Zum 200. Todestag Jean Paul und die Schönheit der Hildburghäuser Damenwelt

Die Damenwelt des Hildburghäuser Hofs machte Eindruck auf den Dichter Jean Paul und er auf sie.

Ein Stich zeigt Jean Paul im Alter (links). Seinen „Titan“ widmet er „Den vier schönen und edeln Schwestern auf dem Thron“. Foto: Museum/Cornell Hoppe

Er war ein literarischer Star seiner Zeit: Johann Paul Friedrich Richter. Kennen Sie nicht? Aber vielleicht unter seinem Namen: Jean Paul. Der Zeitgenosse der ungleich berühmteren Weimarer Klassiker Goethe, Schiller, Wieland und Herder hat auch in Hildburghausen Spuren hinterlassen. Mehrmals rund um das Jahr 1799 weilt er in der damaligen Residenzstadt.

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Er liebte Bier, Berge, Bücher und die Frauen

Jean Paul würde man heute wohl als Genussmenschen bezeichnen – zugetan den irdischen Genüssen. Ihm wird die Liebe zu den drei B zugeschrieben: Bier, Berge und Bücher. Das Bayreuther Bier habe er sich fassweise kommen lassen. Seine Frau ärgerte sich darüber, dass er sich mehr über die Ankunft eines neuen Fasses Bier freue als über die Ankunft eines neuen Kindes, schildert der Hildburghäuser Museumsleiter Michael Römhild eine überlieferte Anekdote. Und man müsste wohl auch noch die Liebe zu den Frauen hinzunehmen. Denn auch da werden ihm zahlreiche Liebschaften, Frauengeschichten und Verwicklungen nachgesagt. Natürlich auch in Hildburghausen.

Ehrung zum 250. Geburtstag

Jean Paul ist hier vor einigen Jahren schon geehrt worden. 2013 stellte man anlässlich des 250. Geburtstages eine beschriebene Litfaßsäule auf den Markt nahe des heutigen Eiscafés Firenze – dort hatte sich früher der Gasthof „Zum Erbprinzen“ des Hofbüttners Gehring befunden, in dem der Dichter abstieg, wenn er Hildburghausen besuchte. Nicht nur das Bayreuther Bier muss ihm gemundet haben, auch das Hildburghäuser hat ihm wohl geschmeckt. Der übermäßige Genuss hatte sogar zu der Anekdote geführt, dass er eine Einladung zum Abendessen beim Herzog nicht wahrnehmen konnte, weil er auf dem Sofa des Hofbüttners seinen Rausch ausschlafen musste.

Eigentlich besteht eine besondere Verbindung zum Hof in Hildburghausen. Er ist gern gesehener Gast am Musenhof von Herzogin Charlotte von Sachsen-Hildburghausen. Sie habe ihn total verehrt, sagt Michael Römhild. Charlotte beauftragte ihre Hofdame Caroline von Feuchtersleben, den Dichter nach Hildburghausen einzuladen. Mit ihr verlobt sich Jean Paul. Und löst die Verlobung wieder – nicht zum ersten und auch nicht zum letzten Mal wird er ein Eheversprechen auf diese Weise brechen. Im Palais Feuchtersleben ist Jean Paul mehrfach empfangen worden. Damit ist das Gebäude, aus Sicht von Michael Römhild, nicht nur ein Bau- sondern auch ein Literatur-Denkmal.

Viel Süßholzraspelei für die Hildburghäuser Damenwelt

 Am Hildburghäuser Hof wird Jean Paul vom Herzog zum Legationsrat ernannt. Ein Titel, der zwar nicht mit einer Bezahlung versehen war, der ihm aber aufgrund seiner Eigenschaft einige Türen geöffnet haben dürfte. Jean Paul macht aus seiner Verehrung der Herzogin Charlotte und ihrer Schwestern keinen Hehl. Mehrere Zitate sind von ihm überliefert. Zur Herzogin Charlotte: „Sie ist so schön, dass ich immer vergesse, dass ein Fürstenhut auf ihrem Kopf sitzt“ und „Die schöne Herzogin, schön wie ein Maimorgen, mit einer Nachtigallenstimmritze.“ Die Schönheit ihrer Schwester Herzogin Friederike von Solms verleitet ihn gar zu dem Spruch, dass er mit ihr sogar in einem Kohlenbergwerk hausen würde, wenn er dort nur ihren Galan vorstellen könnte.

Und auch sein Hauptwerk, den Roman „Titan“ widmet er „Den vier schönen und edlen Schwestern auf dem Thron“ womit Charlotte und ihre Schwestern, Königin Luise von Preußen, Königin Friederike von Hannover und Fürstin Therese von Thurn und Taxis gemeint sind.

Der Bezug des Hildburghäuser Hofs zu Jean Paul wird in der Dauerausstellung im Stadtmuseum Hildburghausen behandelt und wird derzeit auch in der Sonderausstellung zur Kindheit Thereses in Hildburghausen gewürdigt. Die Ausstellungen sind zu den Öffnungszeiten des Museums von Mittwoch bis Freitag und Sonntag von 10 bis 17 Uhr zu sehen.

www.museum-hildburghausen.de