Wirtschaft Rüstungsstreit: Für Heckler & Koch ist's eine Prestige-Frage

Stuttgart/Suhl - Nach dem Stopp des Vergabeverfahrens für ein neues Bundeswehr-Sturmgewehr an die Suhler Firma Haenel hofft der zunächst unterlegene Waffenhersteller Heckler & Koch, doch noch zum Zug zu kommen.

Das Sturmgewehr G36 steht beim Waffenhersteller Heckler & Koch in einem Ausstellungsraum. Foto: Patrick Seeger/dpa/Symbolbild

Aus strategischer Sicht handle es sich um «einen der wichtigsten Aufträge überhaupt», zumal die Bundeswehr ein bedeutender Referenzkunde sei, sagte Firmenchef Jens Bodo Koch am Donnerstagabend beim Stuttgarter Wirtschaftspresseclub. «Wir sind der Ausrüster für die Bundeswehr für Handfeuerwaffen in ganz großen Bereichen und wollen es natürlich aus Prestigegründen auch bleiben. Deswegen ist uns dieser Auftrag so wichtig.»

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H&K liefert der Bundeswehr seit sechs Jahrzehnten Sturmgewehre, außerdem bekommt die deutsche Armee Maschinengewehre, Pistolen und Granatwerfer von der Schwarzwälder Waffenschmiede. Bei dem Bieterverfahren für das neue Sturmgewehr hatte sich aber überraschend der kleine Konkurrenten Haenel aus Suhl durchgesetzt. Vor zwei Wochen stoppte das Verteidigungsministerium die Vergabe jedoch und begründete dies damit, dass eine Patentrechtsverletzung zulasten von Heckler & Koch nicht auszuschließen sei.

Firmenchef Koch sagte, ein Verlust des Großauftrags wäre für sein Unternehmen ökonomisch verkraftbar. Man rede hier über einen Umsatz von grob 200 Millionen Euro verteilt auf sieben Jahre. Der hoch verschuldete Waffenhersteller hatte im ersten Halbjahr 139,5 Millionen Euro umgesetzt und einen Gewinn von 7,6 Millionen Euro gemeldet - deutlich mehr als zuletzt. Vor allem im Ausland ist die Nachfrage nach Handfeuerwaffen hoch. In den Jahren 2017 und 2018 war die Firma mit Sitz in Oberndorf am Neckar noch tief in den roten Zahlen gewesen. Bei H&K arbeiten rund 1000 Mitarbeiter. dpa