Zeil Ein kleiner Lichtblick

Christian Licha

Großen Anklang fand der Zeiler Kinosommer im Caritasgarten. An sieben Tagen wurden beliebte Filme und Kabarett gezeigt. Doch noch mehr Grund zur Freude hatte Detlef Winkelmann.

Detlef Winkelmann, der Wirt des Zeiler Musiktreffs, durfte den Ausschank übernehmen und generierte so seine ersten Einnahmen seit dem Lockdown. Foto: Licha

Zeil - Rund 200 Zuschauer ließen sich beim Zeiler Kinosommer von Ines Procter, der Putzfraa von Fastnacht in Franken, die mit ihrem Schrubber mächtig herumwirbelte, begeistern. An ihrer Seite stand Kosi aus der Rhön auf der Bühne, der mit Wortwitz und originell getexteten Liedern ebenfalls die Lacher auf seine Seite zog.

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Ganz besonders dankbar zeigte sich Detlef Winkelmann. Der ursprünglich aus Schweinfurt stammende Architekt lebt bereits seit 20 Jahren in Zeil und ist seit sieben Jahren der Wirt des Musiktreffs direkt am Marktplatz. "Seit März habe ich hier beim Kinosommer mit dem Ausschank meine ersten paar Euro verdient", sagte der 62-Jährige, der sich Bruno Schneyer sehr verbunden zeigt, dass er ihm diese Chance gegeben hat. Gleichzeitig machte Winkelmann auf seine Lage aufmerksam. Mit der Kneipe hatte er sich seinen Lebenstraum verwirklicht und damit bisher seinen Lebensunterhalt verdient. Bis weit über die Grenzen Zeils hinaus ist der Musiktreff bekannt, nicht zuletzt wegen der bisher samstags stattfindenden Live-Konzerte.

Die Soforthilfe der Bayerischen Staatsregierung nahm Winkelmann dankend an, aber diese reichte natürlich nur eine begrenzte Zeit, um die Festkosten wie Miete, Strom und GEMA zu decken. Nach den Worten des Wirts hat Ministerpräsident Söder Anfang Juli angekündigt, sich Gedanken machen zu wolle, wie es mit den Kneipen weitergeht. Enttäuscht ist Winkelmann, dass sich bis zum heutigen Tage aber keine Perspektive auftat, wann er wieder regulär öffnen kann: "Ich hoffe nur, dass ich da wieder anknüpfen kann, wo ich aufgehört habe, denn das Ausgehverhalten der Leute hat sich schon stark verändert".

Auf die Misere der Veranstaltungsbranche machte auch nochmal Mario Pfaff mit seinem Ein-Mann-Unternehmen MAD Veranstaltungstechnik aufmerksam. Nach seinen Worten sei am 9. September eine Großdemo in Berlin geplant, die er zusammen mit einigen Mitstreitern aus dem Landkreis unterstützen will. Nach den bisherigen Planungen wollen die Haßbergler mit einem Bus zu der Demo nach Berlin reisen, die unter anderem von dem bundesweiten Organisator der Aktion "Night of Light" unterstützt wird.

Kabarett und gute Laune

Ganz nach dem Titel des Musical-Kinofilms "Ich war noch niemals in New York", der im Anschluss gezeigt wurde, konnte Ines Procter sagen: "Ich war noch niemals in Zeil am Main und konnte mir bisher nicht vorstellen, dass ich mal in einem Garten mit Campingstühlen spielen werde". Die Putzfraa schimpfte spaßig über ihren Ehemann ("von dem hab ich meinen komischen Nachnamen") und bewunderte ein Ehepaar im Publikum, das bereits seit 45 Jahren verheiratet ist. So lange würde sie es wohl nicht mit ihrem Ehegatten aushalten: "Ich hab gedacht, jetzt beim Brexit hab ich ihn los und er wird abgeholt, aber nix wars". Aber auch die Fachwerkstadt bekam ihr Fett weg, wenn man es zugleich sogar als Belobigung verstehen konnte. Bei ihrer Anreise führte nämlich das Navi Ines Procter mitten in die Baustelle in der Sander Straße, wo es bekanntlich kein Durchkommen gibt. Auf der Umleitungsstrecke über Ziegelanger dachte sich die Künstlerin: "Zeil muss schon scheiße groß sein, wenn man so lange außen rum fahren muss". Auch bereits bekannt durch seine Auftritte in Hofheim, Knetzgau und Zell a. E. in den vergangenen drei Jahren ist Kosmas Fischer, alias "Kosi". Der aus Sondheim vor der Rhön stammende Unterhaltungskünstler ist bekannt für seinen sehr spontanen Humor: "Ich weiss manchmal selbst nicht, was ich in den nächsten zwei Minuten erzähle". So brachte er auch in Zeil das Publikum in Stimmung und zu wahren Lachanfällen. Vermisst hat Kosi in Zeil das "Muschibubu-Licht", das er normal bei seinen Auftritten braucht: "Das ist gedimmtes Licht für den willigen Mann, damit die Frau weiss, dass es jetzt los geht". Gleichwohl schaffte es der Rhöner zum Beispiel die Zuschauer mit einem Mitmachlied in ein "Chris de Burgh-Feeling" zu versetzen. Der ganze Caritasgarten sang seinen Part "aaahhh... aaahhh" mit.

Die Zuschauer waren sehr begeistert von den Darbietungen. "Die Putzfraa war spitze und unser Kosi stark wie immer", sagten die beiden Schwestern Uschi Roppelt und Andrea Echaniz-Gerhard, die Kosmas Fischer bereits von seinen Auftritten bei der Zeller Büttensitzung kennen und seitdem große Fans sind. Für die beiden Frauen war aber auch der Kinofilm sehr interessant, spielen sie doch selbst die dort gezeigten Lieder von Udo Jürgens mit ihrer Musikkapelle, den "Zeller Musikanten".