Zoff im Eisschnelllauf Athleten aus Erfurt fordern Zugeständnisse

Im Streit um die neue Athletenvereinbarung gibt es nun die Unterschrift der Kufenflitzer aus Erfurt. Diese ist aber nur gültig, wenn der Verband Forderungen erfüllt.

Sorgt wieder einmal für Aufsehen und Irritationen: DESG-Präsident Matthias Große, Lebensgefährte von Claudia Pechstein. Foto: Imago/Matthias Koch

Nach dem Wirbel um ein neues Strukturkonzept haben die davon betroffenen Erfurter Eisschnellläufer nun doch die vom Verband geforderte Athletenvereinbarung unterschrieben. Alle Kadersportler des Bundesstützpunktes Erfurt hätten dies zum Stichtag an diesem Freitag getan, wie die Deutsche Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft mitteilte. Allerdings fügten sie einen sogenannten Side Letter mit „Hinweisen, Erwartungen und Forderungen“ bei. 

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Das Verbandspräsidium erklärte, dass es die Side Letter genannte Zusatzvereinbarung zur Kenntnis genommen habe. „Den von ihnen zusätzlich übersandten Side Letter werden wir sorgfältig prüfen und uns zeitnah mit den darin formulierten Anliegen und Forderungen beschäftigen“, erklärte DESG-Präsident Matthias Große in einer Verbandsmitteilung. 

Olympia-Starter Hendrik Dombek bestätigte, dass die Erfurter Kadersportler die Athletenvereinbarung fristgerecht unterschrieben und zurückgeschickt haben. „Wir sehen uns seit Wochen einem massiven und anhaltenden Druck ausgesetzt, der eine freie und unbeeinflusste Entscheidung über die Unterzeichnung der Athletenvereinbarung faktisch ausgeschlossen hat“, erklärte der 29 Jahre alte Sprintspezialist schriftlich. 

14 von 26 Bundeskadern in Erfurt

Und weiter: „Darüber hinaus haben wir gegenüber der DESG sowie unseren Dienstherren unmissverständlich erklärt, dass wir die Athletenvereinbarung ausschließlich aufgrund der von der DESG angekündigten Konsequenzen einer Nichtunterzeichnung - insbesondere des angedrohten Kaderausschlusses - unterzeichnet haben.“

Aufschiebende Bedingung zur Athletenvereinbarung sei die Zusatzvereinbarung (Side Letter). „Darin werden wesentliche Bestimmungen der Athletenvereinbarung konkretisiert. Unter anderem wird klargestellt, dass die dem Bundesstützpunkt Erfurt zugeordneten Athletinnen und Athleten nicht einseitig durch den Verband anderen Standorten zugewiesen werden dürfen“, erklärte Dombek, der auch Präsidiumsmitglied der Vereinigung Athleten Deutschland ist.

Im Vorfeld hatte es einigen Wirbel gegeben. Das Präsidium des Thüringer Eis- und Rollsportverbandes (Terv) hatte den Kaderathletinnen und -athleten am Bundesstützpunkt Erfurt geraten, die Athletenvereinbarung in der vom DESG-Präsidium vorgelegten Fassung, die mit einem Standortwechsel nach Berlin oder Inzell verknüpft ist, nicht zu unterschreiben. 

Demnach sollen ab Juli die Kaderathleten auf die Standorte Inzell (Mehrkampf und Langstrecke) sowie Berlin (Sprint) konzentriert werden. Die Bundesstützpunkte in Erfurt und Chemnitz sollen „insbesondere im Nachwuchsbereich eine zentrale Rolle übernehmen“, erklärte Große zuletzt über eine Anwaltskanzlei. Das kommt aber einer Degradierung gleich. Immerhin stellte Erfurt mit Routinier Patrick Beckert und Jungstar Finn Sonnekalb an der Spitze das Gros der Starter bei den Olympischen Winterspielen in Mailand. Sieben der 13 Olympiateilnehmer kamen aus Erfurt. 14 von 26 Bundeskaderathletinnen und Athleten trainieren am Stützpunkt in Erfurt, also mehr als die Hälfte.

Drohbrief an Arbeitgeber

Für zusätzliche Aufregung hatte ein Schreiben der DESG-Führung an Bundeswehr, Bundespolizei und Landespolizeien als Arbeitgeber der Sportler über die Sportförderstellen gesorgt. Diese sollten dem Verband gegenüber schriftlich bestätigen, „dass Sie Ihre dem Bundeskader angehörenden Athletinnen und Athleten entsprechend anweisen, der beschriebenen neuen Trainingsstruktur zu folgen und sich an den jeweils zugewiesenen Bundesstützpunkt zu orientieren“. Zugleich wird in dem Schreiben auf einen Hauptsponsor mit Sitz in Bayern verwiesen, der „ein berechtigtes Interesse an der Stärkung des Standorts Inzell“ habe.

Politische Interessen?

Der Thüringer Landesverband reagierte darauf irritiert und fragte, „ob tatsächlich ausschließlich objektive und sportfachliche Gründe zur Strukturentscheidung des DESG-Präsidiums geführt haben“. Große hatte bereits auf der abgebrochenen Mitgliederversammlung im Mai 2025 in Berlin eher beiläufig die Konzentration auf Berlin und Inzell öffentlich gemacht: „Die CSU-Politiker wollen Bayern im Fokus sehen und die Berliner Politiker Berlin.“ 

Der Thüringer Verband hatte wegen der nicht abgestimmten Strukturreform und des Drucks auf die Erfurter Sportler das gesamte DESG-Präsidium bereits zum Rücktritt aufgefordert. Die Verbandsspitze wies dies zurück.

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