Wirtschaft "Mensch und Werkzeug müssen eins werden"

Es ist nicht so leicht wie es aussieht: Wer richtig Gras mähen will, braucht passende Sense und Körperhaltung, erklärt Experte Gunther Rödel.

Herr Rödel, die Mahd mit der Sense - das beherrschten doch schon die Vorfahren perfekt und haben es teilweise weitergegeben. Was kann man da schon falsch machen?

Eine ganze Menge. Die Technik hat die Sense längst verdrängt und so beherrschen immer weniger Leute das Metier. Wenn die Mähbewegung oder das Material nicht stimmen, macht der Umgang mit der Sense keinen Spaß. Dann ist es wirklich eine Schweiß treibende Arbeit. Damit das Schwingen des Körpers auf das Gerät übergeht, braucht es vieler Faktoren. Mensch und Werkzeug müssen schließlich eins werden.

Macht es wirklich so viel Unterschied, welche Sense man nutzt?

Ja, sicher. Das ist sogar entscheidend. Wer einen krummen Rücken beim Mähen macht, hat das falsche Material. Auch darf man die Sense, um das im Gegenzug zu kompensieren, nicht mit angewinkelten Armen halten. Das schafft wiederum anderswo im Körper ein Ungleichgewicht und Probleme. Also: Wer aufrecht steht und den Sensenwurf hält, muss die Arme lang machen können. So können Sensenblatt und -wurf, die um den Körper quasi im Halbkreis bewegt werden, durch das Gras gleiten. Schulter und Hüfte schwingen immer mit. Ganz langsam geht es dabei im Tippelschritt vorwärts - eigentlich immer nur die Breite eines Sensenblattes lang. Die Füße hinterlassen so etwas wie eine Schleifspur. Daran erkennt man den guten Mäher.

Und wie komme ich nun zu einer Sense, die zu mir passt?

Also, es geht um die Armlänge und die Körpergröße, um die Bergwiesenmahd optimal erleben zu können. Da gibt es nichts von der Stange und auch nicht aus dem Baumarkt. Für fast jeden, der größer als 1,70 Meter ist, sind die Sensen von dort zu klein. Gebückte Haltung und Rückenschmerzen sind die Folge. Verstellbare Sensen für verschiedene Größen sind Voraussetzung für das Erlebnis Sensenmahd. Die verwenden wir auch in den Kursen. Unsere kommen aus Österreich - samt Sensenblatt. Hier können wir Kontakte zu professionellen Herstellern vermitteln.

Das heißt, es geht nicht nur um den richtigen Sensenwurf - also das Holzgestell - sondern auch um das scharfe Teil, welches dann das Grüne zu Fall bringt...

Das muss ebenfalls stimmen, um butterweich durchs Gras zu gleiten. Auch hier sollte man auf die Fachleute setzen.

...und sicher auf die neuesten Trends...

So kann man das nicht sagen. Die uralten Sensenblätter, die manche Großväter oder Uropas noch zu Hause in der Scheune haben, sind besser als manches neue Teil. Entscheidend ist hierbei, dass die Sensenblätter scharf sind, damit sie ihre Arbeit spielend verrichten können.

Interview: Birgitt Schunk

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