Wintersport-Talent Trainingsfleißig und belesen

Von Thomas Klemm
Einige Siegertrophäen wie den Pokal für den dritten Platz beim Deutschen Schülercup und die beiden Medaillen konnte Leoni Dellit schon einheimsen. Foto: Sascha Bühner/fotobuehner

In die Fußstapfen ihrer erfolgreichen großen Schwester Lara will die Skilangläuferin Leoni Dellit aus Kleinschmalkalden treten. Das Zeug dazu hat sie.

Immer unter den besten Sechs, Sieg im Massenstart im März in Seefeld und am Ende der Saison auf Gesamtplatz drei. Das ist die stolze Bilanz der inzwischen vierzehnjährigen Wintersportlerin beim Deutschen Schülercup 2021/2022. Das ist eine großartige Leistung, denn der Schülercup ist sozusagen die deutsche Meisterschaft der Nachwuchs-Athleten im Skilanglauf.

Außerdem dominierte Leoni die Winterrangliste in der COC-Wertung, kletterte nach jedem Wettbewerb aufs Podest und gewann in den vergangenen Wintermonaten zahlreiche TLC-Wettkämpfe. Meist gab es ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Dauerrivalin Nele Bittorf vom Rhöner WSV. Die Dermbacherin gewann übrigens die Gesamtrangliste im Sommer, in der Leoni Platz zwei einnahm. „Aber abseits der Wettkämpfe verstehe ich mich mit Nele wirklich richtig gut“, schmunzelt die Kleinschmalkalderin. „Ich habe sie als sehr starke Kontrahentin an meiner Seite, aber auch als gute Trainingspartnerin.“

Klassenbeste mit Interesse für Geografie

Stichwort Training: Das absolviert Leoni Dellit seit einem Jahr als Sportgymnasiastin in Oberhof. Und auch in der Schule können sich ihre Erfolge sehen lassen. Auf dem jüngsten Zeugnis ist ein Notendurchschnitt von 1,4 zu erkennen. „Ja, ich bin schon ziemlich gut in der Schule, und in diesem Jahr Klassenbeste geworden“, gibt sie in aller Bescheidenheit zu Protokoll. Neben (selbstverständlich) Sport steht Geografie in ihrer Rangliste der Lieblingsfächer ganz oben. Andere Länder interessieren sie sehr – und wenn sie weiterhin sportlich so gut unterwegs ist wie jetzt, wird sie später einmal die Chance bekommen, viele Landstriche der Erde als Athletin bereisen zu können. So wie ihre große Schwester Lara Dellit. „Meine Schwester ist schon mein großes Vorbild“, sagt die Vierzehnjährige. „Ich möchte einmal so weit kommen wie sie, wenn nicht gar noch weiter!“

Dafür muss sie in große Fußstapfen (oder vielleicht besser gesagt Skistiefel) treten. Die auch für den WSV Asbach an den Start gehende und in Oberhof lebende große Schwester gehört zur Trainingsgruppe um die Olympiateilnehmerinnen Victoria Carl und Katherine Sauerbrey, ist dem 1-B-Elitekader des Deutschen Skiverbandes zugeordnet und kann auf ihre Teilnahme bei der Junioren-Weltmeisterschaft 2020 in Oberwiesenthal und 2021 im finnischen Vuokatti zurückblicken. Außerdem nahm sie 2020 an den Olympischen Jugend-Winterspielen in Lausanne in der Schweiz teil und schaffte mit dem vierten Platz im Sprintwettkampf ihren bisher größten Erfolg auf internationaler Bühne. Ihr nächstes Ziel ist die Teilnahme an der Nordischen Weltmeisterschaft 2023 im slowenischen Planica.

Training in der Gruppe macht Spaß

Aber wie gesagt, Leoni will so erfolgreich oder besser als ihre Schwester Lara werden. Dazu ist weiterhin großer Trainingsfleiß nötig, aber den hat sie. Als das Sportgymnasium für die Sommerferien seine Pforten schloss, gab ihr Trainer Sebastian Kleiner ihr mit auf dem Weg, in der ersten Ferienwoche „die Füße richtig still zu halten“. Das fiel ihr alles andere als leicht. Und so „erwischte“ sie ihr Papa Heino Dellit doch eines Tages, wie sie sich gerade die Skiroller an die Füße schnallte. Glücklicherweise darf das Pensum im Laufe der Ferien wieder gesteigert werden. In der zweiten Woche begann der leichte Einstieg ins Training mit Laufen und Radfahren. „Ich habe ein Gravelbike. Damit herumzufahren, ist große Klasse“, erzählt sie. In der dritten Woche „kann ich schon wieder mehr machen und in der vierten Woche sind schon zwei Einheiten am Tag drin“. Die Motivation, um ordentlich zu trainieren, ist also vorhanden. „Mir macht es auch nichts aus, alleine mein Training zu absolvieren. Aber in der Gruppe macht es mir mehr Spaß“, sagt die junge Wintersportlerin, die schon im Alter von zwei Jahren auf den Brettern gestanden hatte. Nach den Sommerferien bietet sich wieder die Gelegenheit zur gemeinsamen Anstrengung. Die Oberhofer Gruppe, in der Leoni mitmischt, umfasst vierzehn Mädchen und Jungen. Hinzu kommen die neun Athleten aus der Gruppe der Älteren.

Um aber den Kopf auch einmal vom Wintersport freizubekommen, bieten sich die großen Ferien selbstverständlich an. Neben dem Familienurlaub in Kroatien mit „Badeeinheiten“ in der warmen Adria steht das Lesen an erster Stelle. „Ich lese sehr gern“, sagt Leoni. „Und tatsächlich noch die Bücher in gedruckter Form.“ Wenn man ihr eine große Freude machen möchte, liegt man mit einem Buch auch immer richtig, fügt ihr Papa hinzu. Zuletzt las sie die Biografien von Martin Forcade und Gerhard Grimmer. Tja, vom Wintersport kommt sie halt auch beim Entspannen nicht ganz los.

 

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