Wirtschaft Jedes zweite Unternehmen befürchtet Auftragsverluste

Der Arbeitsmarktumfrage 2021 der IHK Südthüringen für den Landkreis Sonneberg zufolge, hat sich eine bekannte Vorerkrankung verschärft: Der Fachkräftemangel.

Im Hintergrund nimmt die Röchling-Erweiterung in Neuhaus ihren Fortgang, im Vordergrund des Bildes wirbt der Betrieb per Aufsteller an der Bundesstraße um Jobbewerber und Azubis. Foto:  

Sonneberg - Im Landkreis klagen etliche Unternehmen über unbesetzte Stellen, zum Teil bereits seit Monaten. Vor allem Mitarbeiter mit abgeschlossener Berufsausbildung werden gesucht. Das bedeutet neue Chancen für Bewerber aus der Region und für jene, die sich verändern wollen. Für die Unternehmen können längere Vakanzen allerdings an die Substanz gehen. Das zeigt die Arbeitsmarktumfrage 2021, die die Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen für den Landkreis Sonneberg ausgewertet hat.

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Derzeit verfügen 45 Prozent der Arbeitgeber zwischen Rennsteig, Schaumberger Land, Neuhaus-Schierschnitz und Sonneberg über Stellen, die zwei Monate und länger unbesetzt sind. Die benötigten Qualifikationen der gesuchten Mitarbeiter sind vielfältig, so die Kammer. Der Fokus liegt auf Fachkräften mit einer dualen Ausbildung. Diese werden von 76 Prozent der Unternehmen gesucht. Chancen bestehen auch für Ungelernte: 29 Prozent sind auf der Suche nach Personal für Anlerntätigkeiten. Darüber hinaus bieten 19 Prozent der Unternehmen offene Stellen für Mitarbeiter mit Weiterbildungsabschlüssen, wie Fachwirt oder Meister. Lediglich zehn Prozent melden Vakanzen für Akademiker.

Wegen der demografischen Entwicklung und der wirtschaftlichen Expansion im gesamten südthüringisch-fränkischen Raum erwarten 60 Prozent der Unternehmen auch in den kommenden zwei Jahren Schwierigkeiten, benötigte Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt zu finden. Für 45 Prozent ist dies mit einer steigenden Belastung durch Lohnkosten verbunden. Denn versierten Fachkräften muss etwas geboten werden, damit sie nicht den Arbeitgeber wechseln. 41 Prozent erwarten dennoch andauernden Personalmangel.

Ältere sind außen vor?

„Kurzfristig kann man als Arbeitgeber Tätigkeiten im Betrieb auf die vorhandene Belegschaft umverteilen. Auf diese naheliegende Weise reagieren drei von vier Sonneberger Unternehmen. Allerdings kann dies kein Dauerzustand sein. Hinzu kommt, dass sich Tätigkeiten von Mitarbeitern mit einer Spezialausbildung schwer umverteilen lassen. Daher geht letztlich jedes zweite Unternehmen davon aus, Aufträge zu verlieren. Sonneberger Unternehmen könnten im Wettbewerb zurückfallen, weil es an Personal fehlt. Dann ziehen Fachkräfteengpässe erhebliche volkswirtschaftliche Schäden nach sich“, erklärt Ralf Pieterwas, Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen.

So unterschiedlich, wie die im Landkreis Sonneberg ansässigen Unternehmen sind, fallen auch die Antworten aus, wie sie denken, Stellen besetzen zu können. Ein einheitliches Bild einer alles dominierenden Strategie gibt es nicht. 46 Prozent der Unternehmen wollen ihre Ausbildungsaktivitäten ausweiten. 36 Prozent planen die Steigerung ihrer Arbeitgeberattraktivität. Jeweils 27 Prozent streben stärkere Weiterbildungsaktivitäten, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Einstellung von Fachkräften aus dem Ausland an. Der Ansatz, ältere Menschen einzustellen, wird kaum verfolgt. Während 63 Prozent der Unternehmen im benachbarten Landkreis Hildburghausen diese Strategie wählen, findet Sie nur bei 14 Prozent der Betriebe hierzulande Anklang, so die IHK.