Zeil Kleine Stars ganz groß

Ralf Naumann

Das traditionelle Singspiel in Zeil sieht heuer ganz anders aus, als bisher. Statt auf der Bühne findet das diesjährige Stück auf der Leinwand statt.

Zeil - Schon auf der Straße von dem Capitoltheater in Zeil war deutlich zu sehen, dass am Samstag etwas ganz anders ist als sonst. Ein roter Teppich ragt bis in die Straße hinein. Dunkelrote Kordeln zwischen goldenen Ständern gespannt weisen den Weg ins Innere. Monika Schraut, die Singschullehrerin von Zeil, steht im langen Abendkleid an der Tür und begrüßt Jede und Jeden der geladenen Gäste. Die Stars des Tages sind ihre Musikkinder.

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Im Kostüm, oder fein herausgeputzt, werden sie einzeln von Monika Schraut unter Applaus und "Blitzlichtgewitter" den roten Teppich entlang geleitet zum Fotoshooting an der Fotowand, bevor es in den Saal geht. Und dort findet gleich vier Mal in Folge das traditionelle Singspiel statt. "Beste Feinde" wird aber nicht auf der Bühne aufgeführt, sondern coronabedingt auf der Leinwand.

In ihrer Laudatio stellt die Musikpädagogin fest, "dass die Kinder wahrscheinlich die einzigen Filmstars in der Familie mit eigenem Filmplakat und Premierenfoto sind". Schraut lobt die Kinder und erinnert sie an die Mühe bei der Vorbereitung, an die vielen Wiederholungen, die häufigen Probentermine, das Durchhalten und Durchbeißen und daran, dass alle trotzdem dabei Spaß hatten. "Das ist die Mischung, aus der gutes Leben besteht", gibt sie den kleinen Sängern mit auf den Weg. Auch hat die Musiklehrerin viele Dankesworte und Präsente im Gepäck. Sie bedankt sich bei den Eltern für die gute Zusammenarbeit, ebenso bei der Stadt Zeil, den Pfarrgemeinden und den verschiedenen Vereinen, die sie unterstützt haben.

Bei Detlef Winkelmann, der unentgeltlich seit zwei Jahrzehnten die Tontechnik bei den Musicals übernommen hat und bei Michael Diehm, der in mühevoller Kleinarbeit aus tausend Teilszenen einen ganzen Film zusammengeschnitten hat bedankt sie sich mit einem Präsent. Mit einer Rose überrascht sie ihren Mann und ihre Kinder, die - wie in allen zwanzig Singschuljahren zuvor - auch dieses Mal die zuarbeitenden "Allrounder" im Hintergrund sind.

Entstanden ist derweil ein besonderer Film, dessen "Premiere" gleich vier Mal hintereinander stattfindet, da die 38 Chorfamilien coronabedingt in vier Gruppen aufgeteilt worden sind. Stella Grieshaber als Klara von Katzenstein und Jakob Maier als Sebastian spielten und sangen die Hautrollen im Film "Beste Feinde". Als Katz und Maus müssten sie sich eigentlich voneinander fernhalten. Weil es die Tradition so will und weil es ja schon so oft schief gegangen ist, sagen die Mäuseeltern die von David Wacker und Angeline Tschiggfrey gespielt wurden. Aber als die Kleine Katze Klara sich mit ihresgleichen anfreunden will, gerät sie an die Bauernhof-Bande, die vom Kater Scharfzahn, alias Veit Nüßlein angeführt wird. Hänseleien, Bespitzelung und am Ende sogar die Mutprobe ihren eigenen Mäusefreund zu töten wären dort der Preis für das Dazugehören. Klara sagt mutig "Nein", aber es wird nicht gehört. Da kommt ihr Sebastian und die ganze Mäusefamilie zu Hilfe. Aber auch das reicht noch nicht. Erst als Klaras Mutter, gespielt von Alina Feustel, eingreift und deutlich macht, dass es die unterste Schublade ist, sich immer nur an den Schwächeren zu vergreifen können Alle aufatmen. Ein Kampf zwischen Parteien, die sich gewachsen sind, ein Ringen um eine Lösung auf Augenhöhe, ein Begegnen mit fairen Mitteln, das wäre die richtige Strategie und diese fasst das Schlusslied so zusammen: "Das Leben schenkt und Feinde, damit wir lernen zu verstehen, dass manche Menschen diese Welt mit andern Augen sehen. Das Leben schenkt und Freunde, damit wir lernen zu vertrauen, und immer wenn es schwer wird, auf unsre Freundschaft zu bauen.

Mit diesem außergewöhnlichen Musical beendet Monika Schraut nach zwanzig Jahren ihre Singschule in Zeil am Main. All die Jahre hat sie es verstanden, immer wieder gesellschaftlich relevante Themen auf die Bühne zu bringen. Sie setzte sich zum Beispiel mit der Schattenseite der Digitalisierung im Musical "SMS für Timo Beil" auseinander oder zeigte mit dem Musical "Der Hexenbesen", wohin das Festhalten an Vorurteilen führen kann. Auch schreckte sie nicht zurück vor schwierigen Themen und brachte mit "Leb wohl, lieber Dachs" oder "Der eigensüchtige Riese" das Thema Tod auf die Bühne. Es wird eine Lücke geben in Zeil, wenn sie jetzt aufhört. "Aber jedes Ende bietet auch einem neuen Impuls die Chance, sich zu entfalten", sagt sie im Interview. "Es war der richtige Schritt", macht sie deutlich. Ein paar Tränen muss sie dabei trotzdem aus ihrem Gesicht wischen.

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Der Film "Beste Feinde" ist ab sofort

im Internet unter der Homepage www.Singschule-Monika-Schraut.de

zu sehen.