Wirtschaft IHK Südthüringen im Fadenkreuz Suhler Gastronomen

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Leere Ladenflächen in Suhl – hier im CCS. Foto: /Karl-Heinz Frank

Eine Umfrage der IHK Südthüringen, wonach in Suhl Kneipen, Ärzte und Kultur für eine Ansiedlung von dringend benötigten Fachkräften fehlen, stößt bei Gastronomen und Innenstadthändlern sowie dem Citymanagement auf Kritik.

 
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Die Aussagen im Beitrag „In Suhl fehlen Kneipen, Ärzte und Kultur“ in unserer Ausgabe vom 4. Juli, in dem die IHK Südthüringen Ergebnisse einer Umfrage unter Suhler Unternehmern zur fehlenden Ansiedlung von dringend benötigten Fachkräften in der Stadt öffentlich macht, stößt in der Stadt auf harsche Kritik. Innenstadthändler, Gastronomen und Citymanagement werfen der IHK vor, nur 900 von 3500 IHK-Mitgliedern befragt zu haben. Davon hätten letztlich nur 35 reagiert und die Fragen beantwortet. Diese Zahlen seien bewusst verschwiegen worden. Damit sei die Umfrage keineswegs repräsentativ und sollte auch nicht derart aufgewertet werden, wie von der IHK Südthüringen praktiziert, kritisiert Citymanagerin Silvia Bergner fest. Sie berichtet nach dem jüngsten Weinabend mit rund 30 Innenstadtakteuren, dass sich vor allem Gastronomen, die es gerade in der Zeit der Pandemie besonders hart getroffen habe, durch die Umfrage angegriffen fühlten. „Jeder einzelne hat mit der Suche nach Fachkräften zu kämpfen – wie in anderen Branchen auch. Jeder Einzelne hat mal richtig gut laufende Tage, Vorbestellungen, Feiern und auch mal Tage, an denen die Einrichtung eher geschlossen werden muss, weil sich so gar keiner zu ihm verläuft“, so Bergner.

Sie frage sich, wer von den IHK-Befragten – also Suhler Unternehmern – das letzte Mal in der Innenstadt gewesen sei und hier eingekauft, zum Geschäfts- oder zum Abendessen gegangen sei. Vielleicht gebe es diese Versuche gar nicht mehr. Daraus abzuleiten, dass in Suhl Kneipen und Kultur fehle, sein traurig und ein Schlag ins Gesicht für viele, die sich bemühten, die Stadt Suhl erlebbar zu machen.

„Ist es das, was Fachkräfte suchen?“

Gaststätten und Kneipen finde man in Suhl und nicht nur hier. „Es haben nicht alle an sieben Tagen der Woche 16 Stunden und länger geöffnet, aber es gibt eine bunte Vielfalt von Hausmannskost über Spezialitätenrestaurants bis zu Imbissangeboten. Auch der Vorwurf, die Suhler hätten keine kontinuierliche Feierkultur sei zu hinterfragen. „Sitzt ein Berliner ständig in einer Location, um dort regelmäßig irgendetwas zu feiern?“, so Bergner. Es gebe in Suhl und Umgebung in jeder Woche, vor allem jetzt in der Sommerzeit, so viele Veranstaltungen, dass Willige sich kaum entscheiden können, wohin sie gehen sollen. Was Suhl nicht habe, seien Veranstaltungsorte für junge Leute. Es gibt keine Discotheken und auch sonst unheimlich wenige Angebote für die Jugend. „Aber ist es das, was eine Fachkraft, die eventuell in unserer Gegend neu starten will, sucht?“ Wenn ein junger Maschinenbauer oder Ingenieur – die von den mittelständischen Unternehmen Suhls händeringend gesucht würden – eine neue Heimat für sich und eine Familie suche, so seien einige Faktoren wichtig: wo finde ich einen gut bezahlten Job, wie sind die Rahmenbedingungen meines Arbeitgebers?

Für junge Familien seien die Kindereinrichtungen wichtig, Spielplätze, Freizeitangebote wie etwa die Schwimmhalle, Schwimmbäder, der Tierpark, die Bibliotheken. „Die gibt es, und die sind auch gut erreichbar für Schulkinder der Umgebung“, stellt Bergner fest.

Was die kritisierte ärztliche Versorgung angeht, so sei es sicherlich schwierig einen Facharzt zu finden und dort einen Termin zu bekommen. „Aber es ist möglich, spätestens in benachbarten Städten. Außerdem gibt es das SRH-Klinikum, welches nicht nur größter Arbeitgeber ist, sondern auch hervorragende Spezialkliniken aufweisen kann..“

Zudem gebe es in Suhl wichtige Faktoren zur Freizeitgestaltung. „Genau hier sind einige Vorzüge zu nennen, die Unternehmer bei der IHK-Umfrage wohl gar nicht bedacht haben. In Suhl und Umgebung gibt es -zig Sportvereine, die Angebote unterbreiten. Wer das nicht möchte, kann sich in den vielen Fitnessstudios aktiv halten oder trainiert im Wald allein“, sieht es Bergner.

Gern würde sie mit den wenigen Unternehmern, die sich an der IHK-Umfrage beteiligt hätten ins Gespräch kommen und gemeinsam beratschlagen, was es in der Stadt zu verändern gelte.

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