdigte.
Nachdem die Natur im Frühjahr mancherlei günstige Zeichen gegeben und die Herzen der Ackerleute mit berechtigten Hoffnungen erfüllt hatte, trat im weiteren Verlaufe des Sommers eine Witterung ein, welche diesen Erwartungen nicht vollkommen entsprach. Die Sonne erwies sich eifriger als erwünscht, der Regen hingegen geiziger, als Feld und Frucht es verlangt hätten.
So kam es, dass die einzelnen Gegenden des Landes wie auch die verschiedenen Gewächse in höchst ungleicher Weise von den Gaben des Himmels bedacht wurden.
Zwar vermag Thüringen beim Getreidebau noch immer einen Ertrag vorzuweisen, der dem langjährigen Maße nicht allzu fernsteht; allein wer die außergewöhnliche Fülle des vergangenen Jahres zum Vergleich heranzieht, wird nicht umhinkönnen, eine merkliche Minderung festzustellen.
Nach den bisherigen Erhebungen dürften ungefähr 2,28 Millionen Tonnen Getreide in die Scheunen gelangen, welches gegenüber dem vorjährigen Überfluss einen beträchtlichen Rückgang bedeutet, dem Umfang nach jedoch noch immer einer gewöhnlichen Ernte nahekommt.
Indessen wäre es irrig, sämtliche Ursachen allein den Wechselfällen der Witterung zuzuschreiben. Auch die zur Bestellung vorgesehene Fläche hat sich vermindert, sodass bereits aus diesem Grunde geringere Mengen zu erwarten waren. Die Fruchtbarkeit der Äcker zeigte sich mithin nicht bloß vom Himmel abhängig, sondern ebenso von den Entscheidungen derjenigen, die sie bestellen.
Betrachtet man die einzelnen Feldfrüchte näher, so ergibt sich ein Bild von mancher Mannigfaltigkeit. Winter- und Sommergerste sowie die Triticale haben sich den Umständen gegenüber vergleichsweise standhaft erwiesen und Erträge geliefert, die das langjährige Mittel zum Teil übersteigen.
Andere Getreidearten hingegen vermochten die Erwartungen ihrer Besteller nicht vollständig einzulösen. Vor allem beim Winterweizen, dem Roggen und dem Hafer blieb der Segen der Felder hinter den gehegten Hoffnungen zurück.
Noch weniger günstig stellt sich die Lage beim Winterraps dar. Hier scheint die Natur ihre Wohltaten besonders sparsam bemessen zu haben. Obgleich die Anbaufläche eher zunahm als abnahm, fällt die Gesamternte deutlich geringer aus. Es will scheinen, als setze sich damit eine Entwicklung fort, welche die Landwirte bereits seit mehreren Jahren mit Sorge betrachten.
Auch die Kartoffel, jene bescheidene, doch unentbehrliche Frucht der Erde, hat unter der Glut des Sommers gelitten. Die gegenwärtigen Schätzungen lassen erwarten, dass ihre Erträge merklich unter denen des Vorjahres verbleiben werden. Gleiches gilt für den Körnermais, dessen Aussichten ebenfalls keine besondere Fülle verheißen.
Umso schwerer wiegt die Enttäuschung, als der Frühling Anlass zu weit günstigeren Erwartungen gegeben hatte. Besonders die Niederschläge der letzten Apriltage und des beginnenden Mai wurden vielerorts als Vorzeichen eines guten Erntejahres gedeutet. Allein die Natur liebt es nicht selten, dem Menschen Hoffnung zu gewähren, ehe sie ihn in Geduld unterweist.
Als sodann gegen Ende des Juni eine Reihe ungewöhnlich heißer Tage über das Land kam und die Temperatur wiederholt Höhen erreichte, die selbst erfahrene Landwirte aufmerken ließen, traf dies die Feldfrüchte gerade in jener empfindlichen Phase ihrer Entwicklung, in welcher wenige Tage über Gedeihen oder Minderung zu entscheiden vermögen. So wurde manche Erwartung, die noch wenige Wochen zuvor wohlbegründet schien, von den Ereignissen des Sommers wieder eingeschränkt.
Zu diesen natürlichen Erschwernissen gesellen sich die Sorgen des Wirtschaftslebens. Die Preise für Betriebsmittel, Dünger und Kraftstoffe haben ein Maß erreicht, welches viele Betriebe nur mit Mühe zu tragen vermögen. Während die Kosten steigen, zeigen die Märkte wenig Neigung, dem Landmann einen entsprechenden Ausgleich zu gewähren.
So kommt es, dass eine Ernte, die für den Außenstehenden vielleicht noch als zufriedenstellend erscheinen mag, für manchen ihrer Erzeuger Anlass zu ernstem Nachdenken bietet.
Die diesjährige Ernte lehrt daher aufs Neue jene alte Erfahrung, dass zwischen Saat und Scheune nicht allein die Arbeit des Menschen, sondern ebenso das Walten der Natur und die Zufälle der Zeit stehen. Und so haben die Gaben der Flur zwar nicht versagt, wohl aber manche Hoffnung der Ackerleute dahinfahren lassen.
(*Wie die Leser bereits ahnen, war der einzig wahre Goethe nicht bei der Pressekonferenz im Landkreis Gotha. Der Text ist ein Machwerk basierend auf einer wahren Geschichte mit wahren Fakten - aber eben in den zart-verschachtelten Blüten der Sturm-und-Drang-Epoche.)
Die Lieblingsstadt
Am 3. Mai 1776 – vor 250 Jahren – besucht Goethe zum ersten mal Ilmenau, um nach einem Brand nach dem Rechten zu sehen. “Die Gegend ist herrlich, herrlich!”, schreibt der begeisterte Goethe bereits am 4. Mai 1776 an seinen Herzog nach Weimar. 28 Mal wird er in den folgenden Jahrzehnten Ilmenau und dessen Umgebung besuchen, insgesamt 220 Tage dort verbringen. Auch seinen 82. und damit letzten Geburtstag hat er am 28. August 1831 in Ilmenau gefeiert.
Der Dichter
Johann Wolfgang Goethe, ab 1782 von Goethe (28. August 1749 in Frankfurt am Main bis 22. März 1832 in Weimar), war ein deutscher Dichter, Politiker und Naturforscher. Er gilt als einer der bedeutendsten Schöpfer deutschsprachiger Dichtung. Goethe stammte aus einer wohlhabenden und angesehenen bürgerlichen Familie; sein Großvater mütterlicherseits war als Stadtschultheiß höchster Justizbeamter der Stadt Frankfurt, sein Vater Doktor der Rechte und Kaiserlicher Rat. Der jugendliche Herzog Karl August von Sachsen-Weimar-Eisenach berief den 26-jährigen Goethe 1775 an seinen Hof in Weimar, wo er schließlich für den Rest seines Lebens blieb.