Zella-Mehlis/Andernach Lebendige Partnerschaft seit 35 Jahren

Zum Tag der Deutschen Einheit trugen sich der Zella-Mehliser Bürgermeister Torsten Widder und Altbürgermeister Karl-Uwe Panse in Andernach ins Goldene Buch ein.

Altbürgermeister Karl-Uwe Panse, Andernachs Oberbürgermeister Christian Greiner und der Zella-Mehliser Bürgermeister Torsten Widder (von links) beim Eintrag ins Goldene Buch. Foto:  

Am 3. Oktober fand im Parkhotel in Andernach ein Empfang des Oberbürgermeisters Christian Greiner mit rund 25 geladenen Gästen anlässlich des 35. Geburtstages der Städtepartnerschaft statt. Wie Stadtsprecherin Linda Münzel mitteilt, blickte der Zella-Mehliser Bürgermeister Torsten Widder bei dem Empfang auf die Anfänge der Verbindung zurück: „Es war ein Zeichen des Miteinanders, ein Signal der Freundschaft – und ein ganz praktisches Stück Wiedervereinigung. Während in Berlin noch über Verträge beraten wurde, lebten unsere beiden Städte bereits vor, was Einheit bedeutet: füreinander da zu sein, Brücken zu bauen, den Austausch zu pflegen“. Seither habe man Jubiläen gefeiert, gegenseitige Besuche organisiert und voneinander gelernt. „Ihre Stadt Andernach war und ist dabei ein wunderbarer Partner: reich an Geschichte, geprägt durch die Lage am Rhein, offen für neue Ideen“, sagte Torsten Widder. Die Verbindung sei nicht nur Tradition, sondern lebendige Gegenwart. „Für uns als Städte bedeutet das, unsere Partnerschaft weiter lebendig zu halten, den Austausch weiterzuführen und wieder zu intensivieren, neue Generationen einzubeziehen. Gerade junge Menschen sollen erfahren, dass diese Verbindung mehr ist als eine Urkunde oder ein Eintrag ins Goldene Buch. Sie sollen sie erleben – in Begegnungen, in Projekten, in Freundschaften“, sagte Torsten Widder.

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Blick zurück auf den Herbst 1989

Im Anschluss an den Empfang folgte am Abend das Festkonzert des Stadtorchesters Andernach mit dem Gastdirigenten Oberstleutnant Tobias Wunderle in der Mittelrheinhalle.

In seiner Festrede, die Bürgermeister Torsten Widder anlässlich des 35. Jahrestag der deutschen Einheit und des 35-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft mit Andernach hielt, erinnerte er daran, dass die Wiedervereinigung auch 35 Jahre nach Überwindung der deutschen Teilung kein abgeschlossener Akt bleibt, sondern „ein Prozess, der jedes Jahr aufs Neue auf den Prüfstand gestellt, kritisch bewertet und hinterfragt wird“. Er blickte zurück auf die Geschichte und die Ereignisse des Herbsts 1989, die diesen Tag überhaupt erst möglich gemacht hatten.

Für ihn persönlich sei es ein ganz besonderer Tag, weil er in der Konsequenz seine eigene Biografie grundsätzlich verändert habe. „Meine Generation weiß noch, was die Mauer war. Was Stacheldraht und Schießbefehl bedeutet. Was Verfolgung bedeutet. Was es bedeutet, Menschen schematisch zu brechen, nur weil sie anderer Meinung waren. Was Selbstschussanlagen sind und was Kalter Krieg bedeutet. Alles Wörter und Bezeichnungen, die Angst und Schrecken verursachen. All das ist auch ein Stück deutsche Geschichte“, so Torsten Widder in seiner Festrede.

„Die Friedliche Revolution in der ehemaligen DDR hat es ermöglicht, dass wir heute, über 35 Jahre danach, ein Deutschland einig Vaterland sind. Und das ist ein guter Grund, stolz auf unser Land zu sein, denn wir haben es der Welt gezeigt, dass man Konflikte ohne Waffengewalt lösen kann.“

Dank für die Hilfe nach der Wende

Wer heute auf die deutsche Einheit zurückblicke, sehe nicht nur ein großes politisches Ereignis, sondern auch kleine Geschichten. „Die Städtepartnerschaft zwischen Andernach und Zella-Mehlis ist eine solche Geschichte. Sie zeigt, wie Einheit im Alltag funktioniert: durch Begegnung, durch Freundschaft, durch gegenseitige Wertschätzung.“ Die Wiedervereinigung sei ein Geschenk und ein Auftrag – sie rufe dazu auf, die Demokratie zu bewahren, die Freiheit und die Grundrechte zu schützen und Brücken zu bauen. Bürgermeister Torsten Widder und Oberbürgermeister Christian Greiner versprachen, die Partnerschaft weiter zu pflegen und gemeinsam in die Zukunft zu gehen.

„Unsere Städtepartnerschaft ist ein leuchtendes Symbol dafür, dass Einheit nicht nur ein Wort ist, sondern gelebte Realität“, sagte Torsten Widder und bedankte sich abschließend für die Hilfe und Unterstützung insbesondere in der Zeit nach der Wiedervereinigung.