Wintersport Thüringer Rhön Keine Achtung vor dem Loipen-Ehrenamt?

Spaziergänger meinten hier, für ihr Wintervergnügen ausgerechnet die Loipen benutzen zu müssen. Diese werden dadurch freilich in Mitleidenschaft gezogen, die Arbeit von Ehrenamtlichen kaputt gemacht. Foto:  

Jedes Jahr die gleiche Freude und die gleichen Probleme im Winter. Mit viel Aufwand und ehrenamtlichem Engagement werden in der Thüringer Rhön Loipen angelegt und andere Wintersportangebote geschaffen. Das weiß aber nicht jeder zu schätzen.

Rhöngebiet - Mancher scheint für den Wintersport nichts übrig zu haben: Auch in diesem Jahr wurden wieder Loipen im Bereich der Hohen Rhön und am Ellenbogen zerstört – entweder zertrampelt oder mit Fahrzeugen kaputt gefahren. Selbst die Fläche der Snowtubing-Anlage wurde nicht verschont. Das Rhönforum sieht das sehr kritisch. „ Im Thüringer Teil der Rhön wird alles ehrenamtlich gemacht und es ist dann mehr als ärgerlich, wenn diese Arbeit nicht geschätzt wird“, heißt es.

Aufgrund der Höhenlage ist der Berg Ellenbogen mit Anschluss an die Loipen nach Hilders in Hessen und in die bayerische Rhön ein beliebter Ort für Wintersportler. Dazu gibt es noch Rodelmöglichkeiten und die Gaudirutsche an der Aussichtsplattform Noahs Segel. Nicht jeder ist auf zwei Brettern oder Kufen unterwegs, sondern geht lieber spazieren oder wandern.

„Gerade in der Pandemiezeit sind die Angebote im Schnee eine gelungene Abwechslung für Tagesausflügler und Touristen. Trotz Frust auf Vorschriften oder Einschränkungen, die jetzt schon den zweiten Winter in Folge alle betreffen, ist es wichtig, die ehrenamtliche Arbeit zu schätzen und stärker zu unterstützen“, heißt es vom Verein Rhönforum.

Schlau wäre es auch, wenn Besucher die Orientierungsmöglichkeiten, angefangen von Wetter-Apps (mit stundengenauer Vorhersage) bis zu touristischen Plattformen bereits im Vorfeld nutzten. „Bei Wetterextremen kann es sein, dass Straßen und Zuwegungen in den Höhenlagen der Rhön nicht alle gleichzeitig frei sind oder Parkplätze nicht ständig geräumt sein können. Auch Loipen sind nicht immer gut befahrbar und mal zugeweht“, weiß Regina Filler vom Rhönforum. Ihr Tipp: „Hier bietet sich an, etwas später noch mal zu kommen, vielleicht unterwegs erst mal einzukehren oder andere Orte aufzusuchen. Es gibt zum Beispiel mehrere Winterparkplätze und Einstiegsmöglichkeiten in Loipen.“

Arbeit an Beschilderung

Um die Orientierungsmöglichkeiten zu verbessern und die Sicherheit zu erhöhen, wurde das Projekt „Wintersport im Unesco-Biosphärenreservat Rhön – sicher und umweltbewusst auf Spur“ auf den Weg gebracht. Gefördert wird dies vom Thüringer Umweltministerium aus dem Nachhaltigkeitsbudget für das Biosphärenreservat. Antragssteller für die Wintersportgebiete der Thüringer Rhön ist der Ellenbogenverein, mit „Langnamen“ der Verein für Heimatpflege, Wandern und Wintersport e.V. (Ellenbogen) – mit Unterstützung des Vereins Rhönforum. Am Ende soll es eine einheitliche Beschilderung der Loipengebiete nach den Standards des Deutschen Skiverbands (DSV) geben. Dazu gehören auch Sicherheits- und Umwelthinweise.

Derzeit läuft die Datenabstimmung. Dann erfolgen durch die Sporthochschule Köln als Partner des DSV die Vermessung der Langlaufstrecken und die digitale Beschilderungsplanung. Geplant sind im Anschluss die Herstellung von Start- und Informationstafeln an den wichtigsten Stellen und die Streckenbeschilderung. Das Ganze soll dann auch digital beim Tourenportal Rhön und dem Loipenportal des DSV sichtbar sein. Damit hoffen die ehrenamtlichen Akteure auch auf weniger Probleme bei der künftigen Orientierung von Nicht-Wintersportlern.

Rhönforum-Vorsitzender Martin Henkel aus Geisa betont: „Wichtig für die Zukunft ist die langfristige Unterstützung der Wintersportgebiete der Rhön und der ehrenamtlichen Arbeit, damit es auch künftige sicher in die Spur gehen kann.“

Snowtubing öffnet wieder

Welch große Arbeit es macht, die Wintersportbedingungen für die Besucher und Einwohner der thüringischen Rhön herzurichten, weiß Jens Graf, Vorsitzender des Ellenbogenvereins, samt seinen Helfern nur zu gut. Umso mehr muss man Hochachtung zollen, wenn trotz aller unschönen Vorkommnisse doch wieder die Pistenraupe und der Spurschlitten an die Arbeit gehen oder die Helfer zur Schaufel greifen, um etwa in schweißtreibender Arbeit die Snowtubinganlage am Ellenbogen erneut herrichten. Für das anstehende Wochenende hat der Verein sich vorgenommen, die Reifenrutschanlage erneut zu öffnen – es wäre dann das dritte Wochenende hintereinander. Der Betrieb ist immer von der Schneelage am Ellenbogen abhängig, und der muss man teils kräftig mit Schippe und Radlader nachhelfen. Nun soll Samstag und Sonntag wieder geöffnet werden. Auch die Loipen sind in einem guten Zustand. Die am Grenzweg Rhönwald kann auch für Skating genutzt werden, heißt es von Loipen-Fuchs Heiko am Donnerstag. Bei minus vier Grad gab es da am Ellenbogen und bei Birx eine durchbrochene Schneedecke, 17 Zentimeter hoch.

Glatteisregen-Warnung

Beachten sollte man jedoch, dass für die Region eine Wetterwarnung vorliegt – so gibt es eine Vorwarnung vor Glatteisregen für Donnerstag für Höhen ab 500 Meter und eine Unwetterwarnung Stufe Orange vor Sturm/Orkan für Donnerstag bis Freitagmittag, 28. Januar, ebenfalls gültig für Höhen ab 700 Meter.

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