Wissenschaftler Experten fordern soziale Medien erst ab 13 Jahren

Eine Top-Institution deutscher Wissenschaft will eine Altersgrenze von 13 Jahren für digitale soziale Medien. Damit sind die Experten weniger streng als Ministerpräsident Voigt.

Junge Schüler sollten nicht auf Tiktok und Co., da sind sich alle einig. Nur über die Altersgrenze gibt es unterschiedliche Auffassungen. Foto: IMAGO/Wolfgang Maria Weber

Die Nationale Akademie der Wissenschaften (Leopoldina) hat einen besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen im Umgang mit sozialen Medien gefordert. Bereits in Deutschland, der EU und darüber hinaus bestehende Schutzmaßnahmen müssten schnell wirkungsvoller gestaltet und gezielt ergänzt werden, heißt es in einem von der Leopoldina am Mittwoch vorgestellten Papier. Etwa müssten Altersbeschränkungen konsequent durchgesetzt und bessere Möglichkeiten zur von Eltern begleiteten Nutzung geschaffen werden.

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Konkret empfehlen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter anderem ein striktes Nutzungsverbot für Kinder unter 13 Jahren. Die Angebote sozialer Medien seien für sie „grundsätzlich ungeeignet“.

Handys in der Schule erst ab 16?

Bis 17 Jahren sollten soziale Medien dann nutzbar sein, jedoch altersgerecht - also mit deutlichen Einschränkungen, hieß es. Unter anderem wird empfohlen, bei Kindern unter 16 Jahren Livestreaming, Push-Benachrichtigungen sowie endloses Scrollen zu verhindern.

Im Alter von 13 bis 15 Jahren empfiehlt die Akademie außerdem eine von den Eltern begleitete Nutzung. Innerhalb der Bildungseinrichtungen sollte die Nutzung von Smartphones bis zur zehnten Klasse untersagt werden, also etwa bis zum Alter von 16. Jahren.

Ebenfalls am Mittwoch hatte Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) noch deutlich schärfere Regeln für die Nutzung digitaler Angebote für junge Menschen gefordert. Ginge es nach Voigt, dürften Smartphones erst mit 14 und alle sozialen Medien erst ab 16 Jahren genutzt werden. „Wer soziale Medien zu früh nutzt, entwickelt weniger Selbstwertgefühl, mehr Vergleichsdenken und oft depressive Symptome“, argumentierte Voigt in einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeine“.

Die Leopoldina sieht das ähnlich. Aus wissenschaftlicher Sicht gebe es derzeit deutliche Hinweise darauf, „dass die Nutzung sozialer Medien – trotz wichtiger Vorteile – die psychische Gesundheit, das Wohlbefinden und die Entwicklungschancen von Kindern und Jugendlichen erheblich beeinträchtigen kann“, schreiben die Forschenden.

Die Leopoldina sieht die Heranwachsende sogar „derzeit akut gefährdet“. Rasches Handeln von Bund und Ländern deshalb erforderlich, so die Forscher in dem Papier.

Neben Schutzmaßnahmen sei wichtig, Kindern und Jugendlichen angemessene digitale Teilhabe und einen souveränen Umgang mit sozialen Medien zu ermöglichen. Ziel müsse sein, ihnen eine Nutzung sozialer Medien gewährleisten zu können, ohne sie mit deren Risiken zu überfordern.

Präventiv sollten Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern in Zukunft unter anderem durch Kinderärzte über Nutzen, Risiken und Schutzmöglichkeiten im Umgang mit sozialen Medien informiert werden. Zu sozialen Medien werden in dem Papier neben Plattformen wie Facebook oder Instagram auch Messengerdienste wie Whatsapp und Telegram gezählt.

Die Leopoldina hat ihren Sitz in Halle an der Saale und vertritt die deutsche Wissenschaft in internationalen Gremien. Sie hat rund 1700 Mitglieder aus mehr als 30 Ländern und vereinigt Expertise aus nahezu allen Forschungsbereichen. Sie wurde 1652 gegründet und 2008 zur Nationalen Akademie der Wissenschaften Deutschlands ernannt.